24.08.2016
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Überforderte Einsatzleitung: Polizei Köln suchte in der Silvesternacht nicht mal intern Hilfe

Die Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof.

Die Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof.

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dpa

Köln -

Elf Tage nach der verheerenden Silvesternacht werden immer mehr Einzelheiten bekannt, die den Eindruck verstärken, dass die Einsatzleitung in der Nacht überfordert war.

Nicht nur, dass die Polizei trotz expliziten Angebots der Landesleitstelle in Duisburg eine Hundertschaft zur Verstärkung ablehnte. Offenbar wurde in der Nacht nicht einmal interne Hilfe in Anspruch genommen.

So wurde nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ der so genannte „Polizeiführer vom Dienst“ (PVD), der rund um die Uhr in Rufbereitschaft stand, nicht über die brisante Lage in der Innenstadt informiert.

Erst am Neujahrsmorgen in Kenntnis gesetzt

Zwar soll der PVD mehrere Stunden nach Mitternacht sogar noch einmal mit der Einsatzleitung telefoniert haben, der Ernst der Situation vor dem Hauptbahnhof soll ihm dabei aber nicht geschildert worden sein. Erst in einem weiteren Telefonat am Neujahrsmorgen sei der PVD dann über die zahlreichen Übergriffe und Raubstraftaten in Kenntnis gesetzt worden, heißt es.

PVD ist jeweils ein erfahrener Beamter des höheren Dienstes, der außerhalb der Kernarbeitszeiten in Rufbereitschaft steht. Diese Dienste wechseln im Kölner Präsidium wochenweise. Bei größeren Gefahrenlagen wird der jeweilige PVD von der Leitstelle der Polizei Köln informiert und übernimmt nach eigenem Ermessen im Zweifel die Verantwortung und Leitung des Einsatzes.

Unklar ist, ob der Einsatzleitung in der Nacht die Dimension selbst nicht klar war und der PVD deshalb nicht zur Hilfe gerufen wurde – oder ob er bewusst nicht zeitnah umfassend in Kenntnis gesetzt wurde. (ts)