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Archäologie: NRW will Förderungen streichen

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Die Landesmittel für Boden- und Baudenkmalpflege sollen radikal zusammengestrichen werden. Foto: dpa
Die NRW-Regierung will ab 2014 die Förderung von Archäologie und Denkmalpflege komplett streichen. Für mittelalterliche Städte wie Köln wäre das ein Desaster. Der Chef des römisch-germanischen Museums fürchtet „erheblichen Flurschaden“.  Von
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Köln

Das Land Nordrhein-Westfalen plant offenbar den vollständigen Ausstieg aus der Förderung von Archäologie und Denkmalpflege. Nach den Plänen der Düsseldorfer Landesregierung sollen die Förderetats des Bauministeriums für die Bau- und Bodendenkmalpflege von zuletzt gut 12 Millionen Euro auf rund 10 Millionen Euro in diesem Jahr abgesenkt werden. Über die weitere Ausgestaltung der Förderung ab 2014 müsse noch entschieden werden, erklärte das Bauministerium Mitte März. Im Gespräch ist ein vollständiger Stopp der Mittel.

Nach anfänglich eher verhaltenem Medienecho regt sich nun an vielen Stellen heftiger Widerstand gegen diese Pläne. Der Verband der Landesarchäologen ruft ebenso wie die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte zu Unterschriftenaktionen auf.

Kölner Grabungen betroffen

Bisherige Praxis ist es, dass die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen für Archäologie in NRW zuständig sind, die Stadt Köln kümmert sich dagegen selbst um ihr Gebiet. Insgesamt stellt das Land Nordrhein-Westfalen für die Bodendenkmalpflege einen Betrag von ca. 3 Millionen bereit - im Vergleich zur Baudenkmalpflege also der geringere Anteil der Fördermittel. Auf die Stadt Köln entfällt ein Betrag im sechsstelligen Bereich, so Dr. Marcus Trier, Leiter der Bodendenkmalpflege in Köln und Direktor des Römisch-Germanischen Museums.

Da in Köln in erster Linie sogenannte Rettungsgrabungen durchgeführt werden, ist hier eine fristgerechte Arbeit im Einvernehmen mit den Investoren von großer Bedeutung. An der Baustelle der Oper wird derzeit gearbeitet, eine Grabung an der Rheinuferstraße gegenüber des Microsoft-Gebäudes wurde soeben erfolgreich abgeschlossen, so Trier.

Die Kosten für diese Grabungen werden anteilig vom Investor und durch die Fördermittel für Städtebau des Landes getragen. Da die Kölner Bodendenkmalpflege nur aus einem Kernteam von sieben fest angestellten Fachkräften besteht, ist eine Aufstockung der Teams um weitere Archäologen, Zeichner und Helfer unerlässlich. Für die Gesamtfläche Kölns von 400 Quadratkilometern ist dies immer noch sehr gering.

Ein Wegfall der Landesmittel würde „erheblichen Flurschaden“ verursachen, befürchtet Trier. Es seien erhebliche Zeitverzögerungen zu befürchten. Um die Verursacher, also die Investoren, stärker in die Pflicht zu nehmen, fehlt bislang die gesetzliche Grundlage.

Die Archäologische Zone in Köln ist nicht von den Einschnitten betroffen, wie Inge Schürmann, Pressesprecherin der Stadt, klarstellt. „Die Mittel kommen aus anderen Töpfen und sind gesichert“, so Schürmann. Allerdings könnte sich der Plan der Landesregierung sehr wohl auf andere Grabungsprojekte des Amtes für Bodendenkmalpflege auswirken. Verzögerungen seien zu befürchten.

Undokumentierte Zerstörung droht

Der Verband der Landesarchäologen beklagt, dass der Anteil des Landes an den Gesamtaufwendungen der archäologischen Denkmalpflege mittlerweile nur noch etwa 12-13% betrage. Der Verband fordert die Landesregierung auf, von den Einschnitten Abstand zu nehmen, da das Kulturerbe des Landes unmittelbar bedroht sei.

Auch die Ur- und Frühgeschichtler schlagen Alarm: „Vielen Bodendenkmälern droht die undokumentierte Zerstörung, weil das Geld für die nötigen Rettungsgrabungen und ihre Dokumentation fehlt.“ Auch viele Baudenkmäler könnten nicht mehr saniert werden.

„Bankrotterklärung“ der Landesregierung

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz hatte sich bereits im Februar in einem Offenen Brief an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gewandt. Die Landesförderung habe nicht nur strukturell oftmals Konfliktsituationen im Zusammenhang mit dem gesetzlichen Denkmalschutz entschärft. Vor allem hätten die Zuschüsse bei den zahlreichen „kleinen“ Denkmaleigentümern zu beträchtlichen Investitionen geführt. In den letzten 20 Jahren habe die Förderung ohnehin im Verhältnis zur steigenden Zahl der Denkmäler kontinuierlich abgenommen.

Land will Förderungen streichen

Die geplante vollständige Streichung der direkten Mittel durch die Landesmittel sei „nicht hinnehmbar“, da die Kommunen die Kürzungen nicht kompensieren könnten. „Damit nimmt sie billigend den zunehmenden Verfall und die Zerstörung zumeist unwiederbringlicher historischer Bausubstanz und archäologischer Stätten in Kauf“, so der Rheinische Verein.

Die Bundesregierung haben Denkmalpfleger und Archäologen in ihrem Protest hinter sich: Kulturstaatsminister Bernd Neumann spricht von einer „kulturpolitischen Bankrotterklärung der rot-grünen Landesregierung in Düsseldorf“. Nordrhein-Westfalen habe knapp 100.000 Kulturdenkmäler, für deren Erhalt dann wichtige Mittel fehlten. Dies sei auch ein schlechtes Signal für andere Bundesländer, so der CDU-Politiker.

Landeskonservatorin befürchtet Auswirkungen auf Baudenkmalpflege

Auch Andrea Pufke, Landeskonservatorin des Landesverbands Rheinland, befürchtet, dass die geplanten Kürzungen starke Auswirkungen haben werden. In der Landesregierung wird darüber nachgedacht, die Förderung von nicht zurückzuzahlenden Zuschüssen auf zinsvergünstigte Darlehen umzustellen.

Die Folgen könnten gravierender ausfallen, als sich an den derzeit diskutieren Kürzungen von zwei Millionen Euro jährlich ablesen ließen. Selbst geringe Zuschüsse würden die Besitzer von Denkmälern ermuntern, ein Vielfaches an Eigenkapital zu investieren, weshalb gerade die mögliche Umstellung von Zuschüssen auf Darlehen eine fatale Signalwirkung haben könnte.

"Die Landeszuschüsse sind ein starker Anreiz", hatte Pufke dem "Kölner Stadt-Anzeiger" nach Bekanntwerden der Pläne gesagt. "Sollte die Umstellung auf Darlehen kommen, wäre dies recht dramatisch für uns." Probleme sieht Pufke auch für auf Denkmalschutz spezialisierte Handwerksbetriebe heraufziehen. (mit KoM)

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