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„Auf der anderen Seite“: Psychisch Kranke stellen Werke aus

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Eisenbahntunnel in Kalk Foto: Ulrike Stubbe
Im Foto- und Schreibkurs des Autorenverbands „Aura 09“ haben sich 15 psychisch kranke und gesunde Kölner mit dem Stadtteil Kalk auseinandergesetzt. Im Basement der Köln Arcaden sind die Werke noch bis zum 10. Januar ausgestellt.  Von
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Kalk

Bedrohlich dunkle Wolken hängen über den Stahlbögen der Südbrücke. Der Betrachter des Schwarz-Weiß-Fotos blickt durch ein Gitter. Brücken und Mauern finden sich wiederholt in den Fotografien und Texten der Ausstellung „Auf der anderen Seite“. Sie vermitteln ein Gefühl von Einsamkeit, aber auch den Wunsch nach Verbundenheit. Das spiegelt sich ebenfalls im Text „Hinter Mauern“ wider: „Ich habe Angst vor den Anderen, habe aber gleichzeitig Sehnsucht nach Verbindung und Kontakt.“

Im Foto- und Schreibkurs des Autorenverbands „Aura 09“ haben sich 15 psychisch kranke und gesunde Kölner mit dem Stadtteil Kalk auseinandergesetzt. Der Kurs wurde von der Autorin Eva Weissweiler und dem Fotografen Klaus Kammerichs von März bis November im Sozialpsychiatrischen Zentrum Köln-Kalk veranstaltet. „Auf der anderen Seite“ hat eine Doppelbedeutung: Der Titel beschreibt die „andere“, also rechte Rheinseite, aber auch die „andere Seite“ der sogenannten Normalität, wie Eva Weissweiler erklärt.

Neben Architektur- und Landschaftsbildern werden Porträts von Menschen aus Kalk ausgestellt: Verschleierte Frauen, arbeitslose Jugendliche und ein türkischer Friseur. Fotografiert hat sie ein Kursteilnehmer an einem Wochenende in einem psychotischen Rauschzustand – so viele, dass sich ein Buch damit füllen ließe. Der 57-Jährige hat die Menschen in einer für sie typischen Situation abgelichtet, häufig am Arbeitsplatz. Ein türkischer Schneider sitzt an seiner Nähmaschine, ein Mann mit orangefarbenem Turban steht hinter dem Tresen seines Kiosks und blickt entschlossen in die Kamera. Auf diese Weise ist ein bemerkenswertes Porträt des multikulturellen Kalk entstanden.

Häufig überschneiden sich die Themen und Motive in den Fotos und Texten. Wenn Rosemarie M. in einem Gedicht sehr bildhaft den Gang durch den dunklen Eisenbahntunnel in Kalk beschreibt, scheint es, als hätte Ulrike Stubbe genau diese Szenerie in ihrem Foto visualisiert. Durch dieses Zusammenspiel von Bild und Text treten die Gattungen und ihre Künstler in einen spannenden Dialog.

„Auf der anderen Seite“, Basement der Köln Arcaden, Kalker Hauptstraße 55, Köln, Mo.–Fr. 16–19 Uhr, bis 10. Januar.

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