29.09.2016
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Klinik-Serien: Welcher Fernseh-Arzt kann mich am besten kurieren?

Schwarzwaldklinik

Das Personal der „Schwarzwaldklinik“

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dpa

Die Schwarzwaldklinik

Worum geht es: 70 Folgen lang von 1985 bis 1989 ist Professor Brinkmann (Klausjürgen Wussow) Chef der Schwarzwaldklinik. Seine heile Familienwelt lebt er nicht nur im idyllischen Eigenheim, sondern auch auf der Arbeit, denn Ehefrau Christa (Gaby Dohm) und Sohn Udo (Sascha Hehn) sind auch dort tätig – wie auch das nette Fräulein Meis (Karin Eckhold), die sympathische Schwester Elke (Barbara Wussow), der freche Pfleger Mischa (Jochen Schroeder) und – unvergesslich – Oberschwester Hildegard (Eva Maria Bauer).

„Die Schwarzwaldklinik“ ist nicht nur Krankenhaus-, sondern in erster Linie Familienserie. Und so sind die Folgen auch weniger vom harten Klinikalltag der Realität geprägt, sondern mehr von den großen und kleinen Sorgen der ländlichen Bevölkerung. Aber in der Regel findet sich für alles eine Lösung und in der Regel findet sie Professor Brinkmann. Am Ende bekommt Christa einen Kuss, Mischa einen Rüffel von der Oberschwester und Udo flirtet mit Elke.

Geeignet für: Bodenständige Nostalgiker, die der (vermeintlich) heilen Welt von früher nachhängen und in einer Krankenhausserie lieber ein gebrochenes Bein sehen wollen als Notoperationen nach blutigen Bandenkriegen.
Mittdreißiger, die sich gerne an ihre allerersten Stunden vor dem Fernseher erinnern. Heimatverbundene, die lieber das Schwarzwaldpanorama genießen als graue Stadtszenerien moderner US-Serien.

Bei welchen Symptomen guckt es sich am besten: Vom Leben gestresst, vom Alltag überfordert? Nah dran am Burn-Out? Begeben Sie sich bei Professor Brinkmann in Behandlung und die Welt dreht sich wieder ein bisschen langsamer. (Regina Morkramer)

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Emergency Room

Der US-Seriendauerbrenner (15 Staffeln von 1994 bis 2009) erzählt vom Alltag in der Notaufnahme einer Chicagoer Klinik. Die ist fiktiv – die Art und Weise, wie Patienten behandelt werden und die Dialoge zwischen Ärzten und Pflegepersonal allerdings so akkurat recherchiert und fachlich korrekt geschildert, dass „Emergency Room“ sogar für die Ausbildung von medizinischem Personal genutzt wurde.

Nachgerade brutal realistisch sind auch für die Umstände, unter denen die Angestellten des „County General Hospital“ arbeiten: Die Notaufnahme ist chronisch überlastet – Patienten, die nach ewigem Warten wahlweise frustriert Rache üben oder auf dem Weg nach Hause zusammenbrechen, sind ein wiederkehrendes Thema –, was im Lauf der über 300 Folgen durch immer neue Sparmaßnahmen eher noch schlimmer wird. Deshalb passieren den Ärzten regelmäßig Fehler, den erfahrenen genauso wie dem Nachwuchs, dessen Ausbildung den erzählerischen Rahmen jeder Staffel bildet.

Von Schwarzwaldklinik-Romantik könnte der Alltag in „Emergency Room“ also nicht weiter entfernt sein – und trotzdem ist die Serie auch was für Romantiker: Die Beziehungen zwischen Ärzten und Schwestern spielen nämlich eine mindestens genauso große Rolle wie die Operationen am wirklich offenen Herzen (Zeitzeugen erinnern sich an die tragische Liebesgeschichte zwischen Kinderarzt Doug Ross (George Clooney, der nicht zuletzt mit „ER“ seinen Durchbruch schaffte) und Schwester Carol Hathaway (Julianna Margulies) in der ersten Staffel).

Ist was für: Leute, die nicht so schwer krank sind, dass sie sich das ganze Klinik-Elend regelmäßig live angucken müssen, Möchtegern-Mediziner

Empfohlen bei: Liebeskummer (es könnte ja alles schlimmer sein: man könnte mit dem Verflossenen vor einem offenen Brustkorb stehen und operieren müssen); leichter Erkältung mit hypochondrischem Einschlag (es könnte ja alles schlimmer sein: immerhin ist es kein plötzlicher Herzstillstand durch ein massives Trauma, das eine Notoperation verlangt), chronischer Klugscheißerei (wäre es schlimmer, man wüsste jetzt, was zu tun wäre: zwei großvolumige Zugänge, acht Konserven kreuzen, intubieren mit sechs-fünfer Tubus, Null-Negativ über Druckinfusor!) (Silke Offergeld)

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Scrubs

Worum geht es: Der junge Arzt John Michael (J.D.) Dorian, gespielt von Zach Braff, arbeitet als junger, talentierter und etwas tollpatschiger Arzt im Sacred Heart Krankenhaus. Er ist zugleich Mittelpunkt und Ich-Erzähler der Serie, die offiziell als „Dramedy" (Mix aus Comedy und Drama) bezeichnet wird, aber viele Merkmale einer Sitcom aufweist. Allen voran die Länge einer Episode: 22 Minuten.

Das soll aber nicht heißen, dass man schnell durch ist. Schließlich gibt es 182 Folgen in neun Staffeln, wobei die neunte und letzte Staffel, produziert 2010, mit komplett unterschiedlichen Charakteren gedreht wurde.

Während der ersten acht Staffeln vergehen acht Jahre, in denen die Herausforderungen eines jungen Arztes meist komödiantisch erzählt werden. Begleitet wird J.D. dabei von einem kleinen, aber feinen Kreis an exzellenten Nebendarstellern. Von seiner On-Off-Beziehung mit Elliot (Sarah Chalke), seinem besten Freund Turk (Donald Faison), dessen Freundin Carla (Judy Redes), Mentor und verdienter Stationsarzt Perry (John C. McGinley), dem fiesen Hausmeister (Neil Flynn) bis hin zu Chefarzt Dr. Kelso (Ken Jenkins).

Für wen ist das was: Für alle, die gerne lachen! Klingt so einfach, ist es aber auch. Scrubs ist sicherlich eine der lustigsten Serien dieses Jahrhunderts und wurde nicht umsonst bis zur neunten Staffel fortgeführt. Die Serie wird mit der Zeit auch keineswegs schlechter, was ansonsten leider häufig der Fall ist.

Bei welchen Symptomen guckt es sich am besten: Zum einen bietet sich die Serie an, wenn man voraussichtlich noch länger (krankheitsbedingt) im Bett liegen wird. 182 Folgen? Das könnte etwas dauern. Zum anderen ist die Serie die beste Medizin gegen schlechte Laune oder eine trübselige Stimmuing. Denn wer hier nicht lacht, der sollte dann wirklich mal zum Arzt gehen ;-) (Marco Schyns)

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Doctor’s Diary

Die perfekte Medizin gegen krankheitsbedingte Isolationsgefühle, Selbstbemitleidung und Schlappheit – also gegen alle Symptome, die beim längeren Betthüten aufkommen können. Die Serie von Bora Dagtekin verbreitet zwangsläufig gute Laune – auch wenn man das nach dem ersten Blick auf das DVD-Cover nicht vermuten möchte.

Denn die Aufmachung von Doctor’s Diary wirkt auf den ersten Blick ziemlich albern und grell. Das ist die Geschichte um Assistenzärztin Gretchen Haase (Diana Amft) auch, aber dabei auch so wunderbar verdreht und lustig, dass man nicht mehr aufhören möchte, sie zu schauen. Alles dreht sich um das pummelige und schusselige Gretchen, das nicht nur von ihrem Verlobten betrogen wird, sondern danach auch noch bei ihren spießigen Eltern (Peter Prager und Ursula Monn) einzieht und den Job im Krankenhaus ihres Vaters annimmt.

Ihr neues Leben gerät vollends zum emotionalen Spießrutenlauf, als ihre große Jugendliebe, in Form des arroganten Dr. Marc Meier, gespielt von Florian David Fitz, im Krankenhaus auftaucht und keine Gelegenheit auslässt sie zu schikanieren. Sein Gegenspieler ist der brave, schöne Gynäkologie Dr. Mehdi Kaan (Kai Schumann), der sich schon eher als zukünftiger guter Ehemann erweisen könnte. Doch der Weg zur wahren Liebe ist natürlich verschlungen und dauert lang, sehr lang, um genau zu sein: ganze drei Staffeln! Doch mit dem schnellen Witz und der leichten Spielkunst, die man auch von „Türkisch für Anfänger“ und „Fack ju Göthe“ kennt, ist es kein Problem diese pubertäre Serie innerhalb einer Krankschreibung durchzuziehen.

Am Schluss noch ein Hinweis: Vielleicht sollte man Doctor’s Diary nicht im Krankenhaus schauen. Zu verunsichert könnte man sich fühlen, wenn man den vermeintlichen Halbgöttern in Weiß bei der täglichen Arbeit zusieht, bei der sich mehr um Sex und Liebe dreht als um die Krankheiten ihrer Patienten. (Sabrina Birkenbach)

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Quincy

Egal wie schlimm der Schnupfen ist, tot zu sein ist definitiv schlimmer. Insofern ist Dr. Quincy eine gute Idee, wenn man mit einer fiesen Erkältung im Bett liegt und etwas Aufheiterung braucht. Gut, mit einem Magen-Darm-Virus könnte der Genuss der Serie mit dem Urvater aller Gerichtsmediziner schon kontraproduktiv sein. Immerhin wird da schon mal der Mageninhalt eines Toten diskutiert.

Ich hatte schon immer einen Hang zum Morbiden und deshalb war Jack Klugman alias Dr. Quincy neben Peter Falk alias Columbo einer der Helden meiner Jugend. In gewisser Weise hat ja auch jede Folge ein Happy End, weil Dr. Quincy immerhin für Gerechtigkeit sorgt. Vermeintliche Unfälle oder Selbstmorde entlarvt der Senior ohne Vornamen mit viel Enthusiasmus und Beharrlichkeit als Morde. Wie ein Terrier verbeißt er sich in seinem Fall. Dabei überschreitet er auch immer wieder seine Zuständigkeiten, ermittelt auf eigene Faust und treibt seinen Chef damit manches Mal in den Wahnsinn.

Ist was für Nostalgiker. Die Serie aus den späten 70er Jahren wirkt aus heutiger Sicht herrlich altmodisch – wegen Quincys Ford LTD in Holzoptik und weil sie natürlich nicht mehr auf dem neusten Stand ist, was die forensischen Methoden betrifft. Gerichtsmedizin ist hier noch ein solides Handwerk und kein oft unrealistisch dargestelltes Zauberwerk wie in vielen modernen Serien. (Jasmin Krsteski)

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Grey’s Anatomy

Warum das eine großartige Arztserie ist? Wegen des Vergnügens, faul auf der Couch zu liegen und einer Handvoll Assistenzärzten dabei zuzusehen, wie sie 30-Stunden-Schichten abreißen, dabei Leben retten, manchmal eines verlieren und es irgendwie trotzdem noch schaffen, sich zu verlieben oder einfach zwischendurch eine Nummer im Ruheraum zu schieben.

Dabei balanciert diese Serie zwischen chirurgischer Präzision und emotionalen Wahnsinn - zwischen Leben und Tod eben. Die unglaublich ehrgeizigen weiblichen Rolemodels sind da nur noch der Tupfer auf dem i.

Empfohlen bei: Längeren Krankheiten (12 Staffeln!!) (Ismene Poulakos)

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Dr. Klein

Christine Urspruch, eigentlich bekannt aus dem Münsteraner Tatort, spielt im Vorabendprogramm des ZDF eine kleinwüchsige Kinderärztin. In der spießig schrägen Familienserie werden alle Klischees bestens bedient, die Schwester von Dr. Klein ist mannstoll, der Chefarzt schwul, der Assistenzarzt ist dunkelhäutig, die Oberschwester übergewichtig, der Gegenspieler (natürlich heißt er Dr. Lang) ein normaler Hetero.

Während dieser einen protzigen SUV fährt, steuert die Oberärztin einen knuffigen Fiat Bambino. Ein verfilmter Groschenroman mit Fortsetzung könnte man meinen, in dem die Charaktere unterhaltend und konfliktreich ihren Alltag meistern. Nur ist alles ein bisschen anders.

Empfohlen bei: Kleineren Lebenskrisen, in denen ein bisschen bürgerliches Idyll mit traditionellen Werten und Moralvorstellungen gut tut. Selbst wenn man selbst nur zuguckt. Operiert wird selten, Krankheiten sind eher zweitrangig in der sonnigen Stuttgarter Klinik. Der demenzkranke Vater von Dr. Klein stellt sie und ihre Familie immer wieder vor neue Herausforderungen, ihre Tochter pubertiert und der Ehemann kann sich fremden Reizen nicht entziehen, Kuckuckskinder werden angenommen, Abtreibungen kurzfristig verhindert, heile aber nicht immer heile Welt eben. Und kein Problem ist so groß, dass es letztendlich nicht mit einem Gespräch und einem Glas Rotwein zu klären wäre. (Gaby Warren)

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Der Doktor und das liebe Vieh

Klar, es geht um Darmverschlingungen, Seuchen, Kühe mit Herzversagen, aggressive Säue, massenlammende Schafe und Tuberkulin-Tests. So richtig reinversetzen kann man sich da in nichts, wenn man mit Heiserkeit und triefender Nase auf dem Sofa liegt. Aber das ist vielleicht ja ganz gut so. Sogar Hypochonder tun sich schwer, sich in eine Maul-und-Klauenseuche reinzusteigern.

Dafür fühlt man sich beim Gucken sofort heimelig und von großer Geborgenheit umgeben. Die Brüder Siegfried und Tristan Farnon nerven sich gegenseitig zwar fast zu Tode, lieben sich am Ende aber natürlich doch. Dazu der zurückhaltende, junge Tierarzt James Harriott, der sich zunächst schwer tut, von den schrulligen Bauern akzeptiert zu werden und einigen Spott über sich ergehen lassen muss. Der dann aber Anerkennung ebenso findet wie die große Liebe in der patenten, liebenswürdigen Helen. Dazu noch die herzensgute, wenn auch rau beschalte Haushälterin und natürlich Mrs Pumphrey mit ihrem fetten Pekinesen Tricky Woo: Ich will jedes Mal in den Tierarztclan einheiraten, wenn ich nur die Titelmelodie höre.

Wer sich zehn Stunden lang in derartige Geborgenheit einwickeln kann, der wird auch schnell wieder gesund.

Empfohlen bei: Allen Krankheiten, auch Hypochondrie. Die Maul-und-Klauenseuche wird’s schon nicht sein.

Geeignet für: Hoffnungslose sowie pessimistische Romantiker. Kleine Pikanterie am Rande: Schauspieler Christopher Timothy und Schauspielerin Carol Drinkwater haben sich so sehr in ihre Rolle als liebendes Paar hineinversetzt, dass Drinkwater wegen einer aufrüttelnden Liaison mit dem verheirateten Kollegen nach der dritten Staffel vom Regisseur kurzerhand in die Wüste geschickt und durch eine andere Schauspielerin ersetzt wurde. (Claudia Lehnen)

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Dr. House

Nie gab es ein ungewöhnlicheres Konzept für den Mann im weißen Kittel – ein Misanthrop als Arzt. Kontinuierlich spielt die US-Serie in acht Staffeln mit den Sympathiewerten der Hauptfigur. Dr. Gregory House (Hugh Laurie) ist keiner, dem Frauen vertrauen und dennoch ein Publikumsmagnet. Denn es ist eben diese Ambivalenz zwischen Hass und Zuneigung, die den Protagonisten interessant macht.

Behinderung, Drogensucht und zynische Bemerkungen zeichnen den Spezialisten für Nephrologie (Nierenlehre) und Infektionskrankheiten aus. Kommentare wie „Es hat seinen Grund, dass wir Kinder nicht wählen, regieren oder in Erz-Minen arbeiten lassen. Sie sind Idioten", sind keine Seltenheit. Für Spannung sorgen knifflige Diagnostik-Fälle und komplexe Nebenfiguren.

Von 2004 bis 2012 sorgen Wilson und Cuddy sowie das Team mit Foreman, Cameron, Chase, 13 und Kutner für eine Portion Menschlichkeit (House: „Menschlichkeit wird überbewertet“). Im Mittelpunkt steht immer die These „Alle Menschen lügen.“ Deshalb ist House der Detektiv unter den Ärzten. Kleine Hautverletzungen oder Leberflecke? Jede verdächtige Kleinigkeit wird vom Fachgenie unter die Lupe genommen.

Geeignet für: Menschen, die nicht gern vor dem Fernseher essen oder ohnehin gerade keinen Appetit haben. Closeups von Geschwüren und rasante Kamerafahrten durch den menschlichen Körper, vorbei an Blutplättchen und Magensäure sind nur etwas für robuste Gemüter. Auch Hypochonder werden hier glücklich: Jeder, der bei einem Hautausschlag Gürtelrose wittert, ist der ideale Patient für das Princeton-Plainsborough-Hospital. (Janine Grosch)

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In aller Freundschaft

Die Lindenstraße unter den Arztserien. Seit 15 Jahren schon wird in der Sachsenklinik intubiert, operiert, gelitten und geliebt. Dr. Roland Heilmann (Der Name ist Programm, gespielt von Thomas Rühmann) ist der ruhende Pol der Serie, der mit stoischer Intonation Krisen in Alltag und Klinik managt, demnächst sogar als Klinikleiter.

Seine haareschneidende Frau XY besorgt derzeit mit ihrer Krebserkrankung im realen Leben die Gemüter. Heilmanns ewiger Schlagabtausch mit der Verwaltungschefin Sarah Marquardt (Alexa Maria Surholt) , die im Gegensatz zum ethisch-korrekten Arzt mehr auf Profit als Patient achten, erinnern die Älteren unter an uns an die Scharmützel, die dereinst Professor Brinkmann (Klaus-Jürgen Wussow) in der Schwarzwaldklinik mit dem dortigen Klinikdirektor Alfred Mühlmann (Alf Marholm) Möhlmann austrug. Die Serie zementiert das Image des ewig besorgten Klinikarztes, der sich für Patient und Job aufopfert.

Geeignet für:AOK-Patienten, die das Gerede von der Zweiklassengesellschaft im Gesundheitswesen satt haben. Nein, nein, Privatpatienten werden nie besser behandelt, ehrlich nicht…

Auch für langwierige Erkältungskrankheiten zu empfehlen:Die Serie ist ein (Fieber-) Traum in mehr als 700 Folgen. (Lioba Lepping)

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Der Bergdoktor

Nicht nur, was die Kulisse angeht, der Rolls Royce unter den Arztserien. Die Region Elmau/Wilder Kaiser verzeichnet riesige Zuwächse im Tourismus-Geschäft, es gibt Fan-Tage mit den Darstellern, der Bergdoktor ist DAS Quotengold im Zweiten.

Seit dem Jahr 2008 kümmert sich Dr. Martin Gruber (Hans Sigl), Chirurg mit eigener Praxis, nicht nur um die körperlichen Blessuren seiner Patienten. Hilfreich edel und gut sei der Doktor, auch wenn sein privater Hintergrund eher prekär ist: Als der Gruber Martin nach Jahren im Ausland in die Heimat zurückkehrt, muss er feststellen, dass die Tochter (Ronja Forcher als Lili) seines Bruders Hans (Heiko Ruprecht) eigentlich sein Kind ist. Fortan kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den ungleichen Brüdern, die fortan beide ihre Vaterrolle wahrnehmen.

Die Mutter des Kindes ist bei einem Unfall gestorben. Ähnlich schicksalhafte Dramen rund um Patienten und das Standard-Personal der Serie spielen sich inzwischen in neun Staffeln ab. Roter Faden ist auch das schwierige Liebesleben des Doktors, mal steht der Vater der Liebsten dem Glück im Wege, meist er sich selbst….

Geeignet für: Alle, die offiziell keine Heimatfilme oder Arztserien mögen. Bei starkem Schnupfen, denn das Taschentuch braucht man hier auch bei diversen anderen Gelegenheiten. (Lioba Lepping)

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The Knick

Worum geht es: Ein Krankenhaus im Jahr 1900, ein genialer Chefchirurg, der schwer kokainsüchtig ist und ein windiger Klinikverwalter, dessen Gier nach Profit höchstens noch von seiner Leidenschaft für Prostituierte übertroffen wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Arzt- oder Krankenhausserien, wo der Patient der Freund fürs Leben wird und es bei all der Harmonie und Action keinen Zweifel geben kann, dass eine Klinik der spannendste Arbeitsplatz der Welt sein muss, ist bei „The Knick“ eigentlich gar nichts schön. Im Gegenteil.

Die Stimmung in New York um die Jahrhundertwende ist düster, die Armut bedrückend, auf den Straßen prügeln sich die Ambulanzfahrer um die Unfallopfer. Im Zentrum der Handlung steht Dr. John W. Thackery alias Clive Owen, eine Art Rockstar der Medizin.

Das Labor ist sein Proberaum, der Operationssaal sein Showroom, in dem sich die Koryphäen der Chirurgie regelmäßig einfinden, um dabei zu sein, wie der vom Kokain aufgeputschte Thackery mit wahnwitzigen Methoden Medizingeschichte schreiben will. Ethik spielt dabei freilich keine Rolle. Die Patienten sind meist mittellos, wer draufgeht, hat Pech gehabt. Mit „The Knick“ hat der oscargekrönte Regisseur Steven Soderbergh ein beeindruckendes Fernsehdebüt hingelegt. In Deutschland strahlt der Pay-TV-Sender „Sky" derzeit die zweite Staffel aus.

Für wen ist das was: Ein musikalischer Vergleich: Wer sich eher für das abgründige Leben des kürzlich verstorbenen Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister interessiert als für das aseptische Dasein von Helene Fischer, der sollte „The Knick“ nicht verpassen.

Bei welchen Symptomen guckt es sich am besten: Was auch immer Schmerzen bereitet, danach sind sie verschwunden. Oder vielleicht auch schlimmer geworden. (Christian Parth)

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Flying Doctors

Ein wunderbarer Bildschirm-Mix aus Landschaft, Abenteuer, Drama und Liebe. Wir kehren zurück tief in die Achtziger und tauchen unter im australischen Busch: Mit ihren Rettungsflugzeugen betreuen die fliegenden Ärzte von Coopers Crossing, einem fiktiven Nest an der Nordgrenze von Neu Südwales, ein Territorium von etwa der Größe Frankreichs im Innern des australischen Kontinents.

Einen Ort namens Coopers Crossing gibt es dort zwar nicht, aber die Gegend am Ende der Welt mit viel roter Erde und noch mehr rotem Staub in sengender Hitze erscheint durchaus realistisch - und mit ihr die Geschichten um die Menschen, die dort leben. Denn nicht nur das Ärzteteam, sondern auch die anderen Einwohner dieser kleinen Stadt spielen eine große Rolle, und fast alle wachsen einem im Laufe der 227 Folgen in sechs Staffeln ausgesprochen eng ans Herz.

Geeignet für: alle Patienten, die chronisch keine Lust auf Beipackzettel und festgefahrene Drehbücher haben. Man muss nicht alle Folgen ansehen, um den Überblick zu behalten – fast jeder Plot ist abgeschlossen, nur das Privatleben der Ärzte, Piloten und Krankenschwestern meistens nicht... Das entwickelt sich wiederum so langsam, wie die Uhren in der australischen Provinz sich drehen. Kate Wellings (Krankenschwester) und Geoffrey Standish (Leitender Arzt) brauchen gut und gerne 70 Folgen, um endlich zueinander zu finden.

Empfohlen als: Soforthilfe. Wenn der Zustand des Patienten es erfordert, muss an Ort und Stelle operiert werden. Außer gegen Langeweile an erkälteten Tagen auch wirksam gegen Intrigen, Neid, Misstrauen und Eigenbrötlerei. Als Lebensretter und Vertrauens-Personen hat es das mutige Ärzteteam besonders bei den verschrobenen Menschen in den Outbacks schwer. Alles fast wie im richtigen Leben. (Katrin Voss)

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