29.08.2016
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Hörfunk: Weniger Stimmen, mehr Musik

Mit der Umstellung will das DRadio Wissen auch mehr junge Hörer erreichen.

Mit der Umstellung will das DRadio Wissen auch mehr junge Hörer erreichen.

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dpa

Köln -

Der Kampf gegen jahrzehntelange Routine kann es nicht gewesen sein, der die Verantwortlichen von DRadio Wissen dazu gebracht hat, das Programm auf den Prüfstand zu stellen. Denn das dritte Programm des Deutschlandradios ist seit gerade einmal vier Jahren auf Sendung und damit für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk noch recht jung.

Ein junges Publikum ansprechen

Dennoch wird ab diesem Mittwoch alles anders. Der in Köln ansässige Sender geht mit einem ganz neuen Sendeschema und einer erneuerten Internetseite an den Start. Das veränderte Konzept biete „ein intelligentes und unterhaltsames Vollprogramm mit hochwertigem Wort, anspruchsvoller Pop-, Rock- und Elektromusik“, teilt das Deutschlandradio mit. Das Ziel, junges Publikum anzusprechen, hatten die Macher von DRadio Wissen schon immer. Doch bisher hatte der Sender eine Struktur, die sehr an Infowellen angelehnt war, gesendet wurde im Viertelstundentakt. „Das ergab keinen schönen Programmfluss, das Gerüst war uns zu eng“, sagt Programmleiter Ralf Müller-Schmid im Gespräch mit dieser Zeitung. Deshalb wird das Sendeschema umgestellt. Künftig ist etwa von 6.30 Uhr bis 10 Uhr die Sendung „Schaum oder Haase“ zu hören, gefolgt von „Grünstreifen“. Durch diese längeren Strecken hoffen die Verantwortlichen, deutlichere Schwerpunkte setzen zu können. Außerdem gibt es künftig ein Wochenendprogramm. Zudem erklingt mehr Musik bei DRadio Wissen. Bisher gab es bei dem Sender nur elektronische Musik, künftig läuft auch Pop und Rock.

Nervöse Stimmung vor dem Neustart

Intern hat die Umstellung des Programms jedoch auch zu Spannungen geführt. Von rund zehn freien Moderatoren hat sich der Sender getrennt. Aus deren Kreis ist zu hören, dass man ihnen ohne Vorankündigung gesagt habe, dass sie nicht mehr gebraucht werden. Begründung: Die Stimme passe nicht zu der neuen Senderfarbe. Andere Erklärungen oder die Möglichkeit, sich für das neue Programm zu bewerben, habe es nicht gegeben. Den Vorwurf, Mitarbeiter vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben, weist Müller-Schmid zurück. „Radio ist Mannschaftssport. Wir haben viele Gespräche geführt, die Belegschaft mitgenommen.“ Die Stimmung im Haus sei vor dem Neustart ein bisschen nervös, aber gut.

Es sei richtig, dass einige Moderatoren künftig nicht mehr eingesetzt werden. „Wir hatten eine große Anzahl von Stimmen. Wir wollen aber ein Programm sein, das man erkennt“, begründet Müller-Schmid die Entscheidung. Zudem habe man den Kollegen angeboten, weiter am Programm mitzuwirken, etwa durch Redaktionsdienste. Personalabbau habe es nicht gegeben, so der Programmleiter. Auch am Budget des Senders – 6,9 Millionen Euro im Jahr – habe sich nichts geändert.

Fest steht, dass DRadio Wissen, wie beim Hörfunk üblich, zu großen Teilen von freien Journalisten gemacht wird – 16 Festangestellten stehen rund 60 bis 80 Freie gegenüber. Auf dem hart umkämpften Radiomarkt trifft eine solche Umstellung oft besonders hart. Das bestätigen auch Gewerkschaftsvertreter von Verdi und der DJU. Aktuell befinde man sich in Verhandlungen mit dem Sender, um für die Betroffenen gute Lösungen zu finden.

Intern habe man schon lange an der Weiterentwicklung des Programms gearbeitet, sagt Ralf Müller-Schmid: „Die Umstellung wirkt viel größer, als sie ist.“ Von einer Anbiederung an bekannte Jugendwellen – aus den Reihen der Kritiker ist zu hören, man plane ein „1Live für Arme“ – könne nicht die Rede sein. „DRadio Wissen ist das einzige bundesweite, themengetriebene, anspruchsvolle Jugendprogramm.“ Dieses Alleinstellungsmerkmal wolle man ausbauen.