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Vernissage: Weltschmerz aus Nägeln

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Mit den tonnenschweren „Schmerzartikeln“ hat Rolf Tepel (KeTaN) den Altarraum und die Türschwellen gefüllt. Foto: Grönert
Der Künstler KeTanN hat ein Triptychon errichtet, das aus Nägeln und Scherben besteht. Seit November 2011 sammelt er das Material dafür. Sein Kunstwerk symbolisiert den Weltschmerz. Am Aschermittwoch ist Vernissage in der Christuskirche.  Von
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Der Künstler Rolf Tepel, der sich KeTaN nennt, hat während der Karnevalstage weitaus mehr Wegstecke zurückgelegt als irgendein Zugwagen. Ständig pendelte der 56-Jährige zu Fuß mit dem vollgeladenen Handwagen zwischen seinem selbst geschaffenen Domizil am Eifelwall und seinem neuen Ausstellungsraum in der Christuskirche. Seitdem ein Großteil seines Zirkuswagen-Paradieses im November 2011 einem Feuer zum Opfer fiel, hat KeTaN Hunderte von Nägeln aus den verkohlten Überresten seiner Behausung herausmagnetisiert und damit den bereits bestehenden Kisten mit rostigem Inhalt noch mehr Gewicht verliehen: Überreste von verbranntem Wohlstandsmüll, die KeTaN jahrelang auf dem Gelände aussortiert hat, das Heimat des neuen Stadtarchivs werden soll.

Der Mann, der vor 32 Jahren dem Konsum abschwor und seitdem „außerhalb der Norm und in selbst gebauten Architekturen“ lebt, ist nun dabei, mit Hilfe all der gesammelten Nägel ein Kunstwerk zu errichten, ein Symbol des Weltschmerzes. In der Christuskirche im Belgischen Viertel, wo KeTaN mit Zustimmung von Pfarrer Christoph Rollbühler bis Ostern ausstellt, soll bis Aschermittwoch ein Triptychon entstehen: Drei Stahltische, auf denen der gebürtige Krefelder circa zweieinhalb Tonnen rostiger Nägel aufbahrt. Insgesamt werde er Wochen brauchen, um den Kirchenraum zu laden, sagt KeTaN, der auch noch Scherben, Asche und Holzkohle herbeibringen wird.
Bevor er sich an die Installation im Altarraum begab, die er „KeTaNs Nagelstudium“ taufte, hat er die Schwelle zum Gotteshaus zunächst von Dreck befreit und danach ebenfalls mit „Schmerzartikeln“, wie er die allesamt per Hand angekarrten Nägel nennt, gefüllt.

Zufall ist es im Übrigen nicht, dass der Mann, der vor Jahrzehnten seine bürgerliche Existenz samt Fertighaus gegen ein Leben im Zirkuswagen eintauschte, nun in der Christuskirche ausstellt. Hier ging seine Tochter vor 13 Jahren in den Kindergarten, hier war er selber für zwei Jahre Küster.

Künstlerisch verewigt hat KeTaN sich an der Herwarthstraße allerdings schon viel früher. Auf dem Rondell vor dem Gotteshaus steht seit langem einer von insgesamt 88 Steinblöcken aus der ehemaligen Eisenbahnüberführung an der Bonner Straße. „Diese ersten Architekturopfer des neuen U-Bahn-Baus“ konnte er vor etwa zehn Jahren „einem Entsorgungsunternehmer abkaufen“, um zu verhindern, dass 160 Tonnen handgehauener Stein einfach auf dem Müll landen. Inzwischen hat der 56-Jährige etliche dieser Basaltquader wieder dem Öffentlichen Raum zugeführt (etwa an der Alten Feuerwache) und so eine Kommunikationsbrücke angelegt.

Rolf Tepel alias KeTaN greift mit seiner Arbeit die Idee der sozialen Plastik auf, wie sie Joseph Beuys in den 60er Jahren entwickelt hatte. Den Quader vor der Christuskirche drapierte er während der Karnevalstage stets neu mit Überbleibseln aus alkoholreichen Nächten. Am Aschermittwoch lädt er ab 18 Uhr zur Ausstellungseröffnung in die Christuskirche ein. Und in genau drei Monaten, wiederum an einem 13., verlässt er Köln und tritt eine als Karawane geplante Reise durch Deutschland an.

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