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Zwangsurlaub: Stadtverwaltung auf Sparflamme

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Chefbesuch im Call-Center: Stadtdirektor Guido Kahlen erkundigt sich bei Melanie Lück (von links) und Anika Kriechel. Foto: stefan worring
Zwischen den Feiertagen arbeiteten die Kölner Ämter nur mit einer Notbesetzung. Ärgerlich für die, die an ihrem freien Tag einen wichtigen Behördengang erledigen wollten, aber gut für die Stadtkasse.  Von
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Betriebsferien bei der Stadtverwaltung? Das junge Paar aus dem Kölner Norden steht vor dem Eingang des Standesamtes und liest verwundert den Aushang. Die hölzerne Pforte ist verschlossen. Auf das Klingeln hin erscheint ein Bediensteter. „Hier ist zu“, bestätigt er nicht zum ersten Mal an diesem Tag. Einlass erhält allein, wer eine Geburt oder einen Sterbefall beurkunden lassen will. Das heiratswillige Paar dagegen wird sich noch einmal auf den Weg machen müssen, um eine Ehefähigkeitsbescheinigung beantragen zu können. „Für Bürger, die an ihrem freien Tag etwas erledigen wollen, ist das blöd“, sagt die Frau enttäuscht.

Weil die Stadt sparen muss, hat Oberbürgermeister Jürgen Roters den Beschäftigten zwischen Weihnachten und Neujahr zwei Tage Zwangsurlaub verordnet. Nach groben Berechnungen ließen sich die Kosten für Heizung, Strom und Bewachung der Behördengebäude um eine halbe Million Euro senken, heißt es in der Verwaltung.

Nicht alle blieben zu Hause

Indes sind längst nicht alle der 17 000 Angestellten und Beamten zu Hause geblieben. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr verrichteten ebenso ihren Dienst wie das Personal in den Museen, den Büchereien und im Call-Center. Das Jugendamt und das Gesundheitsamt haben Notdienste eingerichtet, Politessen haben wie gewohnt Knöllchen geschrieben.

Für dringende Passangelegenheiten blieb das Kundenzentrum am Laurenzplatz geöffnet. An diesem Freitagvormittag sind drei von 28 Schaltern besetzt. Carolin Orthen, Heike Linnartz und Iris Kalscheuer haben sich freiwillig gemeldet, um schusseligen Mitbürgern und Pechvögeln mit vorläufigen Dokumenten aus der Klemme zu helfen. Einer hat kurz vor Beginn seiner Reise nach Peru festgestellt, dass sein Reisepass abgelaufen ist. Eine Frau aus Weiden wurde Opfer eines Wohnungseinbruchs, sämtliche Papiere fehlen, sie braucht einen neuen Personalausweis. Rund 100 solcher Fälle hat das Mini-Team im Kundenzentrum bearbeitet.

Stadtdirektor Guido Kahlen ist seit Stunden unterwegs. Er will sich einen Eindruck verschaffen, wie Bürger reagieren, wenn ein Riesenapparat auf Sparflamme läuft. Jetzt steht Kahlen unerkannt vor der geschlossenen Kfz-Zulassungsstelle in Poll und sieht zu, wie ein älterer Mann vor der Eingangstür verärgert abdreht. „Ist das ein faules Volk“, bekommt der Stadtdirektor noch zu hören.

Kommunikation ist verbesserungswürdig

Zwei Kilometer entfernt befindet sich das Call-Center. Im Erdgeschoss des Gebäudes an der Dillenburger Straße ist jeder zweite Schreibtisch besetzt, rund 50 Männer und Frauen sind zum Dienst eingeteilt. Allein am Donnerstag gingen 4000 Anrufe ein. Wieder und wieder erklären die Mitarbeiter, warum die Verwaltung Pause macht. „Die Reaktionen sind unterschiedlich“, sagt Gruppenleiterin Roswitha Mochert. Die einen haben Verständnis für die Sparmaßnahme, die anderen eben nicht.

Missverständlich formulierte Aushänge, mitunter falsche Auskünfte durch Personal im Rathaus – die Information für die Bürger scheint verbesserungswürdig. „Was die Kommunikation angeht, müssten wir nacharbeiten“, sagt Kahlen. Noch will er sich nicht festlegen, ob es auch im kommenden Jahr Betriebsferien geben wird.

In jedem Fall aber, so Kahlen, werde die Verwaltungsspitze die Entscheidung nicht mehr ohne den Personalrat treffen. Dessen Vorsitzender Jörg Dicken stimmt einer solchen Auszeit grundsätzlich zu: „Die meisten Mitarbeiter freuen sich darüber“, sagte er. „So bleibt vielen die leidige Abstimmung erspart, wer in einer Dienststelle an diesen Tagen freinehmen darf und wer arbeiten muss.“

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