27.09.2016
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Stadtarchiv: Stiftung in schwerer Krise

Stefan Lafaire ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Stadtgedächtnis

Stefan Lafaire ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Stadtgedächtnis

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FRANZ SCHWARZ

Köln -

Die mit sieben Millionen Euro Steuergeldern ausgestattete Stiftung Stadtgedächtnis befindet sich in einer schweren Krise. Anstatt den Wiederaufbau des Historischen Archivs mit nennenswerten Spenden zu unterstützen, soll die Stiftung durch interne Kosten in diesem Jahr bereits 450 000 Euro ihrer Mittel aufgezehrt haben. An diesem Montag treffen sich die Mitglieder des Kuratoriums, des Aufsichtsgremiums der Stiftung, zu einer Sitzung. Der hauptamtliche Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzende Stefan Lafaire werde kritische Fragen beantworten müssen, heißt es im Umfeld dieser Runde.

Krasses Missverhältnis

Die Stadt Köln ist mit einem Beitrag von fünf Millionen Euro der wichtigste Finanzier. Obwohl die Stiftung ganz überwiegend mit öffentlichen Geldern gegründet worden ist, hat Lafaire weder dem Stadtrat noch den Medien Einblick in die Zahlen gegeben. Der Mangel an Transparenz könnte dem krassen Missverhältnis geschuldet sein, das zwischen den Einnahmen und Ausgaben besteht. Nach Information des „Kölner Stadt-Anzeiger“ stehen dem Spendenaufkommen von rund 30 000 Euro laut Wirtschaftsplan Personalausgaben von 311 000 Euro gegenüber. Weitere 70 000 Euro sind für Sachausgaben vorgesehen, ein großer Teil für den Auftritt im Internet. Hinzu kommen Kosten für die Miete und die Ausstattung der Büroräume in der Großen Budengasse in ebenfalls fünfstelliger Höhe.

In Stiftungskreisen ist Unzufriedenheit mit der Arbeit des Geschäftsführers zu vernehmen. Der frühere Bankangestellte, ein promovierter Germanist und Kunsthistoriker, hatte nach seinem Amtsantritt im Oktober 2011 höchste Erwartungen geweckt. Er wolle jeden Monat eine Million Euro an Spenden sammeln, sagte der mit Hilfe eines Personalberaters ausgewählte Stiftungschef. Zwar wird ihm zugutegehalten, dass derartige Organisationen stets eine gewisse Anlaufzeit brauchen. Indes habe Lafaire den Job ohne eigene Ideen und die erforderliche Erfahrung übernommen, heißt es mittlerweile. Außer dem Geschäftsführer beschäftigt die Stiftung nach eigenen Angaben eine Büroangestellte, eine wissenschaftliche Halbtagskraft und zwei 400-Euro-Jobber. Mit Hilfe externer Berater will Lafaire eine Kampagne starten, um die Stiftung national und international bekanntzumachen. So etwas kostet. Einnahmen sind in dem Wirtschaftsplan für das kommende Jahr nicht eingeplant.