25.08.2016
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Ökumenischer Gottesdienst: Kardinal Woelki hofft auf Karneval ohne Übergriffe

Nicht nur in der Fünften Jahreszeit gehören die Verhältnisse auf den Kopf gestellt: Kardinal Woelki bei der karnevalistischen Messe.

Nicht nur in der Fünften Jahreszeit gehören die Verhältnisse auf den Kopf gestellt: Kardinal Woelki bei der karnevalistischen Messe.

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Thilo SchmŸlgen

Köln -

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hofft nach den Vorfällen in der Domstadt auf einen friedlichen, störungsfreien Karneval. Er wünsche allen fröhliche Karnevalstage, „ohne dass Menschen Übergriffen ausgesetzt sind, wie wir es in der Silvesternacht erlebt haben, so wie ich es mir nicht vorstellen konnte, so wie wir es in Köln nicht wollen, erst recht nicht an unserem Fest“, sagte Woelki im ökumenischen Gottesdienst mit Karnevalisten am Donnerstagabend im Dom. „Jeder Jeck ist anders, dafür steht Köln, für diese Toleranz.“ Darauf erhielt der Kölner Erzbischof großen Beifall im voll besetzten Dom.

Der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Markus Ritterbach, betonte in einem Grußwort am Ende der Feier, dass der traditionelle Domgottesdienst der Karnevalisten erstmals in ökumenischer Form stattfand. „Das freut uns sehr, ist es doch an dieser Stelle und in diesr Zeit ein ganz wichtiges Signal und ein besonderes Zeichen.“

Beispielhaft werde damit nicht der Blick auf das Trennende, sondern auf das Verbindende gerichtet. „Vielleicht ist es auch genau das, was unsere Stadt in dieser Zeit ganz dringend braucht“, so der Karnevalist. „Ich wünsche mir, dass Kirche und Karneval immer Beispiel geben für ein gutes Miteinander: friedlich, freundlich, mit einem Höchstmaß an Respekt - gerade jetzt.“

Würde der Frauen verteidigen

Bereits am Mittwoch hatte Woelki zum verstärkten Einsatz für die Menschenwürde aufgerufen. In einem Gottesdienst im Kölner Dom sagte der Erzbischof: „Dort, wo wehrlose, den Jahreswechsel feiernde Frauen ohnmächtig den Übergriffen einer marodierenden Horde ausgesetzt sind, da stellt sich Gott entgegen und will, dass auch wir uns dort solchen Ausschreitungen entgegen stellen und die Würde, in diesem Fall die Würde so vieler Frauen, verteidigen.“

Auch andere katholische Bischöfe in Deutschland rufen nach den Übergriffen von Köln dazu auf, die Würde von Frauen zu verteidigen. Sie warnen zugleich aber vor pauschalen Verdächtigungen gegenüber Flüchtlingen und Ausländern.

„Die meisten Leute wollen sofort urteilen und wollen Sündenböcke haben“, sagte der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke am Donnerstag im Gespräch mit Radio Vatikan. Die Kirche müsse aber darauf achten, dass keine „irrationale Stimmung“ mit allgemeinen Verdächtigungen gegen Ausländer und Flüchtlinge aufkomme. Auch in führenden Parteien gebe es Stimmen, „die gleich wieder Propaganda gegen Flüchtlinge machen wollen“, so Jaschke, der in der Deutschen Bischofskonferenz für den Dialog mit den Muslimen zuständig ist.

Zuwanderer verpflichten sich zu Grundwerten

Jaschke rief dazu auf, zunächst ein klares Bild über die Vorgänge zu gewinnen. Die Täter, die Frauen sexuell bedrängt, verletzt oder ausgeraubt hätten, seien dingfest zu machen. Zugleich stellte er klar, dass Asylsuchende und andere Zuwanderer sich auf hier geltende Grundwerte wie die gleiche Würde von Mann und Frau zu verpflichten hätten. „Wer dagegen verstößt, der ist kriminell und wird bestraft, und wenn es ganz schlimm ist, muss eben auch eine Ausweisung erfolgen.“

Laut Polizei hatte sich an Silvester rund um den Kölner Hauptbahnhof eine große Menge junger Männer versammelt, die nach Zeugenaussagen überwiegend aus dem nordafrikanischen beziehungsweise arabischen Raum stammen sollen. Aus der Menge bildeten sich später demnach Gruppen, die Frauen umzingelten, sexuell bedrängten und ausraubten. (kna)