26.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

„Dunk dem Herrn“: Kebekus wirft WDR Zensur vor

Keine entbehrliche Comedian: Carolin Kebekus mit ihrer ersten eigenen Comedy-Show.

Keine entbehrliche Comedian: Carolin Kebekus mit ihrer ersten eigenen Comedy-Show.

Foto:

WDR/Max Kohr

Köln -

Eigentlich kommen Künstler in Stefan Raabs Show „TV total“, um Werbung für ihren Film oder ihre neue CD zu machen. Komikerin Carolin Kebekus ging am Dienstagabend einen anderen Weg: „Brauchen Sie nicht gucken. Ist völlig verstümmelt“, sagte die Komikerin über ihre eigene Show, die am Mittwochabend bei Einsfestival zu sehen war. Und sie setzte sogar noch nach: „Ich möchte mich von der Sendung distanzieren.“

Was war passiert? Kebekus hatte bereits Ende Mai in ihrem Youtube-Kanal ein Video veröffentlicht, in dem sie sich kritisch mit der katholischen Kirche auseinandersetzt. In „Dunk den Herrn!“ schlüpft die 33-Jährige in verschiedene Rollen, mal rappt sie als Nonne „Er ist eine Bank, nur für ihn zieh ich blank“ und schleckt dabei ein großes Kruzifix ab. Dann ist sie als kleiner Messdiener zu sehen: „Ich danke dir Herr, denn ich bin dabei, bei der Aftershow-Party in der Sakristei“. Und singt in Anlehnung an ein bekanntes Kirchenlied: „Danke für meine Angst vor Schwulen, danke für das Kondomverbot, danke, dass mir für jede Sünde gleich die Hölle droht.“ Zu sehen ist das Video seit Ende Mai auf Kebekus’ eigenem YouTube-Kanal. Und es sollte auch in der Fernsehsendung zu sehen sein.

Doch am Dienstag entschied der zuständige WDR dann, den Clip aus der Sendung zu streichen. Kebekus dazu bei Raab: „Die Sendung war auch schon lange abgenommen. Doch nun sei dem WDR wohl aufgefallen: „So jung wollen wir auch nicht werden.“ Dabei sei es doch nur „ein kleines Imagevideo für die Kirche“ und nett gemeint gewesen. Dass der WDR nun den Mut verloren hat, finde sie „scheiße“. Der WDR wies die Vorwürfe umgehend zurück. Es gab im Vorfeld kontroverse Meinungen innerhalb des Redaktionsteams, ob der Kirchen-Clip so laufen kann. Eine endgültige Abnahme durch Jochen Rausch, Eins Live-Programmchef und zuständig für die AG Junges Fernsehen, war noch nicht erfolgt“, sagte WDR-Sprecherin Annette Metzinger dieser Zeitung. Schließlich sei das WDR-Justiziariat vor der geplanten Ausstrahlung um eine Einschätzung insbesondere mit Blick auf Paragraf 5 des WDR-Gesetzes – in dem es um die Achtung der religiösen Gefühle der Bevölkerung geht – gebeten worden. „In der Summe kam der WDR am Montag zu dem Ergebnis, dass einzelne Sequenzen eindeutig dagegen verstoßen“, so Metzinger. Die Kölner Bildundtonfabrik, die die Sendung produziert hat, wollte sich zu dem Streit am Mittwoch nicht äußern. „Es geht nicht darum, dass wir Kritik an der Kirche verhindern wollen. Sondern darum, dass durch bestimmte Szenen religiöse Symbole verunglimpft werden. Und das verstößt gegen das WDR-Gesetz“, so Rausch. „Der WDR steht für Liberalität und Toleranz.“ Das bedeute aber auch, die religiösen Überzeugungen der Bevölkerung zu achten.

Der Kölner Medienrechtler Rolf Schwartmann sagte, juristisch sei der Fall klar: „Der WDR hat per Gesetz die redaktionelle Verantwortung für die Sendung.“ Es liege daher beim Sender, das WDR-Gesetz auszulegen und zu entscheiden, ob der Clip gegen religiöse Gefühle verstößt. Es sei falsch, in diesem Fall von Zensur zu sprechen, zumal diese im juristischen Sprachgebrauch einen Eingriff des Staates meine.

Zu einer anderen Einschätzung kommt Medienethiker Christian Schicha: „Meiner Meinung bewegt sich Frau Kebekus ganz klar im Bereich der Satire. Ihr Beruf ist Kabarettistin, und sie hat die Aufgabe, für sie relevante Dinge anzusprechen und der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten.“ Man könne sicher darüber streiten, ob das Video geschmacklos ist, aber Kebekus bewege sich damit eindeutig im Rahmen der demokratischen Grundordnung. „Natürlich ist der Passus, der die Verletzung religiöser Gefühle betrifft, relevant, aber Satire hat ja gerade die Aufgabe, zu verletzen und anzuprangern. Als es um die Mohammed-Karikaturen ging, hieß es auch, wir lassen uns nicht vorschreiben, was Satire ist. Das muss dann hier auch gelten. Ich wäre zu einer anderen Entscheidung als der WDR gekommen.“

Kebekus selbst, die sich vor einigen Wochen bereits mit einem Video in der „heute show“ mit der katholischen Kirche angelegt hatte, hat aus der Entscheidung bereits Konsequenzen gezogen. „Eigentlich waren mehrere Sendungen geplant. Jetzt bleibt’s bei einer“, erklärte sie bei Raab. WDR-Sprecherin Metzinger sagte, die strittige Sendung sei eine Pilotfolge gewesen. Es sehe nicht so aus, dass das Projekt fortgesetzt werde.

Allerdings arbeitet der Sender auch in anderen Formaten mit der Kölner Künstlerin. Wie es damit weitergeht, ist noch unklar. Kebekus war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der WDR signalisierte Gesprächsbereitschaft: „Wie eine Zusammenarbeit mit Carolin Kebekus in Zukunft aussehen kann, wird sich zeigen – unsere Türen bleiben jedenfalls geöffnet.“