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Alban Gerhardt: Elite-Cellist spielt in Bahnhöfen

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Alban Gerhardt im Kölner Hauptbahnhof  Foto: Peter Rakoczy
Im Alltagsgewirr des Düsseldorfer Bahnhofs stellt ein Musiker seinen Verstärker auf und beginnt auf seinem Cello zu spielen. Manche bleiben stehen, viel sind irritiert. Was die meisten nicht wissen: Es handelt sich um Elite-Cellist Alban Gerhardt.  Von
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Düsseldorf

Der Fahrer auf dem Reinigungsgerät dreht seine Runden in der Einkaufsmeile des Düsseldorfer Bahnhofs. Kaum jemand beachtet Alban Gerhardt, der sein Cello aus dem weißen Kasten nimmt, den Bose-Lautsprecher aufstellt und ein Mikro ans Instrument knipst. Um 12.45 Uhr sitzt er auf dem Stuhl und spielt die ersten Töne. Bach, erste Suite für Cello solo.

Schwere Kost? Die Verkäuferin am Spargel-Stand sagt: „Ich hoffe, keiner verlangt eine Zugabe. Na ja, ist Geschmacksache.“ Gerhardt hat die Augen geschlossen, ist hoch konzentriert. Ohne die Erfahrungen als Solist auf den Konzertpodien der Welt wäre ihm das wohl nicht möglich. Eine Dame von der Bahnhofsmission gesellt sich hinzu. „Ungewohnte Geräusche“ seien das für den Bahnhof.

Am Ende freundlicher Beifall

Mittlerweile lauschen 50 Menschen. Im Vorbeigehen sagt jemand, der Ton über den Verstärker klinge fies. So schlimm kann es nicht sein, denn die Zuhörerzahl wächst. Eine Frau erklärt: „Das ist ein richtiger Künstler. Keiner, der für den Klingelbeutel spielt.“ Sie hat in der Zeitung von dem Event gelesen. Bedienstete schleppen einen Plakatständer neben Gerhardt. „Bach im Bahnhof!“ steht darauf. Einige Meter weiter lässt ein Zwölfjähriger seine Tüte knallen und lacht. Doch das irritiert Gerhardt genauso wenig wie die Reinigungskraft, die im fünf Meter durchmessenden Kreis, den die Zuschauer um ihn lassen, Papierchen aufhebt.

Gerhardt spielt inzwischen die vierte Suite, jetzt dürften es an die 80 Zuhörer sein. Am Ende freundlicher Beifall. Gerhardt packt sein Cello in den Kasten. Die nächste Station heißt Köln. Am Vortag war er von Hamburg über Bremen nach Hannover gefahren, spielte in jedem Bahnhof zwei Suiten. Die Idee stammt von Gerhardt selbst. Nur Konzertpodium reicht ihm nicht. Er braucht mehr Nähe zu den Menschen, will jedermann an der „universellen Sprache der Musik“ teilnehmen lassen. Und etwas für die tun, die sich Konzerttickets nicht leisten können.

Alban Gerhardt im Kölner Hauptbahnhof  Foto: Peter Rakoczy

2010 hat er eine Radiotour gemacht. Hörer von Popsendern konnten anrufen und Gerhardt spontan für sich spielen lassen. Er trat in einem Fitnessstudio auf und bei den Castorgegnern. 2012 führte er alle sechs Bach-Suiten im Berliner Hauptbahnhof auf. Jetzt also die Bahn-Tour. In Düsseldorf isst Gerhardt eine Currywurst, bevor er in den Intercity steigt.

In Köln trinkt er erst mal einen doppelten Espresso. Als er in die Passage im Bahnhofsinneren kommt, steht schon ein Kamerateam bereit. Und mehrere koreanische Studenten der Musikhochschule warten. Seine PR-Frau steckt ihm zwei Tafeln Schokolade zu, doch die bleiben geschlossen. Gerhardt kommt mit Menschen ins Gespräch, bevor er – wieder pünktlich – um 15.30 Uhr seinen Auftritt in der Gastronomiemeile des Kölner Hauptbahnhofs beginnt. Die Suiten 2 und 5 sind dran.

„Nein, das ist keine Geige, das ist ein Cello“, sagt eine gestylte junge Frau zu einem modern frisierten Gleichaltrigen, der fragt: „Ey, warum stehen wir hier?“ Rund 80 Menschen wissen das genau, sie schweigen und lauschen. Mitten in Gerhardts Vortrag empfiehlt eine Durchsage, sich vor Taschendieben in Acht zu nehmen. Mit Wiederholung in Englisch und Französisch. Gerhardts Augen sind wieder geschlossen.

„Man hört, dass der was kann“

Für die Konzentration sei das nötig, hatte er bei der Currywurst erklärt. Die Gefahr, bei den vielfältigen Eindrücken, die ein Bahnhof bietet, abgelenkt zu werden, sei einfach zu groß. Auch in Köln geht der nachmittägliche Durchgangsverkehr unaufhaltsam weiter. Manche Passanten hetzen vorbei, andere nehmen sich einen Augenblick Zeit, und einige bleiben stehen. Wie die zwei Kölnerinnen mit kleinem Gepäck. Man habe gleich gehört, „dass der was kann“, sagt die eine. Die Wartezeit sei jedenfalls angenehmst verkürzt worden.

Wieder einmal packt Alban Gerhardt sein Cello ein, jetzt geht’s nach Frankfurt. Die Hörergemeinschaft am Kölner Bahnhof löst sich auf, einige bedanken sich schüchtern bei dem Klassik-Weltstar, der keine Distanz aufbaut. „Vorsicht bitte“, tönt es – zwei Arbeiter schieben einen Müllbehälter vorbei. Der Bahnhof ist jetzt nur noch Bahnhof.

Vorgänger auf Youtube

Auf Youtube kursiert ein Video von einem ähnlichen Projekt. Der amerikanische Violinist Joshua Bell spielt auf seiner Geige im Bahnhof von Washington DC:

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