28.08.2016
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Ex-Opern-Dirigent Junghänel: „Die Politik will die Oper nicht“

Dirigent Konrad Junghähnel.

Dirigent Konrad Junghähnel.

Foto:

Peter Rakoczy

Köln -

Herr Junghänel, einem Bericht der neuen „Opernwelt“ zufolge stehen Sie für Neuproduktionen an der Kölner Oper nicht mehr zur Verfügung. Warum?

Konrad Junghänel: Ich lebe seit 40 Jahren im Kölner Raum und bin seit 35 Jahren an der hiesigen Musikhochschule tätig, habe auch die Oper in dieser Zeit intensiv beobachtet. Mit der Intendanz von Uwe Eric Laufenberg vollzog sich aus dem Stand nationaler Bedeutungslosigkeit eine kometenhafte Entwicklung – deren Nutznießer, das muss ich zugeben, auch ich war. Laufenberg hat mich als Dirigent für Monteverdi, Gluck und Mozart engagiert. Das war eine tolle Zeit und Zusammenarbeit.

Das können Sie doch unter Birgit Meyer problemlos fortsetzen.

Junghänel: Nein. Irgendwann muss man einmal Position beziehen gegen Entwicklungen, die man für falsch hält – wie das auch die Dirigenten des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg angesichts der drohenden Auflösung des Klangkörpers tun. Mit meiner Entscheidung, unter den gegebenen Umständen nicht mehr an der Kölner Oper zu dirigieren, will ich ein Zeichen setzen.

Wogegen?

Junghänel: Was sich mit der Kölner Oper tut – die Rückentwicklung auf den Vor-Laufenberg-Stand –, verfolge ich seit zwei Jahren mit großer Trauer. Es ist nicht erkennbar, dass sie in der Stadt überhaupt noch gewollt ist. Ich habe damals OB Roters den Vorschlag gemacht, doch, wenn man Geld sparen will, die Oper zuzumachen. Denn was wirklich reinhaut, das sind die Fixkosten von 32 Millionen Euro jährlich. Ob wir eine gute oder keine gute Oper haben, entscheidet sich nur durch die wenigen Millionen, die darüber liegen. Wenn man da kürzt, bekommt man das, was wir jetzt haben: drei echte Premieren, 90 Vorstellungen. Tatsächlich gab es ja aus der Politik Stimmen mit dem Tenor: Wir brauchen keine Oper mit überregionaler Ausstrahlung.

Gegen Frau Meyer kann sich diese Kritik aber nicht richten, sie muss sich ja in dem von anderen gesetzten Rahmen bewegen.

Junghänel: Na ja, Frau Meyer hat eben im Gegensatz zu Laufenberg diese Kürzungsgeschichten mitgemacht – sie wollte halt Intendantin werden. Ihr musste klar sein, dass sie dann einen nur sehr kleinen Spielraum habe würde. Wenn aber alle dieses Spiel widerspruchlos mitmachen, hat die Politik sowieso schon gewonnen. Ich mache es jedenfalls nicht mit.

Was dienen Sie in Köln noch ab?

Junghänel: Die Wiederaufnahmen von „Cosi“ und „Titus“. Das habe ich zugesagt, und diese Zusage halte ich ein.

Unbestritten haben wir derzeit eine Durststrecke. Aber die soll ja mit der Wiedereröffnung der Riphahn-Oper 2015 zu Ende sein. Dann gibt es wieder mehr Geld – und Sie könnten weitermachen.

Junghänel: Wenn es da ein klares Signal gibt und man mich fragt, würde ich gerne meine Arbeit fortsetzen. Nach meinem Wissen aber soll zur Eröffnung nur eine Einmal-Blase von 1,5 Millionen in die Luft geschickt werden. Das ist keine nachhaltige Kulturpolitik.

Vergessen Sie nicht: Vor allem sollen der Oper die Schulden erlassen werden.

Junghänel: Das ist sicher positiv, dass sie diese Last dann nicht mehr hat. Damit ist sie aber noch nicht wieder auf einem wirklich guten Weg. Es liegt auch einfach daran, dass sich heute von den städtischen Politikern bis auf ganz wenige Ausnahmen niemand für die Oper interessiert. Früher war das anders. Das ist allerdings kein Köln-spezifisches Problem.

Von der Mittelausstattung mal abgesehen: Was halten Sie von der aktuellen Situation im Haus, vom künstlerischen und menschlichen Klima?

Junghänel: Lassen Sie es mich so sagen: Mit Laufenberg war ein Ruck durch die Oper gegangen – das hat man im Gesicht eines jeden einzelnen Sängers gesehen. Das war ein wunderbarer Geist. Und der ist weg. Ich erlebe eine Stimmung, die nicht positiv ist, es fehlt an Enthusiasmus und Begeisterung. Und ich sehe nicht, wo dieser Geist so schnell wieder herkommen könnte.

Sie sind ja nicht der einzige, der die Kölner Oper jüngst verlassen hat. Soeben ging Elena Tzavara, die Leiterin der Kinderoper. Sehen Sie da überall die nämlichen Motive?

Junghänel: Nein. Jeder hat seine unterschiedlichen Sichtweisen und Gründe. In der Konsequenz mag es dann so aussehen, als sei das alles deckungsgleich. Ich glaube aber nicht, dass mein entscheidender persönlicher Grund – die Nichtwertschätzung der Kultur durch die Kölner Politik – für die anderen maßgeblich gewesen ist.