30.07.2016
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„Inklusion im Fernsehen“: Filme oder Dokus über Behinderungen laufen oft nur nachts

Moderator Eckart von Hirschhausen

Moderator Eckart von Hirschhausen

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dpa

Köln -

Man braucht seine Experimente nicht gutzuheißen. Aber das muss man ihm lassen: Indem sich Jenke von Wilmsdorff unkonventionell mit Sozialthemen befasst, sichert er ihnen Aufmerksamkeit. Um sich ein besseres Bild davon zu machen, wie es ist, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, setzte sich der RTL-Journalist im vergangenen Jahr für fünf Tage hinein.

„Ich will eine Brücke schlagen und Einblicke ermöglichen, die den Zuschauern sonst verborgen bleiben“, erklärte von Wilmsdorff am Dienstag auf der Tagung „Inklusion im Fernsehen – Neue Perspektiven auf Behinderung“. Auf Einladung der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, der zwölffachen Paralympics-Siegerin Verena Bentele, und der Grimme-Akademie diskutierten Medienmacher, Journalisten und Medienpolitiker einen Nachmittag lang in der Deutzer RTL-Zentrale über dieses Thema.

Welche Wege müssen wir gehen?

Zwei Erkenntnisse kristallisierten sich heraus: Zwar beschäftigen sich deutsche Medienmacher zunehmend sender- und formatübergreifend mit Inklusion. Filme oder Dokumentationen, die sich Behinderten, ihrem Alltag, ihren Träumen und Herausforderungen widmen, machen allerdings nach wie vor nur einen kleinen Teil des Programms aus. „Wo stehen wir heute eigentlich genau?“, fragte Moderator Eckhart von Hirschhausen. Und vor allem: Welche Wege muss unsere Mediengesellschaft noch gehen?

„Die Vielfalt von Behinderungsformen im deutschen Fernsehen ist auf zwei bis drei Bilder reduziert“, kritisierte der Berliner Journalist Torsten Körner. Durch den Zwang, die Sendeplätze im Hauptprogramm mit potenziellen Quotenschlagern zu besetzen, würden zudem inklusive Formate selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen oft an den Rand gedrängt und teils erst nachts ausgestrahlt. Breite Zuschauerschichten erreicht man so nicht.

Schluss mit Stereotypen

Um dem Thema Inklusion die notwendige Bedeutung entgegenzubringen, müsse aber auch mit Stereotypen aufgeräumt werden, forderte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach. „Dazu gehört kein Mut. Man muss nur sensibilisiert sein“, befand WDR-Redakteurin Karin Kuhn. Raúl Krauthausen vom Verein Sozialhelden ermutigte die Medienmacher: „Der Zuschauer ist bereit, mehr zu sehen, als ihr glaubt.“ Der wohl bedeutendste Impuls aber kam von Schauspielerin Carina Kühne. Die Darmstädterin wurde mit Down-Syndrom geboren. Na und? Damit kommt sie klar. „Man leidet viel mehr unter der Ablehnung der Menschen.“ Die damit verbundene Forderung richtet sich allerdings nicht nur an das Fernsehen.