28.07.2016
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Nachkritik Tatort „Totenstille“: Flache Charaktere und eine konstruierte Wende

Devid Striesow alias Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink lernt in „Totenstille“ am PC Gebärdensprache.

Devid Striesow alias Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink lernt in „Totenstille“ am PC Gebärdensprache.

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dpa

Der Fall

Während in einem Restaurant die Familie Abschied vom Leiter einer Gehörlosenschule nimmt, stirbt beim Sex im Hotelzimmer ein Stockwerk höher eine Frau. Ihr Sex-Partner Georg (Martin Geuer), ihr mittlerweile verheirateter Ex-Freund, ruft einen Freund an, um die Leiche zu entsorgen. Weil er Lippenlesen kann, erfährt Ben (Benjamin Piwko), ein gehörloser Gast der Beerdigungsfeier, von dem Plan und erpresst Georg.

Zunächst sieht es für Jens Stellbrink (Devid Striesow) so aus, dass die Trauergemeinde nichts mit dem Fall zu tun hat. Doch dann wird eine schwerhörige junge Frau ermordet aufgefunden. Und plötzlich sind beide Fälle über Ben miteinander verbunden.

Der Täter

Die Auflösung war ziemlich wirr. Der Tod beim Sex war kein Mord, die Aufputschmittel waren Schuld. Die junge Gehörlose Ambra wiederum hatten weder Ben, noch seine eifersüchtige Ex oder der von ihm erpresste Georg umgebracht, sondern Ambras Bruder Marc. Es ging ums Erbe und um Eifersucht, weil die Schwester immer mehr Aufmerksamkeit der Eltern bekommen hatte.

Der Kommissar

Striesow ermittelt seit 2013 in Saarbrücken. Die ersten Folgen hatten dem SR, dem nach Radio Bremen zweitkleinsten ARD-Sender, recht ordentliche Quoten gebracht - zwischen gut 8,3 und 9,5 Millionen Zuschauern bei den ersten drei Folgen und 6,48 Millionen beim traditionell weniger geschauten „Weihnachtstatort“ vor gut einem Jahr. Doch die Fans mögen diesen Jens Stellbrink nicht. Er rangiert bei den Fans - zumindest im Internet - auf dem letzten Platz der Beliebtheitsskala.

Und man kann die Fans verstehen. Devid Striesow ist ein guter und vielseitiger Schauspieler, aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass er mit dieser Rolle nicht so richtig warm wird. Dieser Kommissar ist nicht greifbar, wirkt irgendwie verloren. Zwar kommt er nicht mehr ganz so albern rüber wie noch zu Beginn, aber da ist noch viel Entwicklung nötig.

Fazit

In „Totenstille“ (Buch: Peter Probst, Regie: Zoltan Spirandelli) tauchte der Kommissar tief ein in die Welt der Gehörlosen und lernte sogar Gebärdensprache. Das war eine durchaus interessante Ausgangslage. Doch der Film machte daraus viel zu wenig. Alles plätscherte so vor sich hin, die Charaktere waren flach und als 20 Minuten vor Schluss der Fall gelöst zu sein schien, war jedem Zuschauer klar, dass jetzt noch die große Wende kommen musste. Die war dann allerdings ziemlich konstruiert.