29.09.2016
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Stolkgasse: Hund frisst Gift im Restaurant

Hat den Giftköder überlebt: Foxterrierhündin Polly.

Hat den Giftköder überlebt: Foxterrierhündin Polly.

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Privat

Köln -

Der Dom sollte das erste Highlight ihrer Wohnmobilreise sein. Doch zu der Besichtigung kam es gar nicht erst. Stattdessen liefen Heidi und Rüdiger Bahlo mit ihrem Foxterrier auf dem Arm durch die Altstadt in der Hoffnung, das vergiftete Tier retten zu können. Zum Glück brachte ein Taxifahrer sie schnell in eine Tierarztpraxis.

Ihre Polly habe einen unter dem Tisch eines Kölner Restaurants ausgelegten Giftköder gefressen, sagten die Eheleute aus dem niedersächsischen Uetze und hielten Tierärztin Beate Degen ein Blatt entgegen, das ihnen die Bedienung im Lokal in die Hand gedrückt hatte, als klar war, dass das Spielzeug, das Polly unter der Sitzbank gefunden hatte, für eine andere Tiergattung, vermutlich für Ratten oder Mäuse, gedacht war.

Degen ist erst zweimal mit derartigen Fällen konfrontiert worden. Der Hund von Schauspieler Devid Striesow habe sich in einem Kölner Hotel mal solch einen Köder geschnappt und nun Polly. Um ein Erbrechen zu provozieren, gab die Ärztin dem Hund eine Injektion. Wäre die giftige Substanz im Magen verblieben, hätte der Hund innerlich verbluten können. „Total pervers“ findet die Tierärztin die Sache mit dem Zettel. „Unterm Tisch im Lokal krabbeln doch auch Kleinkinder herum.“

Die beiden Besucher aus Norddeutschland verließen die Tierarztpraxis erleichtert, aber auch mit Wut im Bauch, die nicht geringer wurde, als man ihnen auf der Polizeiwache in der Stolkgasse erklärte, die Maßnahme im Lokal sei rechtlich einwandfrei. Das bestätigt eine Anfrage beim Amt für Lebensmittelkontrolle. Solch eine geschlossene Köderbox aus Plastik ist zulässig – sogar im Gastraum. Von Kleinkindern sei sie im Normalfall nicht zu knacken, erläutert Inge Schürmann vom Presseamt. Der Hund müsse schon kräftig darauf gekaut haben.

Das Ehepaar Bahlo ist heilfroh, dass Polly wieder munter ist; beklagt aber, dass der Hinweis auf den Giftköder so tief unten an der Sitzbank aufgeklebt war, dass man den „nur platt auf dem Bauch liegend hätte lesen können“. Der gastronomische Betrieb ließ mitteilen, es falle ausschließlich in die Verantwortung der Hundehalter zu überprüfen, was ihr Vierbeiner unterm Tisch anstellt.

Er halte Schädlingsbekämpfung in Betrieben für dringend erforderlich, sagt der Geschäftsführer der Dehoga Nordrhein, Christoph Becker. „Aber man muss ausschließen können, dass Hunde mit Ködern in Berührung kommen können.“ Von einem Fall wie dem mit Polly „höre ich zum ersten Mal“.