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Zuschuss gekürzt: Museum sieht sich für Erfolge bestraft

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Bis zum letzten Tag standen die Besucher Schlange, um die Ausstellung „1912 – Mission Moderne“ zu sehen. Dies brachte dem Museum erhebliche Einnahmen. Foto: Stefan Worring
Das Wallraf-Richartz-Museum fühlt sich für seinen wirtschaftlichen Erfolg von der Stadt Köln bestraft. Wie schon im vergangenen Jahr wird der Zuschuss um 12,5 Prozent gekürzt. Erwirtschaftete Rücklagen würden dadurch wieder angegriffen.  Von
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Das „Wallraf“, Kölner Renommiermuseum mit internationalem Ruf, das gerade noch mit der Ausstellung „1912 – Mission Moderne“ ein großes Publikum anzog, fühlt sich für seinen wirtschaftlichen Erfolg von der Stadt Köln „bestraft“.

Das sagt Roland Krischel, kommissarischer Leiter des Museums. Wie schon im vergangenen Jahr sieht der Wirtschaftsplan 2013 eine pauschale Kürzung des städtischen Betriebskostenzuschusses um 12,5 Prozent oder 262 921 Euro auf 3,8 Millionen Euro vor. Damit wird der vom Museum erwirtschaftete Überschuss um den entsprechenden Betrag gekürzt. „Diese Kürzungen haben wir im Museum als Bestrafung empfunden“, klagte Krischel im Kulturausschuss.

Nach einer von der Boston Consulting Group im Dezember vorgelegten Untersuchung ist der wirtschaftliche Erfolg des Museums außer auf die handelnden Personen auch auf die Umwandlung des Museums in eine „eigenbetriebsähnliche Einrichtung“ im Jahr 2008 zurückzuführen. Seit damals kann das Wallraf-Richartz-Museum/Fondation Corboud im Gegensatz zu allen anderen Kölner Museen begrenzt eigenwirtschaftlich handeln.

Angriff auf erwirtschaftetes Geld

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Eine Entwicklung, die das Museum nutzte, um Rücklagen zu bilden. Dass dieses selbst erwirtschaftete Geld nun durch Kürzung der Zuschüsse an anderer Stelle wieder angegriffen werden muss, schmerzt die Museumsleute besonders, denn „Budgetsicherheit ist fast noch wichtiger als die absolute Höhe des Etats“, so Krischel.

Schon seit 2002 verlangt der Stifterrat des Museums unter Vorsitz von Alfred Neven DuMont die Umwandlung des Museums in einen vollständigen Eigenbetrieb, um dem Haus größere Handlungsfreiheit zu verschaffen. Diese Diskussion erhält nun wieder Auftrieb durch die Studie der Boston Consulting Group, die „deutliche Vorteile“ bereits in der eigenbetriebsähnlichen Form des Hauses sieht.

Ohne genaueren Untersuchungen vorgreifen zu wollen, rät Rainer Minz, Seniorpartner im Kölner Büro des Wirtschaftsberatungsunternehmens, das Wallraf-Modell „auch für andere Kölner Museen in Betracht zu ziehen“. Auch Kulturdezernent Georg Quander spricht sich dafür aus, „das Thema Eigenbetrieb viel ernster zu nehmen als früher“.

Wie Boston Consulting feststellte, hatte der vom Museum erwirtschaftete Überschuss schon 2010 zu Zuschusskürzungen um 245 000 Euro und 2011 um 310 000 Euro geführt. 2012 waren es 262 000 Euro. Generell bezuschusse die Stadt ihre Museen sehr stark, erläuterte Minz. Während vergleichbare Museen bundesweit nur zu 51 Prozent bezuschusst würden, lägen die Zuwendungen in Köln bei 75 Prozent. Selbst wenn die Zuschüsse gekürzt würden, könnten die Museen durch höhere Preise bei Sonderausstellungen, Öffnung auch am Montag und ein professionelles Fundraising (also das Einwerben von Spenden und Sponsoren) diese Verluste ausgleichen.

Das falsche Signal

Auch durch die Vermeidung überflüssiger Arbeitsgänge im Personalbereich könnten Kapazitäten freigesetzt werden. Laut Kulturdezernent Georg Quander sind die Zuschüsse absolut gesehen nicht besonders hoch, doch „müssten Eigenmittel eigentlich mehr bringen“. Außerdem seien die beteiligten Mitarbeiter organisatorisch derzeit schlecht eingesetzt.

Marcus Dekiert, designierter Leiter des Wallraf-Richartz-Museums, erfuhr durch einen Anruf dieser Zeitung von den Kürzungen. Er gab an, sich zunächst mit Krischel in Verbindung setzen zu wollen, ließ aber durchblicken, dass er, so sich die Pläne bestätigen sollten, diese für das falsche Signal halte. Das Museum, dessen Leitung er am 1. März antritt, sei finanziell ohnehin „sehr knapp aufgestellt“, zudem sei es „widersinnig“, einen Publikumserfolg auf diese Weise zu vergelten.

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