28.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Beyoncé auf Tour : Glamour mit Bodenhaftung

Mit ihrem Album „Beyoncé“ hat die gleichnamige Sängerin bei iTunes alle Rekorde gebrochen: Es wurde innerhalb der ersten drei Tage weltweit fast 830.000 Mal heruntergeladen.

Mit ihrem Album „Beyoncé“ hat die gleichnamige Sängerin bei iTunes alle Rekorde gebrochen: Es wurde innerhalb der ersten drei Tage weltweit fast 830.000 Mal heruntergeladen.

Foto:

dpa

Köln -

Man muss lange suchen, um einen kritischen Satz über Beyoncé zu finden. Ihr Glamour hat Bodenhaftung. Sie kann rau oder lieblich klingen, sexuell aufgekratzt oder divenhaft fordernd. Sie verfolgt sich als ihr eigener Paparazzo mit der Kamera und gibt doch nur wenig von sich preis. Ihre Musik definiert den Mainstream, hallt durch jede Shopping Mall.
Aber das hält die Kritiker nicht davon ab, diese als ganz außergewöhnlich zu loben. Vielleicht ist es nur ihr durchschlagender Erfolg – solo und mit ihrer Gruppe Destiny’s Child hat Beyoncé fast 200 Millionen Tonträger verkauft –, der uns davon abhält, die Wagnisse und Verrücktheiten in ihren Aufnahmen wahrzunehmen.

Sie verfolgt sich als eigener Paparazzo

Wenn sie wie im vergangenen Dezember ein Album ohne Ankündigung und Werbung einfach so auf iTunes stellt, wird das als allenthalben mutiger, innovativer Schritt beklatscht. Gibt man dann zu bedenken, dass man allerdings Beyoncé heißen muss, um sang- und klanglos derart viel Wind zu verursachen, trägt man wieder nur ihrem Sonderstatus Rechnung.

Nein, der niederschmetterndste Satz, der je über Beyoncé gefallen ist, muss die Behauptung sein, die fleißige Schöne aus Houston, Texas, sei unter allen Superstars der Langweiligste. Tatsächlich gilt die Frau mit der gewaltig auftosenden, aber technisch ungemein versierten Stimme als eintönige Interviewpartnerin. Ihre Wortbeiträge klingen so salbungsvoll, als hätte Oprah Winfrey diplomatische Verlautbarungen der US-Regierung aufs allgemein Menschlichste heruntergebrochen. Sie spricht eben nicht einfach für sich selbst. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Rapper Jay Z, bürgerlich Shawn Carter, bildet Beyoncé das Eine-Milliarde-Dollar-Paar der Musikindustrie. In deren royalen Glanz sonnen sich auch die Obamas – etwas einflussreicher, aber nicht halb so beliebt.

Das experimentellste und reichhaltigste Album

Beyoncé pflegt ihren Starstatus nun bereits seit mindestens 15 Jahren, als sie mit dem zweiten Destiny’s-Child-Album „The Writing’s On The Wall“ ihren Durchbruch erlebte, und in dessen Folge Millionen hoffnungsfroher Casting-Bewerberinnen zum hoffnungslosen Übersingen animierte. Solche Langlebigkeit im Pop-Geschäft müsste zwangläufig in die staatstragende Stellung einer verdienten Unterhalterin des Volkes führen.

Tatsächlich wirkte Beyoncé eine Zeit lang im Vergleich zur schrulligen Lady Gaga geradezu gediegen. Aber während das große Publikum das verrückte Gaga-Huhn schon wieder satt hat, veröffentlichte Mrs. Carter – wie sie sich auf ihrer Welttournee nennt, die am Wochenende in Köln haltmacht – mit ihrem aktuellen, schlicht „Beyoncé“ betitelten Album ihre bislang experimentellste und reichhaltigste Arbeit.

Zuvor sprach man eher über einzelne, dafür unverzichtbare Singles: „Crazy In Love“ oder „Single Ladies (Put A Ring On It)“ . Nun ist sie also auch auf langer Strecke aufregend. Live konnte ihr sowieso nie jemand das Wasser reichen. Die beiden Konzerte in der Lanxess-Arena sind die einzigen Termine in Deutschland. Es gibt noch einige wenige Restkarten.