25.08.2016
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Süßwarenmesse: Wir richten uns ein Büdchen ein

Tom Enkler (16) begeistert sich auf der Internationalen Süßwarenmesse insbesondere für die sauren Schlangen in Großformat.

Tom Enkler (16) begeistert sich auf der Internationalen Süßwarenmesse insbesondere für die sauren Schlangen in Großformat.

Foto:

Michael Bause

Köln -

Für drei Kölner Jugendliche war am gestrigen Sonntag praktisch schon Rosenmontag. Bepackt mit Tragetaschen voller Schokolade, Fruchtgummis, Mini-Kuchen und Pralinen, kehrten sie von der Internationalen Süßwarenmesse (ISM) heim.

Dabei haben sich die drei gar nicht mal unrechtmäßig bereichert, sondern waren mit dem Auftrag losgeschickt worden: „Stellt euch vor, ihr hättet einen Kiosk und müsstet Ware auswählen.“ Dass viele Aussteller diese Aufgabenstellung so großzügig unterstützen würden, kam auch für Anna (17), Devi (16) und Tom (16) unerwartet.

Zunächst lachen sich die drei befreundeten Jugendlichen schlapp über die vielen Businessanzugträger, die mit ihren Rollköfferchen durch die Gänge schieben. Doch mit jedem Schälchen oder Tellerchen, was ihnen entgegengehalten wird, lernen sie das Privileg, sich als einzige Nicht-Fachbesucher durchs Sortiment probieren zu dürfen, mehr und mehr schätzen.

Bunte Variationen

„Am besten ist dieser Schokoladenbrunnenstand! Das wär doch ’ne fette Idee für einen Kiosk!“ Während Anna sich weiter ausmalt, wie die Kunden dort nach Belieben ihre Waffeln eintunken können, liebäugelt Devi mit Lollis, die vom Format selbst Bierdeckel übertrumpfen.

„Ich bin sicher, dass die nicht schmecken, aber die sehen geil aus“, findet die 16-Jährige. Ebenso begeistert ist die Gymnasiastin von gigantischen Marshmallow-Konstrukten.

„Es gibt voll die lustigen Sachen“, befinden alle drei, „aber auch viel Neues, was kein Mensch braucht“, urteilt Anna mit Blick auf ein Plastikdosensortiment für Kekse. Devi schwört auf die Süßwaren-Klassiker und amüsiert sich köstlich über einen Gang mit ausschließlich asiatischen Anbietern, deren Sortiment „irgendwie so hello-kitty-mäßig“ anmutet. „Da kann ich mich überhaupt nicht überwinden, zu probieren.“

Dabei stehen die drei grundsätzlich sehr auf bunt und würden diesbezüglich auch heftig zugreifen, wenn sie selber einen Kiosk betrieben. Tom begeistert sich für zum Teil bis zu 70 Zentimeter lange, saure Schlangen und für neue Aroma-Kombinationen wie Wassermelone und Erdbeere.

Gesundheit ein untergeordneter Aspekt

Er, der Vegetarier im Trio, schaut natürlich auch auf Hinweise wie „gelatinefrei“, moniert jedoch im Fall der dargebotenen „Superjellys“ die unschönen Verpackungen. Daher keine potenziellen Anwärter für den Warenkorb.

Am Ende eines langen Marsches, vorbei an Ess-Ketten mit Totenkopf-Anhängern, biologischem Eis auf der Basis von Ziegenmilch, Schoko-Eiern mit Sauerkirschmousse und Whiskey-Pralinen, die für Tom „unnormal nach Alk“ schmecken und allenfalls „für alte Männer, die abends am Kamin sitzen“, geeignet sind, wird Folgendes für kaufenswert befunden: Dragierte Waffelkugeln mit Vanillecreme, Chips in Pommes-frites-Form mit Ketchup oder Mayo-Geschmack.

Minzdrops mit Rillen, die die Zunge reinigen sollen. Diamantförmige Kaugummis in besonders coolen Dosen. Gourmet-Snacks „on the road“, weil man die laut Anna gut während des Schulunterrichts essen kann. Schokostangen mit Liebesperlen. Pan-Cakes, Hobbels, also Milchbrötchen mit Schokostücken, sowie Mini-Kuchen. Cranberrysaft mit angeblich extra viel Vitaminen kommt ebenfalls auf die Einkaufsliste.

Ansonsten ist Gesundheit ein absolut untergeordneter Aspekt. „Nee, bloß nicht. Wir wollen doch die Kinder glücklich machen!“

Das werden Anna, Devi und Tom in Halle 11.2 am Stand der PCO-Group allerdings auch selber. Vor ihnen türmt sich das Paradies auf, „die Gönnung extrem!“ Salzige Lakritzbrezeln, Popcorn mit Schokomantel, Zuckerwatte, Nachos und Slushys, gefrorener Fruchtsirup, der aus witzigen Tröten gesogen wird.

„Wahnsinn!“ Zumindest für heute verabschiedet Tom sich von seinem Berufswunsch Ingenieurwesen. „Ich will professioneller Kioskeinkäufer werden.“