Er ist in der Stadt ebenso bekannt wie umstritten: Walter Herrmann, Initiator und Betreiber der „Kölner Klagemauer“, der Tag für Tag unverdrossen und oft mit anderen Dauerdemonstranten auf der Domplatte steht und mit seiner Installation gegen Missstände und Katastrophen in der Welt protestiert. Besonders seine einseitige Stellungnahme im Nahost-Konflikt hat Kritik hervorgerufen – und ihm schon Anzeigen wegen Volksverhetzung eingebracht. Doch am Montag stand er nicht als mutmaßlicher Straftäter, sondern als Opfer vor Gericht. Schon vor dem Prozess zeigte er auf Wunsch von Pressefotografen die unübersehbare Spur der Tat: eine lange Narbe auf der Innenfläche der linken Hand. Sie rührt von einem Messerstich her.
Nach Zeugenaussagen knickte sie ein
Angeklagt war Leila M. (Name geändert). Die 41-Jährige stammt aus dem Iran und ist wegen schwerer körperlicher Beeinträchtigungen Frührentnerin. Den Tatvorwurf der gefährlichen Körperverletzung ließ sie zunächst von ihrer Anwältin Ulrike Tasic rundweg abstreiten: „Sie hatte kein Messer dabei.“ Doch nach den Zeugenaussagen des Opfers und seines Mitstreiters Klaus Franke knickte die 41-Jährige ein und gab zu, ein Messer eingesetzt und Herrmann verletzt zu haben, wenn auch ohne Absicht.
Am 17. Mai des vergangenen Jahres war sie auf die Domplatte gekommen und hatte versucht, an der „Klagemauer“ eigenmächtig ein kleines Protestplakat anzubringen, das auf die Ausrichtung des Eurovision Song Contest in Aserbaidschan Bezug nahm.
Walter Herrmann hinderte sie daran. Nach seinen Angaben und denen von Franke war Leila M. äußerst aufgebracht, voll Wut auf den Islam und schimpfte unter anderem: „Michel Friedman wird euch alle platt machen, den Rest erledigt Pro NRW“ oder „Die Salafisten bekommen in Deutschland die Oberhand, wir werden die Kanaken ausräuchern. Mohammed ist ein Kinderschänder“. Anwältin Tasic räumte bloß summarisch ein, ihre Mandantin habe „eine andere politische Auffassung“ als die Männer von der Klagemauer. Schließlich lief Leila M. zur Infotafel der Installation und versuchte dort, mit einem Schweizer Messer einen Palästinenserschal abzuschneiden. Weil Walter Herrmann wieder dazwischenging, verletzte sie ihn im Gerangel mit einem Schnitt. Weder sie bemerkte es im ersten Moment noch er. Bald war die Polizei vor Ort. Leila M. wurde festgenommen und Herrmann ins Marienhospital gebracht, wo die Schnittwunde genäht werden musste.
Wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilte die Amtsrichterin die 41-Jährige zu 400 Euro Geldstrafe. Sich obendrein beim Opfer zu entschuldigen, wie ihr nahegelegt wurde, widerstrebte Leila M. Sie beließ es bei einem allgemeinen „Es tut mir leid“.


