25.08.2016
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„The Hateful 8“-Regisseur Quentin Tarantino im Interview: „Bei mir wird es richtig dreckig“

Starregisseur Quentin Tarantino bei der Premiere seines Films „The Hateful Eight“.

Starregisseur Quentin Tarantino bei der Premiere seines Films „The Hateful Eight“.

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AFP

Seinen neuen Film „The Hateful 8“ hält Quentin Tarantino für seinen besten. Und mehr noch: Mit diesem Western schließt sich für den Regisseur der Kreis zu seinem ersten Film, dem Thriller „Reservoir Dogs“. „Da wurde auch zuerst viel geredet, bevor es blutig wurde.“, sagt er lachend.

Mr. Tarantino, der Filmtitel „The Hateful 8“ lässt keine Fragen offen…
Ja, diese acht Typen haben mit den „Glorreichen Sieben“ nur sehr wenig gemeinsam. Sie sind voller Hass und Rachegelüste und wollen sich im Grunde genommen nur gegenseitig an die Gurgel. Und da sie wegen eines Schneesturms in einer Blockhütte festsitzen, gibt es viele gute Gelegenheiten, sich gegenseitig zu killen. Die Story spielt einige Jahre nach dem Sezessionskrieg, und in den Köpfen dieser Leute gibt es noch jede Menge Rassismus.

Diesen ur-amerikanischen Rassismus haben Sie auch schon in „Django Unchained“ thematisiert.
Ja, nur spielt „Django Unchained“ vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Der Rassismus gegenüber Schwarzen in den USA beschäftigt mich tatsächlich schon sehr lange und sehr intensiv. Man hat mir ja sogar schon unterstellt, dass ich am liebsten selbst ein Schwarzer wäre, was natürlich völliger Blödsinn ist. Aber ich empfinde eben eine tiefe Verbundenheit mit den Schwarzen, und auch deshalb bringt mich jede Ungerechtigkeit, die wir Weißen den Schwarzen bis heute antun, sehr schnell auf die Palme.

Sie spielen darauf an, dass Ihnen die Polizei von Los Angeles „Schwierigkeiten“ angedroht hat, seit Sie in New York an einer Demonstration gegen Polizeigewalt gegen die Schwarzen teilnahmen?
Sie haben sogar dazu aufgerufen, „The Hateful 8“ in den Kinos zu boykottieren! Sollen sie nur. So schnell lasse ich mich nicht einschüchtern oder gar mundtot machen. Ich habe übrigens nie behauptet, dass Polizisten Mörder sind. Ich habe nur Transparente mit den Namen von Schwarzen hochgehalten, die von weißen Polizisten erschossen wurden. Aber der ganze Vorfall ist doch ein schlechter Witz, oder? Das ist typisch USA. Ich bin mir sicher, dass ich in diesem Fall ganz Europa hinter mir weiß.

Ist Hass ein Gefühl, das Sie antreibt?
Nein. Und ich habe auch keinen Hass auf die Polizei. In meinem Privatleben hat Hass keinen hohen Stellenwert.

Und wann haben Sie sich das letzte Mal an jemanden gerächt?
Auch meine Rachsucht hält sich in Grenzen.

Ich frage auch deshalb, weil vor zwei Jahren Ihr Drehbuch zu „The Hateful 8“ ohne Ihr Wissen ins Internet gestellt wurde.
Und natürlich auch ohne meine Erlaubnis! Das war für mich der Super-GAU! Ich war so wütend darüber, dass ich eigentlich vorhatte, das ganze Projekt abzublasen. Aber dann habe ich mich Gott sei Dank wieder beruhigt. Denn wenn man jahrelang und mit viel Herzblut an etwas arbeitet, dann gibt man das nicht einfach auf. Ganz abgesehen davon ist das Drehbuch zu „The Hateful 8“ ein verdammt cooles Script geworden. Ich halte es tatsächlich für das Beste, was ich je geschrieben habe. Deshalb habe ich es dann auch verfilmt.

„The Hateful 8“ ist Ihr zweiter Western in Folge. Ist der Western Ihr Lieblingsgenre?
Ich habe eigentlich kein Lieblingsgenre. Bei „The Hateful 8“ habe ich mich natürlich von den klassischen Westernfilmen inspirieren lassen. Aber auch von TV-Serien wie „Die Leute von der Shiloh Ranch“ oder „Bonanza“. Allerdings gibt es bei mir keinen Little Joe (lacht). Bei mir wird es richtig dreckig.

Der Film spielt überwiegend in einer Blockhütte. Warum haben Sie beim Drehen das 65-Millimeter-Filmformat mit Ultra Panavision 70 benutzt?
Ich wollte damit zeigen, dass man das Format nicht nur für Panorama-Shots einsetzen kann, sondern gerade auch in einem so begrenzten Raum wie eine Blockhütte. Durch die enorme Bildbreite entsteht ein sehr intimes, ja klaustrophobisches Gefühl. Was einen hochdramatischen Effekt hat. Der Zuschauer wird sozusagen ins Geschehen hineingesogen. Ganz abgesehen davon wollte ich auch noch mal einen Film als ganz großes Kino-Erlebnis feiern. Wir haben dafür Objektive aus dem Archiv geholt, die seit Mitte der 60er Jahre nicht mehr zum Einsatz kamen, mit denen aber solche Filmklassiker wie „Ben Hur“ und „Meuterei auf der Bounty“ gedreht wurden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Tarantino auf Hollywood-Superstars verzichtet hat, warum Jennifer Lawrence aus dem Raster gefallen ist und welche Rolle das „Tarantino-Radio“ bei der Drehbuchenstehung spielt.

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