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„The Iran Job“: Die politische Brisanz von Basketball

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Kevin bekommt Besuch von Elaheh (l.) und Laleh.  Foto: Verleih
Mit „The Iran Job“ ist das Kölner Dokumentarfilmfest „Stranger than Fiction“ eröffnet worden. Der Film handelt vom Basketball im Iran — eine Sportart, die dort immer populärer wird. Auf ksta.de ist der Regisseur im Audio-Interview zu hören.  Von
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Bereits das ist eine Nachricht: Im Iran wird professionell Basketball gespielt, ja, viele Iraner sind geradezu verrückt nach dieser Sportart, die es bis ins Fernsehen geschafft hat.

Das neu gegründete, völlig unerfahrene Team A.S. Shiraz sorgt sich, dass es nicht unter die ersten acht der „Iranian Super League“ und damit in die Play-off-Runde gelangt. Deshalb holt man sich Hilfe, und zwar – das ist die zweite Überraschung – in Gestalt des amerikanischen Profis Kevin Sheppard. Die Todfeinde, auf dem Spielfeld vereint, geht das überhaupt? Der in New York lebende, deutsche Filmemacher Till Schauder hat darüber einen Dokumentarfilm gedreht.

Interview mit Regisseur Till Schauder

Reger Zuspruch

„The Iran Job“ hat das Kölner Festival „Stranger than Fiction“ eröffnet. Rückblickend auf diesen Abend, ist Schauder vor allem über den regen Zuspruch iran-stämmiger Zuschauer glücklich. Er selbst ist mit einer Iranerin verheiratet und erfuhr durch einen Artikel von der Handvoll amerikanischer Basketballspieler, die ihre Körbe am Persischen Golf werfen: „Vermutlich“, sagt Schauder im Gespräch, „tragen die mehr zur Völkerverständigung bei als Politiker oder gar Kleriker.“

Sein Film konzentriert sich ganz auf Kevin Sheppard. Schauder ist sozusagen der Schatten des Sportlers, den er selbstverständlich während des Trainings und der Turniere beobachtet. Aber auch jenseits des Spielfeldrandes ist die Kamera dabei: in Kevins Wohngemeinschaft zum Beispiel, die er sich ironischerweise mit einem weiteren Todfeind Amerikas, dem serbischen Basketballprofi Zorhan teilt – auch mit ihm versteht sich Kevin blendend.

Politische Konflikte, religiöse Vorurteile, Kriegsgerassel gar, all das relativiert sich aus Schauders Graswurzel-Perspektive heraus zum Hintergrundgeräusch, das der freimütigen persönlichen Begegnung nichts anhaben kann.

Das entspricht Schauders eigener Erfahrung während der Dreharbeiten. Meist habe er sich als Deutscher vorgestellt, einmal aber sei ihm herausgerutscht, dass er in New York lebe, woraufhin er den erstaunlichen Satz hörte: „Wir lieben die Amerikaner.“ Sind die Iraner ein unterdrücktes Volk? Ja, meint Schauder. Zwar machten sich die autoritären Seiten der islamischen Republik nicht immer und überall im Alltag bemerkbar; auch sei die iranische Verfassung bemerkenswert tolerant und an das Vorbild Frankreichs angelehnt. Aber irgendwann komme jeder an den Punkt, an dem er merke, dass über allem einer schwebe, der einfach „Stopp“ sagen kann.

Festival „Stranger than Fiction“ in Köln
Till Schauder

Till Schauder stammt aus Göttingen. Er ist Regisseur, Produzent und Schauspieler (u.a. in „Mildred Pierce“). Er lebt mit seiner Frau, der aus dem Iran stammenden Filmproduzentin Sara Nodjoumi, und ihren beiden Kindern in New York.


Vor dem Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen München arbeitete er für Roger Cormans Filmstudio in Los Angeles. An der Filmschule schrieb und inszenierte er preisgekrönte Filme, darunter „Strong Shit“ (Max Ophüls Kritikerpreis) und den Actionthriller-Kurzfilm „City Bomber“.
„Stranger than Fiction“, das Kölner Dokumentarfilmfest, dauert noch bis zum 13. Februar. Veranstaltungsorte sind das Filmforum NRW im Museum Ludwig und die Filmpalette in der Lübecker Straße.

„Where’s the beer and when do we get paid?“ – Wo ist das Bier und wann werden wir bezahlt? – heißt ein Dokumentarfilm von Sigrun Köhler und Wiltrud Baier über Frank Zappas Drummer Black. Er wird am Samstag um 20.30 Uhr im Filmforum gezeigt. Die Regisseurinnen sind anwesend.
„Mandala“ von Christoph Hübner und Gabriele Voss zeigt die Entstehung und Zerstörung des bisher weltgrößten Sandmandalas in der Bochumer Jahrhunderthalle zur Ruhrtriennale 2011. Samstag, 18 Uhr, im Filmforum. (F.O.)

Auch „The Iran Job“ kommt an diesen Punkt, mehrfach sogar. Über seine Physiotherapeutin lernt Kevin Frauen kennen, die allesamt hoch gebildet, selbstbewusst und über moderne Medien nicht nur gut informiert, sondern auch bestens vernetzt sind. Ihre Schleier aber nehmen sie in der Öffentlichkeit unter keinen Umständen ab, und dem Traum Elahehs, in Teheran Schauspielerin zu werden, steht das väterliche Veto im Weg. Mit dem Blick des Neulings, den sich Schauder über Kevin aneignet, lotet er genau und am konkreten Fall diese Räume zwischen Freiheit und Beschränkung, Modernität und Traditionalismus aus.

Und natürlich kann sich Kevin nicht von der Politik fernhalten, wie er es ursprünglich geplant hatte. Seine WG wird zum Debattierclub, zum Freiraum, in dem über Geschlechterrollen, Religion und Zukunftsaussichten diskutiert wird. Und während die Basketball-Saison voranschreitet und der A.S. Shiraz ein wechselvolles und turbulentes Schicksal erlebt, steuert die iranische Gesellschaft auf ein politisches Erdbeben zu, das alles andere bedeutungslos erscheinen lässt: den Aufruhr der „Grünen Revolution“.

Zwar wurde sie niedergeschlagen, doch auf Dauer, glaubt Schauder, werde sich die Selbstbefreiung der Iraner nicht aufhalten lassen. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt und unzufrieden mit dem Regime und den Verhältnissen – das wird sich irgendwann in Machtpositionen manifestieren. Der Iran in diesen Jahren erinnert Schauder an Ostdeutschland vor der Wende. Die Menschen befinden sich in einem Zustand zwischen Ermüdung und Wut „und sind bereit, persönliche Risiken auf sich zu nehmen, die sie früher vermieden hätten“. Kommt kein Angriff von außen – durch die USA oder Israel – können die Mullahs nicht auf alle Zeiten von der schlechten Stimmung ablenken.

Im Iran nicht im Kino

Im Iran kommt „The Iran Job“ nicht offiziell ins Kino. Selbst wenn sich ein Verleih fände, wäre Schauder dies nicht recht, weil vor allem die mitwirkenden Frauen in noch größere Schwierigkeiten geraten könnten als die, in denen sie ohnehin schon stecken. Dass der Film auf dem iranischen Schwarzmarkt auf rege Nachfrage stößt, kann der Regisseur freilich nicht verhindern – auch dies ein Zeichen für den Emanzipationswillen, der immer mehr Teile des Volkes erfasst. Schauder jedenfalls hat seinen „Iran Job“ erledigt, und zwar mit Bravour. Frappierend, wie viel gesellschaftliches Potenzial in einem Sport wie Basketball stecken kann.

„The Iran Job“ startet am 21. Februar in unseren Kinos.

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