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Trauerfeier für Aziz G.: Raum ist zu klein für Trauernde

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Abschied von Aziz G.: Am Sarg des getöteten Türken zitiert ein muslimischer Geistlicher Verse aus dem Koran. Foto: Max Grönert
Vor der Ehrenfelder Moschee haben sich am Sonntag über 100 Freunde und Verwandte zu Aziz G's Trauerfeier versammelt. Der 39-Jährige war Neujahr erstochen worden, als er einen Streit schlichten wollte.  Von 
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Ehrenfeld

Der Versammlungsraum in der Moschee auf der Venloer Straße ist zu klein für die Trauerfeier. Mehr als hundert Freunde und Verwandte des 39-Jährigen Aziz G., der in der Silvesternacht in Bickendorf erstochen wurde, haben sich am Sonntag nach dem Mittagsgebet vor der Tiefgarage der Moschee versammelt, darunter die einzige Schwester des Toten. „Aziz ist Opfer sinnloser Gewalt geworden“, sagt Ebru Ata unter Tränen. „Er hat zu viel Courage gezeigt.“

Aus einem Leichenwagen laden Männer den Sarg aus. Sie tragen ihn einige Meter auf Händen, bevor sie ihn absetzen. Es herrscht Stille, kaum jemand spricht. Gedämpft dringt Autolärm von der Venloer Straße hinüber auf den kleinen Parkplatz vor der Garage. Er liegt im Schatten, es ist eiskalt. Männer und Frauen stehen in mehreren Reihen hinter dem Sarg und starren zu Boden. Ein muslimischer Geistlicher („Hodja“) tritt hinzu. Er zitiert Verse aus dem Koran, bittet Gott darum, Aziz G. im Himmel aufzunehmen, wie ein Trauernder erklärt. „So rein, wie er auf die Welt gekommen ist, so rein wollen wir uns jetzt von ihm verabschieden.“

Aziz G. wollte einen Streit schlichten

Nach allem, was die Polizei bislang weiß, wollte Aziz G. am Neujahrsmorgen einen Streit zwischen zwei Jugendlichen und Anwohnern schlichten. Die 16 und 17 Jahre alten Beschuldigten sollen am Ossendorfer Weg Silvesterböller auf Balkone und Nachbarn geworfen haben. Ein Anwohner berichtete, sie hätten fortwährend provoziert. „Es war typisch für Aziz, dass er da eingeschritten ist, er war sehr hilfsbereit, ein sehr guter Mensch“, berichtet sein Schwager Mustafa Ata.

Doch die Jugendlichen wollten sich das offenbar nicht gefallen lassen. Einer soll ein Messer aus dem Haus geholt und Aziz G. mit mindestens drei Stichen getötet haben. Von der Tatwaffe fehlt bis heute jede Spur.

Nicht ausschließen will die Staatsanwaltschaft, dass noch ein dritter Täter beteiligt war. „Es gibt entsprechende Zeugenaussagen, aber keinen Hinweis auf eine konkrete Person“, sagte ein Ermittler. Noch in der Nacht hatten sich die beiden Verdächtigen bei der Polizei gestellt. Inzwischen schweigen sie zu den Vorwürfen.

Die Beisetzung findet am Montag statt

Die Schwester von Aziz G. sagt, sie hoffe auf „gerechte und angemessene“ Strafen. „Aziz ist als Erwachsener eingeschritten und wollte einen Streit mit Jugendlichen schlichten“, ergänzt Mustafa Ata, „das ist das normalste von der Welt. Und das soll es auch für uns alle bleiben, trotz dieser Tat.“

Am Montag wird G.'s Leiche auf dem Westfriedhof beigesetzt. Der 39-jährige Arbeiter hinterlässt drei jugendliche Kinder. Eine Psychologin habe mit ihnen gesprochen, erzählt Ebru Ata. „Sie hat ihnen gesagt, dass ihr Papa nie mehr wieder kommt.“

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Tim Stinauer
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