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Art Cologne: „Im Rheinland kapiert man das"

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Philip-Lorca diCorcia, W, September 1997, #5, 1997, Archival pigment print, 32 x 42 inches (81.3 x 106.7 cm).  Foto: Philip-Lorca diCorcia & David Zwirner, New York/London
Daniel Hug leitet die Art Cologne seit 2008. Er hat die Kölner Kunstmesse wieder in die Erfolgsspur gebracht. Letzte Woche hat er geheiratet. Ksta-Redakteur Michael Kohler sprach mit ihm über Kölner Traditionen und seine Pläne mit der Messe.
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Herr Hug, die nächste Art Cologne im April verkürzen Sie um einen Tag und verschieben diese auch noch um einen Tag nach hinten. Was erhoffen Sie sich davon?
Daniel Hug: Fünf Publikumstage sind einfach zu viel. Selbst die Art Basel, die mehr Publikum hat als wir, läuft nicht so lang. Am Tag nach der Eröffnung ist die Art Cologne traditionell ein bisschen langsam. Zwar nicht so wie vor acht Jahren, als man in den Gängen kegeln konnte – aber gerade die jüngeren Galerien fragten sich: „Hey, wo sind die Leute hin?“ Wir haben unsere Aussteller gefragt – 80 Prozent wünschen sich eine kürzere Messe.

Und warum verschieben Sie bis Montag?

Hug: Der Montag ist ein Experiment. Früher gab es das schon einmal, als Tag, an dem die Händler untereinander kaufen konnten. Dieses Jahr verleihen wir einige Preise am Montag und lassen Studenten der Kunstakademien und Kunsthochschulen kostenlos rein. Das könnte ganz toll werden, mit vielen jungen Leuten. Aber das Wichtigste ist, dass die Messe bei der Eröffnung rappelvoll ist und danach die gute Stimmung erhalten bleibt. Ein anderer Vorteil des Montags ist übrigens, dass die gleichzeitig laufende Art Brüssel am Sonntag schließt und die belgischen Sammler, die ihre heimische Messe unterstützen, dann nach Köln kommen können.

Das Experiment des letzten Jahres war die Nada Cologne, die Kooperation mit der New Yorker Galeristen-Vereinigung. Was erwarten Sie dieses Jahr von der Sektion?

Hug: Vielleicht wurde bislang nicht so richtig deutlich, was die Nada eigentlich ist: Eine Messe innerhalb der Messe mit eigener Jury und eigener Perspektive. Es dauert immer ein oder zwei Jahre, bis so etwas komplett verstanden wird. Für uns ist die Nada weiterhin als günstige Plattform für junge Galerien wichtig.

Im Moment sind die großen Kunstmessen auf Expansionskurs, am liebsten nach Fernost. Sie setzen dagegen vor allem auf die Region, etwa indem Sie nächstes Jahr mit der Quadriennale, dem alle vier Jahre stattfindenden Kunstfestival in Düsseldorf, zusammenarbeiten wollen. Wird etwas daraus?

Hug: Gute Frage! Die Quadriennale ist ein sehr wichtiges Ereignis. Es macht Sinn, dass wir uns zusammentun. Bislang haben wir uns aber nur mit den Terminen abgesprochen. Unser Ziel ist es, die Sammler durch diese Bündelung mit Festivals und Ausstellungen länger in der Region zu halten. Viele kommen für einen Tag und können sich so schnell nicht für einen Kauf entscheiden. Wenn sie länger bleiben und darüber nachdenken, sagen sie sich vielleicht: „Moment, das gefällt mir doch! Ich gehe jetzt zurück zur Messe und kauf mir das.“ Übrigens bin ich für nächstes Jahr auch wieder mit dem Kölner Museum Ludwig im Gespräch. Die planen zur Art Cologne eine große Ausstellung, einen echten Höhepunkt. Mehr darf ich nicht verraten.

Gibt es sonst noch etwas, das Sie nicht verraten dürfen?

Hug: Wir planen für nächstes Jahr einen neuen Videosektor – das ist übrigens einer der Gründe, weswegen wir jetzt auch einige Werke der Julia-Stoschek-Sammlung im neu gestalteten Eingangsbereich zeigen. Das soll beinahe eine neue Messe innerhalb der Messe werden, wahrscheinlich VID-Cologne heißen und alle Formen von Film- und Videokunst präsentieren. Derzeit sind wir noch mit Sponsoren im Gespräch, aber wir machen das auf jeden Fall.

Es gibt derzeit ein Köln-Revival in den Kunstzeitschriften, was die 80er und 90er Jahre angeht. Ist das eher ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für das Hier und Jetzt?

Hug: Das ist ein sehr gutes Zeichen. Köln spielte eine wichtige Rolle, und das wird gerade in Amerika wiederentdeckt. Mittlerweile gehören Galerien wie Daniel Buchholz, Gisela Capitain oder Christian Nagel zur Kunstgeschichte. Der Blick zurück weckt die Neugier auf die Gegenwart.

Der Galerist Gerd Harry Lybke von Eigen + Art hat kürzlich gesagt: „Köln ist geil von den Leuten her.“ Was ist das Geile an den Kölnern?

Hug: Geil? Das heißt doch sexy, oder? Ich glaube, die Rheinländer waren schon immer sehr offen für die Kunst. Das hat auch mit dem Museum Ludwig zu tun. Wenn man so eine lange Geschichte mit der progressiven Kunst hat, kapieren die Leute das. Hier kaufen auch normale Leute Kunst, anders als in den USA, wo das nur die Reichen tun. Mittlerweile gibt es im Rheinland auch eine neue, sehr aktive Sammlergeneration.

Eigentlich gilt ja eher Berlin als sexy. Wie schätzen Sie die Gerüchte ein, dass man in Berlin wieder eine größere Kunstmesse etablieren will?

Hug: Da mache ich mir keine Sorgen. Der größte Block auf der Art Cologne sind Berliner Galerien, und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man als Galerist in der eigenen Stadt nicht gerne auf die Messe geht. Ich glaube, es ist wichtig, dass man sich auf eine Messe einigt und sagt: Wir gehen auf den Kunstmarkt – in Köln.

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