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Interview mit Lüdemann: „Nein, ich bereue die Berufswahl nicht“

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Kölner EC: Mirko Lüdemann. Foto: Rainer Dahmen
Haie-Verteidiger Mirko Lüdemann, der am Sonntag sein 1000. DEL-Spiel bestreitet, spricht über seine lange Karriere und seine Zukunftspläne. Es sei nach wie vor ein schönes Gefühl, Eishockeyspieler zu sein. „Ich bereue die Berufswahl nicht.“  Von
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Köln

Herr Lüdemann, Sie bestreiten am Sonntag als erster Spieler die 1000. Partie in der DEL. Ist das mehr ein Meilenstein für die 1994 gegründete Liga oder auch für Sie?

Mirko Lüdemann: Wenn man 1000 Spiele hat, das ist doch schon eine Hausnummer in Deutschland. Da sagt man sich: Okay, man hat schon einiges hinter sich gebracht. Aber ich möchte ja gern noch weiter spielen.

Sie haben in der alten Bundesliga noch ein Jahr gespielt und sind ein Kind der DEL. Ist diese Liga eine schöne Heimat?

Lüdemann: Ja, würde ich sagen. Mit Höhen und Tiefen. Aber im Großen und Ganzen war ich hier immer recht glücklich. Deswegen wollte ich auch nie großartig ins Ausland wechseln. Das Eishockey hat eine gute Qualität hier. Es ist in den letzten paar Jahren besser, athletischer geworden. Die Spieler sind austrainierter, fitter. Außerdem sind die Mannschaften ausgeglichener. Die Zeiten, wo du zum Tabellenletzten gefahren bist und gesagt hast: Heute reicht es, 70 oder 80 Prozent abzurufen, die sind vorbei. Wenn man heute nicht 100 Prozent gibt, verlierst du auch beim Letzten.

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Wie haben Sie die ersten DEL-Jahre erlebt, als deutsche Spieler kaum zum Zug kamen? Haben Sie sich Sorgen um Ihre Karriere gemacht?

Lüdemann: Das war eine schwierige Zeit. Ich war zwar relativ sicher, weil ich noch einen langfristigen Vertrag hatte. Aber man hat sich schon gefragt, wieso kommen jetzt so viele Ausländer rein, wenn wir doch so viele gute deutsche Spieler haben.
Es ging auch viel wilder zu. Es gab viel mehr tough guys, die hauptsächlich zum Kämpfen da sind.

Lüdemann: Da kamen natürlich auch ein paar Verrückte mit rüber. Das war schon abenteuerlich. Aber irgendwann hat man gesehen: Wenn wir keine deutschen Spieler mehr haben, dann geht es auch mit der Nationalmannschaft bergab. So kam es ja auch. Dann hat man wieder einen kleinen Riegel vorgeschoben.

Was macht für Sie nach so vielen Jahren noch den Reiz aus?

Lüdemann: Oh, wie soll ich das sagen? Eigentlich der Kampf auf dem Eis, dass man sich jeden Tag immer neu messen muss. Mit Jüngeren. Eigentlich nur mit Jüngeren (lacht). Es gibt ja nicht mehr so viele Ältere. Immer noch diesen Kampf zu bestehen und positiv daraus hervorzugehen. Das ist der Punkt, wo ich sage: Deshalb stehe ich jeden Morgen auf.

Gibt es einen Aspekt des Spiels, den sie besonders mögen? Das Laufen vielleicht? Oder das Schießen, das Checken? Das Boxen ist es in Ihrem Fall ja eher nicht.

Lüdemann: Nein, das Boxen war es noch nie. Es ist eigentlich alles. Das einzig Schöne ist, wenn man vom Eis geht und man hat gewonnen. Für diese Momente geht man schuften. Man weiß beim Abpfiff: bupp, gewonnen, fertig aus. Das Ding ist gegessen.

Was finden Sie nach 20 Profi-Jahren noch toll daran, am Freitag in einem Bus Hunderte Kilometer zum Auswärtsspiel zu fahren und morgens um vier nach Hause zu kommen?

Lüdemann: Das sind nur kurze Momente, wo man denkt: Oh, Mist, du kommst um fünf Uhr nach Hause, stehst in sechs Stunden wieder auf und gehst zum Training. Aber dann kommt wieder der normale Rhythmus, man trainiert wieder normal. Es ist nach wie vor ein schönes Gefühl, Eishockeyspieler zu sein. Nein, Ich bereue die Berufswahl nicht.

Die Wahl bekamen Sie, als die Mauer fiel. Da waren Sie 16. Was wäre gewesen, wenn es nicht so gekommen wäre? Sie hätten mit Weißwasser gegen Dynamo Berlin gespielt, immer und immer wieder.

Lüdemann: Wahrscheinlich. Oder ich hätte im Kraftwerk gearbeitet. Weiß man nicht. Die Idee vom Profi kam erst, als ich nach Kanada ging. Wir kannten das ja vorher nicht, Profi-Eishockey.

Mit 17 Jahren aus Weißwasser nach Kanada. Mussten Sie ihre Eltern überreden?

Lüdemann: Die Eltern haben mich immer unterstützt. Ich war noch in der Ausbildung zum Industriemechaniker. Da habe ich gefragt, ob ich ein Jahr pausieren kann, weil ich es gern in Kanada versuchen wollte. Die Ausbildung hatte ich noch in der Hinterhand.

Der Osten, aus dem sie kommen, ist auf der DEL-Landkarte unterrepräsentiert. Oder gar nicht vorhanden, je nachdem, wie man den Rekordmeister Eisbären Berlin sieht. Sind die für Sie weiter Dynamo?

Lüdemann: Die Eisbären sind die Eisbären. Die zählen eigentlich noch zu Dynamo. Der Westen waren die Preußen, und die gibt es nicht mehr. Insofern zählen die Eisbären für mich noch zum Osten. Und die anderen? Weißwasser spielt Zweite Liga, mit ihrem Budget ist es gut, wenn sie sich da behaupten. Dresden hat eine schöne Halle und ein gutes Umfeld, aber sie schaffen es irgendwie immer, Probleme zu bekommen. In Dresden ist der Fußball Nummer eins. Da wird es Eishockey immer schwer haben. Crimmitschau kenne ich nur als kleiner Junge. Ich weiß nicht, wie es da jetzt ist.

Was wissen Sie noch von einzelnen Ihrer 1000 Spiele?

Lüdemann: Nicht mehr viel. Wir haben so viele Spiele hintereinander. Es gibt Spieler, die gucken sich die Spiele noch vier-, fünfmal an. Ich hab das nie gemacht. Deswegen weiß ich nicht mehr, was letztes Jahr war, oder irgendeine bestimmte Szene. Das ist für mich nicht wichtig, weil schon wieder ein neues Spiel kommt, auf das ich mich konzentrieren muss.

Sehen Sie sich nicht gern spielen?

Lüdemann: Ich muss das nicht haben. Ich gucke mich nicht selber gern an, wie ich da im Kreis rumlaufe oder irgendwas mache. Das ist mir egal. Hauptsache, wir gewinnen.

Sie haben gerade einen neu en Vertrag unterschrieben. Wie lange geht es noch auf dem Eis weiter?

Lüdemann: Solange ich noch mitspielen kann. Wenn ich das Tempo nicht mehr mitgehen kann, bringt es nichts mehr. Aber mit harter Arbeit im Sommer und guten Genen geht es schon eine Weile. Man muss verletzungsfrei bleiben. Ganz schlimme Sachen sind mir ja erspart geblieben. Aber eine Sache wie der Sehnenriss letztes Jahr, wenn ich das noch mal erleben würde, müsste ich überlegen.

Gibt es keinen Druck aus der Familie, etwas mehr zu Hause zu sein? Sie sind seit einiger Zeit Vater.

Lüdemann: Ich bin ja die ganze Woche immer um zwölf Uhr zu Hause und kann mich um die Kleine kümmern. Bei uns ist das Wochenende zerrissen, aber ich denke, im Großen und Ganzen sehen wir unsere Familie öfter als ein normaler Arbeiter.

Welche beruflichen Pläne für die Zeit danach haben Sie? Denken Sie an den Bereich Geschäftsführung oder Management im Eishockey?

Lüdemann: Jetzt versuche ich erst mal, noch ein Jahr zu spielen. Dann sehen wir, ob ich langsam in diese Schiene reingehe. Das ist eine Sache, an die man langsam herangeführt werden muss. Und ich muss erst mal aufhören mit Eishockeyspielen.

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