24.08.2016
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Stadtentwicklung: Sozialwohnungen für den Hahnwald

Platz zum Bauen: Hinter dem Elisabeth-Krankenhaus in Hohenlind sollen Mehr- und Einfamilienhäuser entstehen.

Platz zum Bauen: Hinter dem Elisabeth-Krankenhaus in Hohenlind sollen Mehr- und Einfamilienhäuser entstehen.

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Bause

Mit einer neuen Initiative will die Stadt einen Beitrag für eine größere Durchmischung von Kölns teuersten Stadtteilen leisten. Wer Sozialwohnungen in Vierteln wie der Südstadt, in Deutz, Marienburg, Hahnwald, Rodenkirchen, Klettenberg, Sülz, Braunsfeld, Junkersdorf oder Lindenthal baut, wird mit einem Zuschuss von 10 000 Euro pro Wohnung belohnt. Hier gebe es Nachholbedarf, so die Verwaltung. Der Stadtentwicklungsausschuss des Rates soll Ende des Monats diese und andere Ideen zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus diskutieren.

Die Stadt gibt eine Richtung vor, die nicht jedem passt: Sie will verdichten und mischen. „Der wichtigste Beitrag zum sozialen Frieden ist die Mischung unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen und Schichten in den Vierteln“, sagt Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD).

Das sagt sich leicht, doch wenn es an die praktische Umsetzung geht, gibt es Widerstände – nicht zuletzt aus der Nachbarschaft. Neue Häuser im Nordosten von Widdersdorf oder am Junkersdorfer Friedhof, Studentenwohnungen an der Ehrenfelder Franz-Kreuter-Straße oder an der Lindenthaler Landgrafenstraße– „überall führen Veränderungen zu Skepsis“, sagt die Chefin des Stadtplanungsamtes, Anne Luise Müller, diplomatisch. Anwohner protestieren – wegen drohendem Verkehr, dem Verlust von Freiflächen und Frischluft, Wertverlust von Immobilien oder Angst vor neuen Nachbarn.

Anwohner gegen neue Häuser

Das zur Zeit exponierteste Beispiel für solche Konflikte ist der Streit um die Pläne von Caritas und Stadt am Lindenthaler Elisabeth-Krankenhaus zwischen Werth- mannstraße und Bachemer Straße, wo Mehr- und Einfamilienhäuser gebaut werden sollen. Angeführt vom Vorsitzenden des Haus- und Grundbesitzerverein, Konrad Adenauer, protestieren hier Anwohner gegen neue Einfamilienhäuser. Der Grund: Sie seien zu klein.

Adenauer fordert, dass die Grundstücke pro Haus 1000 Quadratmeter groß sein müssen. „Köln braucht für seine Entwicklung gute Wohngegenden“ und „keine Inseln in homogenen Gegenden“. Preiswerte geförderte Wohnungen in Mehrfamilienhäusern für die Mitarbeiter des Krankenhauses wolle man akzeptieren. Die Häuser seien aber zu groß dimensioniert. Eine ebenfalls geplante Schule wolle die Bürgerinitiative aber genauso verhindern wie zu kleine Einfamilienhäuser. „Das passt hier nicht hin.“ Lindenthal sei „gemischt genug“, es sei „schon genug verschandelt“ worden. In einem Brief an Kommunalpolitiker wird mit drastischen Worten vor der „Zerstörung“ eines Stadtteils gewarnt.

Als Interessenvertreter der Lindenthaler Villenbesitzer stellt sich der Chef des Haus- und Grundbesitzervereins, der zuletzt in einer Pressekonferenz den nicht ausreichenden Wohnungsbau in der Stadt kritisierte, nicht nur gegen Stadtverwaltung und rot-grüne Ratsmehrheit. Auch zur eigenen Partei, der CDU, befindet sich Adenauer auf Konfrontationskurs.

„Ein Stadtbild, wie es der Haus- und Grundbesitzerverein vorträgt, ist kein Zukunftsmodell“, sagt der stellvertretende CDU-Fraktionschef und Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, Karl Jürgen Klipper. Adenauer hänge Ideen der Vergangenheit an. „Die Leute wollen keine monotonen Gebiete sondern eine urbane Mischung.“ Diesem Wunsch müsse die Stadt Rechnung tragen. Auch CDU-Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker erteilt dem Kanzlerenkel eine Absage. Man dürfe sich den „Aufgaben der Gesamtstadt nicht verweigern“.

Keine Luxusghettos

Das Stadtplanungsamt hat sich von den Einwänden der Lindenthaler Bürgerinitiative nicht beeindrucken lassen. Anregungen der Bürger, die den Umgang mit wachsendem Verkehr betreffen, habe man berücksichtigt, sagt Anne Luise Müller. Größe und Zahl der Häuser blieben jedoch unverändert. Sie rechnet damit, dass im nächsten Jahr Planrecht bestehe, wenn die Politik nicht noch umschwenkt. Dann kann gebaut werden. „Sich in Luxusghettos einzuigeln wie in Amerika gehört nicht zur Kultur und Historie der europäischen Stadt“, sagt OB Roters. Natürlich müsse man auf gewachsene Strukturen Rücksicht nehmen. Wenn man aber sehe, dass in einzelnen Stadtteilen der Anteil an geförderten Wohnungen unter fünf Prozent liege, in anderen aber über 50 Prozent, gebe es ein klares Missverhältnis. „Ich erwarte, dass Menschen in bevorzugten Wohnbereichen die Bereitschaft zeigen, mit anderen zusammenzuleben.“