28.09.2016
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Stiftung Stadtgedächtnis: Vergebliche Bitte um Auskunft

Stefan Lafaire ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Stadtgedächtnis

Stefan Lafaire ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Stadtgedächtnis

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FRANZ SCHWARZ

Köln -

Die Stadt Köln hat die Stiftung Stadtgedächtnis mit fünf Millionen Euro ausgestattet und ist mit Abstand deren wichtigster Geldgeber. Dennoch bekommen weder die Ratspolitiker noch die Bürger Auskunft darüber, wie es um die Finanzen der in die Kritik geratenen Organisation steht. Kulturdezernent Georg Quander teilte dem Kulturausschuss des Rates am Dienstagabend mit, dass die rechtlich eigenständige Stiftung der Stadt keine Rechenschaft über die Verwendung der Steuergelder schulde. Derartige Fragen beantworte der Stiftungsvorstand seinem nicht öffentlichen Aufsichtsgremium, dem Kuratorium; die Stadt ist durch den Oberbürgermeister vertreten. „Das ist alles sehr unbefriedigend“, sagte Ausschuss-Vorsitzende Eva Bürgermeister (SPD) und fasste so die Unzufriedenheit des Kulturausschusses zusammen.

Eine 350-Millionen-Euro-Aufgabe

Die zweieinhalb Jahre nach dem Einsturz des Stadtarchivs gegründete Stiftung soll Spenden für die Wiederherstellung der zerstörten Dokumente sammeln. Diese Aufgabe erfordere rund 350 Millionen Euro. Sollte irgendwann einmal ein Verantwortlicher für das Unglück ermittelt und gerichtlich belangt werden, wird dieser dann den Schaden ersetzen müssen.

Thor Zimmermann von der Wählervereinigung „Deine Freunde" und auch die FDP hatten nach den Personal- und Sachkosten der Stiftung gefragt. Die Zahl bleibt mangels Auskunft bis auf weiteres Spekulation. Es ist davon auszugehen, dass die Kosten für den Stiftungsgeschäftsführer Stefan Lafaire, dessen Mitarbeiterin sowie die Räumlichkeiten einen sechsstelligen Betrag im Jahr ausmachen. Das Spendenaufkommen soll jedenfalls weit dahinter zurückgeblieben sein; von gerade einmal 35 000 Euro in neun Monaten war die Rede. Das sei alles andere als ein gesundes Verhältnis von Kosten und Nutzen, heißt es im Rathaus. Zumal die Stiftung, die unter anderem noch vom Land und dem Bund mit je einer Millionen Euro unterstützt wird, anfangs insgesamt über ein Vermögen von 7,3 Millionen Euro verfügte – und das Geld auf einem Sparkonto mehr Einnahmen gebracht hätte.

„Ich hätte gerne Aussagen darüber, ob die Stiftung die Stadt mehr Geld kostet, als sie einnimmt“, sagte Zimmermann. Auch FDP-Vertreter Lorenz Deutsch forderte Transparenz über das Finanzgebaren der Stiftung: „Es kann nicht sein, dass sich das im Nachhinein als Black Box herausstellt. Das scheint mir nicht die richtige Strategie für die Öffentlichkeit zu sein.“