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Stimmen zu ProKöln: „Wenn der Teufel in die Kirche geht”

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Diese CSD-Engel setzen einen Kontrast zu den Regenbogenfarben.  Foto: stefan worring
Stellt Dir vor, es ist CSD und ProKöln geht hin: Der Bericht über die geplante Teilnahme der rechtsextremistischen „Pro Köln“-Partei hat eine kontroverse Diskussion auf ksta.de und den sozialen Netzwerken ausgelöst. Eine Zusammenfassung.  Von
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Stellt dir vor, es ist CSD und ProKöln geht hin: Wie in dieser Woche bekannt wurde, hat sich die rechtsextreme Partei „Pro Köln“ für die Parade zum Christopher Street Day  am 7.Juli angemeldet. Nach einem Bericht auf ksta.de äußerten sich die Leser in mehr als hundert Kommentaren auf Facebook, Twitter und ksta.de. Die Leserdiskussion auf ksta.de drehte sich vor allem um den Schwulenhass in muslimischen Ländern und die Instrumentalisierung des Themas durch die Rechten. Eine interessante Kontroverse entspann sich auch auf unserer Facebook-Seite über die Frage, ob man eine Teilnahme von ProKöln an der CSD-Parade verbieten müsse. Eine Demokratie müsse auch rechtspopulistische Ansichten aushalten können, forderten die einen. Die unreflektierte Masse sei zu gefährdet, um rechtem Gedankengut widerstehen zu können, befürchten jedoch andere. Kreativ und humorvoll, mitunter bizarr fielen die Vorschläge aus, wie man damit umgehen könnte, sollte ein ProKöln-Ausschluss nicht möglich sein.

Schwulenhass und Religion

Der User testbild pflichtet der Argumentation ProKölns bei: „Welche ,Religion' herrscht in Ländern in denen Schwule an Baukränen aufgehängt werden (der Verdacht schwul zu sein recht aus)? Wer sagt immer wieder, dass diese ,religiös' motivierte Gewalt eine Gefahr für unsere Gesellschaft und generell für die Menschenrechte ist? Es ist nur konsequent, wenn ProKöln am CSD teilnimmt.” Auch ArnoNym weist auf den Schwulenhass in einigen muslimischen Ländern hin: „Im Iran werden Homosexuelle an Baukränen im Park aufgehängt.” Martin S schließt sich dem ebenfalls an: „Man könnte die Erklärung von "ProKöln" stehen lassen und davon ausgehen, dass sie ernst gemeint ist. Einschlägige islamische Literatur ist voll von homophoben Ressentiments, tagtäglich kommt es zu Übergriffen.”

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Historische Zusammenhänge

Dass Homophobie ein Problem in vielen Ländern ist, darüber ist man sich einig. Nicht aber, über die Frage, ob man sich der Instrumentalisierung des Themas durch Rechtsextreme anschließen möchte, die selbst für eine homophobe und diskriminierende Genderpolitik stünden. Koeln_Deutz meint dazu: „ich unterstütze gern muslime im kampf gegen die unterdrückung in ihren ländern oder durch angehörige hier in deutschland, aber ganz sicher brauchen die nicht die unterstützung durch parteien, die jede form von diskiminierung gegen minderheiten, ausländer, schwulen und lesben praktiziert.” Auf den historischen Zusammenhang zwischen Faschismus und Homophobie in Deutschland weist ThomasDidier hin: „Pro Köln hat sich immer wieder dafür ausgesprochen, Gelder für schwul-lesbische Projekte zu streichen. Abgesehen von diversen homophoben Äusserungen (bspw. Uckermann über Beck) kann man es wirklich nur als eine Provokation ansehen, dass Pro Köln an der Parade teilnehmen will. Die Bedrohung in der muslimischen Welt wird keineswegs geleugnet. Aber wir leben in Deutschland, und da muss man sagen, dass es ein faschistisches Regime war, das für Homosexuelle mörderisch war.”

Christian Strempel fasst die bisherige Diskussion zusammen in der Analogie: Das ist ja wie wenn der Teufel in die Kirche geht.”

Und Gert H. wundert sich. „Die Pros haben Schwule in ihren Reihen? Wenn die jetzt noch Ausländer auf ihren Wagen haben, bricht mein jahrelang vom KStA und Express geprägtes linkes Weltbild zusammen.”

Faule Tomaten in einer Demokratie

Da es sich bei der CSD-Parade um eine Demonstration und damit um eine öffentliche Veranstaltung handelt, ist es nicht ohne weiteres möglich, eine Teilnahme einzelner Gruppen zu verbieten. Wir hatten dennoch die Grundsatzfrage gestellt, ob ein Verbot begrüßenswert wäre. „Nein”, findet Matthias Eggers: „Der CSD und seine Veranstalter fordern doch immer Toleranz gegenüber Minderheiten, dann müssten sie auch tolerant gegenüber der Minderheit Pro Köln sein.” Daniela Graß: „Nein, eine Demokratie muss das aushalten.” Auch Shawn Stein plädiert für Meinungsfreiheit: „Natürlich sollte man das nicht verhindern, wo leben wir denn hier? Nur weil einem die Denkweise anderer nicht gefällt sollen sie ausgeschlossen werden? Wer so was fordert ist doch selbst keinen Deut besser. Die proKöln Pappnasen werden schon sehen was sie davon haben, der gemeine Kölner an sich ist da ja beizeiten sehr kreativ..”

Pro Köln beim CSD?

Toleranz gegen Rechte finden dagegen viele Leser unklug, ja sogar gefährlich. Zum Beispiel Sheriff Pony: „es gab schon andere, die rechtspopulismus maßlos unterschätzt haben (hindenburg, papen, schleicher fallen ein)... fakt ist aber: nicht jeder rechtspolitiker ist blöde. manche sind sogar verdammt intelligent. der ansatz ignorieren ist also überhaupt nicht sinnvoll, denn das gegenteil von unreflektierter masse ist eben kritische masse und die erkennt nicht nur ungerechte haltungen, sondern spricht sich auch öffentlich dagegen aus.” Franky Ramone ist besorgt: „Langsam nehmen diese Tendenzen, rechtes Gedankegut in welcher getarnten Form auch immer in den "normalen" Alltag zu schmuggeln, hierzulande zu: CSD, Musik, Schulhöfe etc. pp. ! Da GIBT es einfach keine zwei Meinungen und keine Mitte-rechts-links-unpolitisch-Ausrede als Verharmlosung!”

Leonhard Vietz pflichtet ihm bei: „Toleranz gegenüber Holocaust-Verleugnern? Em Lääve nit!” Doch Patrick Peter gibt zu bedenken: „Also ich sehe das so, wenn die tatsächlich mit der Aussage dort auftreten, dass sie für die Rechte von Homosexuellen eintreten, wird man denen die Teilnahme nicht verbieten können. Das ist dumm, aber in einer Demokratie leider nicht anders machbar. Pro Köln ist nach wie vor eine legale politische Partei und hat somit die selben Rechte wie auch eine SPD oder eine CDU.” Kris Sorgvrye warnt vor Konsequenzen: „Rechtsradikale, faschistoide, antisemitische und gewaltbereite Neonazis haben beim CSD nichts zu suchen. Sollten Sie mitlaufen, gibts faule Tomaten auf die Glatze!”

Womit wir bei den mehr oder weniger humorvollen Vorschlägen für den Umgang mit ProKöln-Funktionären wären, sollten sie denn tatsächlich an der Parade teilnehmen.

„Eingekeilt in eine Horde Lederkerle”

Riverphoenix schlägt vor: „Sollten die tatsächlich mitgehen so kann es nur eine Reaktion geben. Am Paradeweg alle umdrehen wenn die Pro-Deppen kommen und denen den blanken Arsch zeigen!!” Auch vrings legt sich entspannt zurück: „Lasst die Nazis doch mitlaufen. Ich würde mir den Beisicht gerne mal in Strapsen ansehen, bevor ich ihm ein faules Ei an den Kopf werfe.” Christiane Tsch dagegen ist für Ignorieren: „es steht Euch doch allen frei, bei dieser Gruppe ein Zeichen zu setzen und ihnen den Rücken zuzukehren und nicht zu rocken, zu applaudieren oder sie überhaaut anzuschauen.” Und Jürgen Müller schwelgt in Erinnerungen an 2008: „Wenn ich da an eine gewisse Bootstour vor ein paar Jahren denke...und wenn ich mir vorstelle, wenn die Herrschaften im CSD eingekeilt zwischen einer Horde strammer Lederkerle und ein paar schlagkräftigen Motorradlesben nicht mehr vor und zurückkommen.”

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