28.08.2016
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Stiftung Stadtgedächtnis: Schwache Bilanz der Spendensammler

Der Vorsitzende der Stiftung Stadtgedächtnis, Stefan Lafaire, wollte monatlich eine Million Euro Spendengelder einsammeln.

Der Vorsitzende der Stiftung Stadtgedächtnis, Stefan Lafaire, wollte monatlich eine Million Euro Spendengelder einsammeln.

Foto:

Schwarz

Köln -

Die Stiftung Stadtgedächtnis ist in die Kritik geraten. Nachdem in dieser Woche bekanntwurde, dass die Stiftung in den vergangenen neun Monaten lediglich 35 000 Euro an Spenden eingeworben hat, heißt es seitens der FDP-Ratsfraktion, die Stiftung sei „gescheitert“. In einer Presseerklärung fordern die Liberalen „ein sofortiges Eingreifen “, alle Beteiligten und der Kulturdezernent werden aufgefordert, für eine „schnellstmögliche Umsteuerung“ zu sorgen: „Infrastruktur und Personalkosten der Stiftung übersteigen das Spendenaufkommen um ein Vielfaches.“ Die Kosten würden aus dem Stiftungsvermögen finanziert: „Diese Mittel müssen so schnell wie möglich für die Restaurierungsaufgaben zur Verfügung stehen und dürfen nicht weiter für die Finanzierung eines erfolglosen Modells verpulvert werden“, heißt es weiter. Dem Stiftungsvorsitzenden Stefan Lafaire sei es nicht gelungen, die nötige Aufbruchsstimmung zu erzeugen. „Das Scheitern der Stiftung ist bitter, weil eine große Chance vertan wurde“, sagt Fraktionschef Ralf Sterck.

In dieselbe Kerbe haut die Bürgerplattform „Köln kann auch anders“. Angesichts der Tatsache, dass Stiftungsvorsitzender Lafaire bei Amtsantritt geäußert habe, er wolle monatlich eine Million Euro an Spendengeldern akquirieren, spricht die Bürgerplattform von einer „ernüchternden Bilanz“. Die Stiftung habe es nicht geschafft, den angekündigten „großen Rückhalt in der Bevölkerung“ zu finden, was aber nicht nur dem Stiftungsvorsitzenden anzukreiden sei: „Wir sehen in erster Linie die Stadtspitze, den Kulturdezernenten und die Archivleitung in der Verantwortung für diese Entwicklung. Sie haben die wichtigste Grundlage für die Akquisition von Spendengeldern verspielt: Glaubwürdigkeit, Transparenz und Eindeutigkeit der Entwicklungsperspektiven.“

Stefan Lafaire begegnet dieser Kritik durchaus selbstbewusst: „Kritik ist auch die Chance, um die Strategie unserer Stiftung nochmals öffentlich darzustellen. Wir machen schließlich etwas, was es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben hat.“ Dafür seien Diskussionen in der Stadtgesellschaft nicht nur notwendig, sondern auch förderlich. Den Vorwurf, die Stiftung sei in der Öffentlichkeit nicht präsent, lässt er nicht gelten: „Mein Terminkalender ist prall gefüllt, ich kann aber nicht überall sein.“ Vor allem bei größeren Firmen sei er immer wieder vorstellig geworden, die Entscheidungsprozesse dauerten aber gerade bei diesen potenziellen Geldgebern etwas länger. „Ich persönlich freue mich über jede Anregung so, wie ich für jede Spende dankbar bin.“

„Natürlicher Vorgang“

Dass die Spendenbereitschaft zurzeit nicht sonderlich ausgeprägt ist, wertet Lafaire als einen natürlichen Vorgang nach der großen Welle der Hilfsbereitschaft unmittelbar nach dem Unglück. „Unsere Aufgabe ist es, wieder das Bewusstsein zu schaffen, wie wichtig und wunderbar es ist, die historischen Schätze dieser Stadt zu retten und der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung zu stellen.“ Den inkriminierten Spendenbetrag von 35 000 Euro nennt Lafaire „eine tolle Summe“, jede noch so kleine Spende Kölner Bürger sei „wunderbar“. Die von ihm genannte Summe von einer Million Euro, die er pro Monat einsammeln wollte, habe lediglich dazu gedient, die „ganze Dimension“ des Unterfangens zu verdeutlichen, schließlich würden geschätzte 350 Millionen Euro benötigt, um das Jahrhundertprojekt Rettung der Archivbestände durchzuführen.