button-KStA-epaper
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Wohnen auf Zeit: Studierende der KISD bauen Pop-up-Hostels

20170119max-kisd05

Das aufgeklappbare Hostel ist sparsam möbliert, mit Sitzbank und schmalen Regalen.

Foto:

Grönert

Das Pfandhaus dürfte die teuerste Immobilie sein. In der Ausstellungshalle der KISD Köln International School of Design stehen neun Holz-Hütten, die als temporäres Hostel genutzt werden können. Die Wände des Pfandhauses bestehen hauptsächlich aus Pet-Flaschen, die farbige Optik erinnert ein wenig an die in den 1960/70er Jahren so beliebten Glasbausteine in Flur oder Treppenhaus. Bei den anderen Mini-Hostels dominieren Grobspanplatten.

20170119max-kisd03

Im Pfandhaus sorgen versetzt angeordnete Wände für Sichtschutz.

Foto:

Grönert

„Das ist unser bislang bestes Projekt“, schwärmt Wolfgang Laubersheimer, Direktor der KISD am Ubierring. Auf der Biennale in Venedig war er auf ein Projekt zum Thema Wohnen auf Zeit aufmerksam geworden. „Wir könnten doch mal Schlafplätze für Messezeiten entwerfen“, so seine Idee. Die Studierenden sollten Hütten bauen für Gäste statt Hotelzimmer zu buchen.

Sie schrieben 45 internationale Design- und Architekturbüros an, schließlich gab es 15 Entwürfe, realisiert wurden acht. „Ich wollte aber neun haben“, also reaktivierte Laubersheimer die seit 20 Jahren ruhende Zusammenarbeit mit Reinhard Müller, „Pretty Good Privacy“ ist eine geniale Konstruktion, das Haus lässt sich komplett zusammenklappen. Statt Scharnieren hat Laubersheimer Lederstreifen verwendet.

20170119max-kisd08

Blick in den „Heimlichtuer".

Foto:

Grönert

Till Könnekers „Guesthouse V 1“ ist ein Multifunktionswunder auf 2,5 mal 2,5 mal 2,5 Metern (das war die Vorgabe). Dank schräger Wände gibt es einen Außensitz, innen ein Bett mit reichlich Abstellfläche, Regalen und Tisch, auf der Rückseite ist eine Kletterwand entstanden. Der gebürtige Berliner lebt und arbeitet in der Schweiz.

Das Hüttendorf ist in Rekordzeit entstanden. Nachdem Entwürfe und Bauzeichnungen zwischen den Studierenden und den Profi-Büros endgültig ausgetauscht und abgesegnet waren, griffen die Kölner Teams am 6. Januar erstmals zu den Werkzeugen. „Acht Teams, und wir hatten nur sechs Akku-Schrauber“, erzählt Laubersheimer, die Hilfsbereitschaft hat ihn sehr beeindruckt.

Klein, aber viel Privatsphäre

Die Hostels sind zwar klein, bieten aber viel Privatsphäre: Fensteröffnungen liegen über Augenhöhe, Malte Wagenfeld spielt in „Jason’s Room“ zudem mit Spiegeln, nach japanischem Vorbild können Schuhe unterm Eingang abgestellt werden. Viele Hütten sind wahre Platzwunder dank aufklappbarer Bänke oder auch Fußböden, in den Polster und Bettzeug verstaut werden können.

Ein Paradies für Puristen ist der „Heimlichtuer“ von Gerd Mies und Sebastian Heilmann, konstruiert aus schmalen Leisten bis hin zur Garderobe. Auf dem Tisch steht ein farblich passendes Gesteck aus getrockneten Gräsern. In den übrigen Hostels (der Chef ausgenommen) verblüffen die Designer mit Plastikblumen.

„Two Point Five: Pop-Up Hostels". Die öffentliche Ausstellung ist täglich vom 17. bis 22. Januar in der Zeit von 14.00 Uhr bis 20.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

KISD Köln International School of Design, Ubierring 40, 14 bis 20 Uhr.