31.08.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Untersuchungsausschuss in Keupstraße: Hatte der NSU Helfer in Köln?
28. October 2015
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Untersuchungsausschuss in Keupstraße: Hatte der NSU Helfer in Köln?

Friseur Özcan Yildirim berichtet dem Ausschuss-Vorsitzenden Sven Wolf (oben l.) vom Moment, als die Bombe explodierte.

Friseur Özcan Yildirim berichtet dem Ausschuss-Vorsitzenden Sven Wolf (oben l.) vom Moment, als die Bombe explodierte.

Foto:

Grönert

Köln -

In der Decke des Friseurladens von Özcan Yildirim klafft noch immer ein dünner, langer Riss, seit beinahe elfeinhalb Jahren schon. Er hat die deutliche Kontur eines Zimmermannsnagels und ist das letzte sichtbare Überbleibsel des Bombenanschlags in der Keupstraße vom Juni 2004. Nirgends wird das Attentat mit 22 Verletzten für die Parlamentarier des NSU-Untersuchungsausschusses des Landtags an diesem Nachmittag greifbarer als in Yildirims Geschäft.

Um sich einen Eindruck von den beiden Tatorten zu verschaffen, die mutmaßlich der rechtsextreme Nationalsozialistische Untergrund 2001 und 2004 in Köln hinterlassen hat, haben die Politiker am Dienstag die Probsteigasse und die Keupstraße besucht. Yildirims Geschäft wird gerade renoviert. Er sei müde, erzählt der 46-Jährige den Abgeordneten, er wolle nicht mehr jeden Tag hinter dem Schaufenster stehen und frisieren, er wolle ein bisschen kürzertreten. Sein Bruder Hassan, der durch die nach der Explosion umherschleudernden Nägel verletzt worden war, wird den Laden weiterführen. Özcan kümmert sich künftig mehr um die Buchhaltung.

„Vertrauen zurückgeben“

Obwohl Yildirim seine Geschichte schon unzählige Male erzählt hat und inzwischen eigentlich nicht mehr viele Worte über den Anschlag verlieren will, nimmt er sich viel Zeit für die Politiker. Denn es sei ihm wichtig, dass die noch offenen Fragen geklärt werden, sagt er, vor allem diese: Wieso wurden die mutmaßlichen Täter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erst 2011, sieben Jahre später, enttarnt? „Wir sind sehr ernsthaft um Aufklärung bemüht“, versichert der Ausschuss-Vorsitzende Sven Wolf (SPD) dem 46-Jährigen. „Und wir möchten Ihnen auch ein Stück Vertrauen zurückgeben, das Sie in unseren Rechtsstaat verloren haben.“

Drei Opfer aus der Keupstraße haben bislang vor dem Ausschuss im Düsseldorfer Landtag ausgesagt. Auch Yildirim könnte noch folgen – wenn er denn dazu bereit sei, betont Ausschuss-Mitglied Andreas Kossiski (SPD). „Er könnte uns womöglich sehr anschaulich die ungeheure Dimension dieses Anschlags schildern.“

Begonnen hatten die Landtagsabgeordneten ihre Tour am Mittag in der Probsteigasse. Eine Bombe, die – versteckt in einer Keksdose – im Januar 2001 in einem iranischen Lebensmittelgeschäft explodiert war, hatte die Tochter des Inhabers schwer verletzt. Anders als in der Keupstraße sind hier keine Spuren des Attentats mehr sichtbar. Das Haus Nummer 44-46 wurde längst renoviert. Wo seinerzeit das Lebensmittelgeschäft war, ist jetzt eine Kommunikationsagentur untergebracht. Weil der Mann, der die Keksdose damals im Laden zurückgelassen hatte, nach der Erinnerung des Inhabers weder Mundlos noch Böhnhardt ähnelte, geht der Ausschuss vor allem der Frage nach, ob der NSU Helfer in Köln hatte.