28.08.2016
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Velo 2010: Fahrradbündnis ohne Radfahrer

Ein Ärgernis für Radfahrer: Autos, die wie hier auf der Venloer Straße den Radweg zustellen.

Ein Ärgernis für Radfahrer: Autos, die wie hier auf der Venloer Straße den Radweg zustellen.

Foto:

Arton Krasniqi

Köln -

Das Fahrrad-Bündnis Velo 2010 kann seine Arbeit endgültig einstellen. Die Polizei sei trotz zahlreicher Krisengespräche nicht bereit, sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, wie sich die Zahl der schweren Fahrradunfälle in Köln mit Verletzten und Toten verringern lasse, lautet der Vorwurf des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), dessen Kölner Kreisverband rund 3000 Mitglieder zählt.

Sie beschlossen mit großer Mehrheit, aus dem Bündnis auszutreten. „Für die Polizei besteht Unfallvorbeugung einzig und allein aus Helm und Warnweste“, klagt ADFC-Sprecher Sven Bersch. „Wenn man über verbesserte Bedingungen für Radfahrer, über schlechte Beschilderung oder unklare Verkehrsführung reden will, heißt es nur, dass daran nichts zu ändern sei. So können wir nicht weitermachen. Das ist reine Zeitverschwendung.“

Diskussionen werden abgeblockt

ADFC-Sprecher Sven Bersch beklagt, dass man in der Velo-2010-Runde „nicht einmal darüber reden kann, ob es sinnvoll wäre, die generelle Benutzungspflicht für Radwege aufzuheben“. Weitergehende Themen wie eine mögliche Sperrung der Zülpicher Straße zwischen den Ringen und der Universität für den Autoverkehr brauche man gar nicht erst diskutieren. „Das wird sofort abgeblockt und kategorisch ausgeschlossen.“

Auch zur Situation auf den Ringen mit den schmalen Radwegen könne man Verbesserungsvorschläge machen, fände aber kein Gehör. „Wir müssten doch wenigstens mal darüber reden, ob man eine Fahrbahn, die jetzt gesperrt ist, nicht zur Spur für Radfahrer und Rettungsfahrzeuge umwandelt.“

Besonders verärgert ist der ADFC darüber, dass er keine Vertreter in die Unfallkommission von Stadt und Polizei entsenden darf. „In Berlin und Bonn ist das selbstverständlich.“ In Köln dagegen werde man nur gefragt, wenn sich wie zuletzt an der Richard-Wagner-Straße/Moltkestraße „in kurzer Zeit zwei schwere Unfälle ereignet haben“. Dann werde an der Kreuzung etwas verändert, „doch das Ergebnis ist aus unserer Sicht nicht befriedigend“.

Gesprächen zum Thema Verkehrssicherheit mit der Stadt und der Polizei werde man sich auch nach dem Austritt aus dem Bündnis nicht verschließen. „Dazu ist das Thema einfach zu wichtig.“ Neben der Unfallkommission müsse es wie in anderen Großstädten auch regelmäßige Verkehrsschauen mit allen Beteiligten geben. „Wir haben diesen Vorschlag im Sommer 2012 gemacht und warten auf eine Antwort von Stadt und Polizei“, sagt Bersch.

Die verbliebenen Velo-Partner, zu denen neben Polizei und Stadt noch die Verkehrswacht, der ADAC und die Seniorenvertretung gehören, müssen jetzt darüber nachdenken, welchen Sinn eine Ordnungspartnerschaft zum Radfahren in Köln, die seit 2005 besteht, ohne Beteiligung von Radfahrern noch hat.

Albers kann Kündigung nicht verstehen

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), in dem auch einige Radler organisiert sind, lässt seine Mitgliedschaft derzeit ruhen, die Studentenvertretung Asta und die Mülheimer Fahrradgruppe sind schon lange ausgetreten.
Die Polizei habe in allen Runden immer deutlich gemacht, „dass es uns nicht nur im Prävention und Repression geht“, sagt Polizeipräsident Wolfgang Albers. Er bedaure, dass der ADFC das Bündnis aufgekündigt habe. „So ganz kann ich die Reaktion nicht nachvollziehen. Wenn wir die Vertreter der Radfahrer auf mögliche Verbesserungen im Radwegenetz und bei Verkehrsführungen angesprochen haben, ist nie etwas Konkretes gekommen. Die Polizei kann das Radwegenetz nicht ausbauen. Das ist Aufgabe der Stadt.“

Aus Albers’ Sicht ist es kein Problem, den Fahrradclub an der Unfallkommission zu beteiligen. Die Polizei müsse auch nicht die Geschäftsführung im Velo-Bündnis übernehmen. „Das kann gern ein anderer machen.“ Der Polizeipräsident sieht derzeit keinen Anlass, erneut auf den ADFC zuzugehen. „Die moderierten Gespräche sind meiner Meinung nach in einer guten Atmosphäre verlaufen. Wenn der ADFC das Bündnis jetzt verlässt, renne ich ihm auch nicht hinterher.“