24.07.2016
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Urteil: Dreimal im Haus Feuer gelegt

Das Amtsgericht verurteilte die 26-Jährige zu neun Monaten auf Bewährung. (Symbolbild)

Das Amtsgericht verurteilte die 26-Jährige zu neun Monaten auf Bewährung. (Symbolbild)

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dpa

Köln -

Was ging in Silvia D. (26, alle Namen geändert) vor, als sie abends mit ihrer einjährigen Tochter auf dem Arm im Wohnzimmer stand? Seelenruhig blickte sie auf das Feuer auf ihrem Balkon, das sie selbst gelegt hatte, während im Kinderzimmer ihre andere, drei Monate alte Tochter schlief. Vor dem Amtsgericht gab es darauf keine Antwort. Der Prozess endete Dienstag mit einer neunmonatigen Bewährungsstrafe für die Hausfrau und dreifache Mutter; ihr drittes Kind lebt in einem Heim.

Bis zu den Vorfällen im Herbst 2012 hatte Silvia D. ein unauffälliges, straffreies Leben in Müngersdorf geführt. Mit ihren beiden Töchtern und dem Vater Alain D. (50) lebte sie in einer Genossenschaftswohnung. Ein unbekannt gebliebener Täter – angeblich ein Hausbewohner – habe ihr das Leben zur Hölle gemacht, sagte Silvia D. Immer wieder habe er ihren Briefkasten und die Fußmatte angezündet, nannte die 26-Jährige ihr Motiv, schließlich selbst zu Feuerzeug und Brandbeschleuniger gegriffen zu haben.

Heimlich von Kamera gefilmt

Dreimal legte sie auf ihrem Balkon Feuer, verursachte einen Schaden von mehr als 60.000 Euro. Mit den anderen Vorfällen, die die Ermittler ihr auch zur Last legten, wollte sie aber nichts zu tun haben. Das sei der Unbekannte gewesen, auf den sie mit ihren drei Brandstiftungen habe aufmerksam machen wollen. Auf die Spur der Angeklagten kamen die Ermittler, als sie nach den ersten Brandstiftungen heimlich eine Kamera am Balkon der Familie anbrachten – Silvia D. wurde auf frischer Tat ertappt.

Laut Brandsachverständigen und Staatsanwalt war es nur „eine glückliche Fügung, ein Zufall“, dass niemand verletzt wurde. Die Frage nach dem Motiv, die sich Ankläger, Verteidiger und Richter stellten, hat die Angeklagte nicht überzeugend beantwortet. „Das macht ratlos, sprachlos und fassungslos“, hieß es unter den Beteiligten.

„Das war doch kein Oster- oder Martinsfeuer, das Sie sich mit ihrem Kind angeschaut haben, sondern eine Katastrophe von gefährlichem Ausmaß“, hielt der Staatsanwalt ihr vor. Mit gesenktem Kopf, die schulterlangen, blondierten Haare wie ein Schutzschild vor dem Gesicht, blickte Silvia D. zu Boden. Sie zitterte ununterbrochen, war nicht in der Lage, einen zusammenhängenden Satz zu formulieren – ein Umstand, der den Staatsanwalt veranlasste, sie auf ihren Gesundheitszustand untersuchen zu lassen: „Das Risiko einer Wiederholung ist nicht vom Tisch zu wischen.“ Unter anderem die Tatsache, dass sich die Hausfrau seit Oktober vergangenen Jahres nichts mehr hat zuschulden kommen lassen und inzwischen umgezogen ist, hielt den Ankläger aber davon ab.

Der Staatsanwalt stimmte der Bewährungsauflage zu, nach der sich Silvia D. einer fachärztlichen Untersuchung und psychiatrischen Behandlung unterziehen muss. Der Richter legte hundert Sozialstunden fest, die die Angeklagte in einer karitativen Einrichtung leisten muss.