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Trikot-Versandhandel: „Keine Lieferung an Ausländer“

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Metin Sönmez: „Jeder hat eine dritte Chance verdient.“  Foto: privat
Als Fußballtrainer Metin Sönmez einen Satz neuer Trikots für seine Jungs bestellen will, verweigert der Versandhändler die Lieferung - weil Sönmez ein Ausländer sei. Doch der weiß sich zu helfen: Er schreibt dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ eine E-Mail.  Von
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Jeder habe eine zweite Chance verdient, findet Metin Sönmez (44). Er sollte sie nur nutzen. Und deshalb hat Sönmez eine E-Mail an den „Kölner Stadt-Anzeiger“ geschickt: „als Ausländer, der am 18. Juni 1978 in Köln geboren ist, der seit 1994 bei den Ford-Werken arbeitet, dort bis 1997 seine Berufsausbildung gemacht hat, seit 1992 Schiedsrichter des Fußballkreises Köln, seit 1996 glücklich verheiratet, seit 2005 deutscher Staatsbürger, seit 2007 Beisitzer in der Kreisspruchkammer Köln des Fußballverbands Mittelrhein, seit 2009 Jugendtrainer beim FSV Köln Nord und beim CfB Ford Niehl und seit 2010 von der Industrie- und Handelskammer geprüfter Meister für Lagerwirtschaft.“

Schier unglaubliches Angebot entdeckt

So viel der Vorrede. Am 21. Januar 2013 hat Sönmez schon einmal eine E-Mail verschickt – an den Internetversandhandel des Unternehmens SK Teamsport mit Sitz in Limburg. Weil er auf der Suche nach neuen Trikots für seine Jungs auf dessen Homepage ein schier unglaubliches Angebot entdeckt hatte. Ein 14er-Satz Trikot-Sets von Adidas, Artikelnummer P 49162, in Größe XS für 129 Euro. Versehen mit einem Schriftzug des Versandhandels. „Ich habe das erst nicht glauben wollen und noch einmal nachgefragt, ob es sich dabei auch wirklich um ein Set handelt, also mit Hosen und Stutzen.“

Die Antwort kam prompt und hat Sönmez aus der Haut fahren lassen. „Hosen, Stutzen, Torwart-Trikot und Torwarthose sowie ein Ballpaket ohne Berechnung. Zu diesen Konditionen liefern wir aber an keine Ausländer.“

„Wirklich ungewolltes Missverständnis“

Metin Sönmez hat kurz nachgedacht: „Was kann der kleine Türke dagegen machen?“ Und dann den Geschäftsführer der Firma angerufen. Weil ihm der Vorsitzende der Spruchkammer des Fußballkreises Köln, vor der alle Regelverstöße auf den Plätzen verhandelt werden, immer eingeschärft hat, dass jeder einen Fehler machen kann, man ihm aber die Chance geben müsse, Stellung zu beziehen, bevor man sich ein Urteil bilde.

Die erste Antwort von Teamsport-Chef Manfred Klose hat Sönmez wenig befriedigt. Es habe sich um ein „wirklich ungewolltes Missverständnis“ gehandelt. „Es sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass wir keinen Versand ins Ausland, also an Ausländer vornehmen. Unsere Angebote sowie Versandkosten sind nur für Deutschland bestimmt“, teilte ihm Klose nach dem Telefonat per E-Mail mit.

Firma entschuldigt sich

Das könne dieser ja wohl nicht ernst gemeint haben, da sei er aber auf einer ganz falschen Fährte. Doch weil seine Kinder, die F-Jugendlichen von Ford Niehl, jedes Jahr einen eigenen Trikotsatz zur Erinnerung an die Saison bekommen sollen, hat Sönmez gedacht: Gut, jeder hat eine dritte Chance verdient. Und die hat Manfred Klose genutzt. Zwar erst ein wenig rumgedruckst und erklärt, man habe bei den Super-Angeboten immer wieder Besteller aus dem Ausland, die noch mehr rausschlagen wollen, und natürlich handele es sich bei dem 14er-Satz eigentlich nur um Trikots. Und nicht um eine komplette Ausrüstung.

Doch weil sich einer seiner Mitarbeiter gegenüber Sönmez nicht korrekt verhalten habe, werde man jetzt liefern: 14 Trikots, 14 Hosen, 14 Paar Stutzen und ein Paket Trainingsbälle. Als Entschuldigung für das Versehen. Und weil jeder eine dritte Chance verdient hat, wird der „kleine Türke“, wie sich Metin Sönmez voller Ironie selbst bezeichnet, das Angebot annehmen. „Im Namen der Kinder. Wenn die Firma denen jetzt etwas Gutes tut, stelle ich mein Ego auf die Seite.“

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