26.08.2016
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Art Cologne: Ein Rundgang durch die Messehallen

Kunst auf der 47. Art Cologne

Kunst auf der 47. Art Cologne

Foto:

Worring

Köln -

In den Messehallen der Art-Cologne gibt es die bewährte Mischung aus klassischer Moderne, Nachkriegskunst und junger Kunst, die teilweise frisch aus dem Atelier geliefert wird. Unser Rundgang verschafft einen Überblick.

Klassische Moderne

Eine große Messe unterscheidet sich von einer kleinen Messe vor allem durch große Zahlen: Teilnehmer, Besucher, Erlöse. Schon deswegen sind die Preisschilder an den Ständen wichtig fürs Renommee. Auf die Abteilung Klassische Moderne ist in dieser Hinsicht auf der Art Cologne stets Verlass: Henze & Ketterer haben gleich ein Quartett aus Ernst Ludwig Kirchner-Gemälden im Angebot, die jeweils in die Millionen gehen. Mengenrabatte sind möglicherweise nicht ausgeschlossen, sofern man sich zu fragen traut. Die Düsseldorfer Galerie Ludorff hat weniger große „Schinken“ dabei, aber ihre sorgsam abgedunkelten Kabinette beherbergen ebenfalls Kostbarkeiten ersten Rangs. Etwa eine bezaubernde Miniaturlandschaft von Max Ernst, die Fälscherstar Wolfgang Beltracchi so bestimmt nie hinbekommen hätte, einige Ernst-Nolde-Arbeiten zum Mitnehmen und reizende Kleinformate von Gerhard Richter – Letzterer führt uns freilich schon in die Nachkriegszeit, wenn nicht in den Bereich der (ewig) jungen Kunst.

Nachkriegskunst

Einen starken Eindruck hinterlässt die Art Cologne auch bei den Arbeiten, die noch nicht klassisch, aber auf dem besten Weg dorthin sind. Insbesondere das vor einigen Jahren eingeleitete Comeback der Zero-Künstler setzt sich fort. Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker findet man in großer Zahl und meist erlesener Qualität. Und vielleicht kommt da noch etwas nach: Bei Maulberger aus München gibt es neben einem Nagelbild von Uecker (mit Schutzpreis, der Händler möchte eigentlich nicht verkaufen!) und einer frühen, scheinbar die Ausschläge seismographischer Apparate nachzeichnenden Papierarbeit von Heinz Mack auch einige thematisch verwandte Gemälde von Herbert Zangs zu sehen.

Der Münchner Galerist Hans Maulberger findet die Reihenmalereien des 2003 verstorbenen Künstlers grandios unterbewertet, denn wenn überhaupt, habe „der Mack eher beim Zangs abgekupfert als umgekehrt“. Verglichen mit den Zero-Künstlern, ist Zangs tatsächlich geradezu spottbillig und soll laut Maulberger eine Mitgliedschaft bei Zero ausgeschlagen haben, weil er zu eigenbrötlerisch gewesen sei. „Der lebte in einem Haus ohne Türen, Fenster und Wasser“ so der Galerist, was offenbar sogar den auch nicht gerade als pflegeleicht geltenden Zeros zu viel des Schrägen war.

Junge Kunst

Die meisten Entdeckungen lassen sind naturgemäß bei den lebenden und noch produzierenden Künstlern machen. So stößt man am Stand von Fred Jahn, dem diesjährigen Art-Cologne-Preisträger, auf einige erotische Zeichnungen von Konrad Klapheck, der sonst eher für neusachliche Gemälde von riesenwüchsigen Registrierkassen (zu sehen bei Schönewald) bekannt ist; überlebensgroß sind immerhin auch die Amazonen auf Klaphecks Zeichnungen.

Größe zählt auch bei Robert Longo, der eine Maschinenpistole vom Typ AK-47 auf eine riesige Leinwand bannt. Mit dieser Drohgebärde lockt Hans Mayer an seinen Stand, um dann mit einer typischen Liam-Gillick-Installation im – für Gillick-Verhältnisse eher mickrigen – Tafelbildformat zu überraschen. Um die Ecke zeigt dann Nam June Paik, das Bescheidenheit die wahre Größe ist: Der verstorbene Großvater der Medienkunst hat einen alten Sony-Watchman in eine Laterne gesteckt und leuchtet uns mit den laufenden Bildern des Minibildschirms in die Gegenwart unserer demnächst genauso heillos überholten Smartphones heim.

Eine geniale Bastelarbeit von Wim Delvoye findet sich bei der belgischen Galerie Pieters. Er hat die Fassadenelemente einer Kathedrale in Baukastenmanier zerlegt und als Bagger wieder zusammengesetzt. Ein Schelm, wer dabei an die Denkmalpflege der nordrhein-westfälischen Landesregierung denkt. Bei Pieters öffnen sich auch die Türen zu einem Wachsfigurenkabinett, in dem Guillaume Bijf mit dem Kurator Harald Szeemann sowie den Künstlern Bruce Naumann und James Lee Byars einige Helden der nicht mehr ganz so jungen Kunst verewigt hat. So wird man noch einmal daran erinnert, dass eine Kunstmesse ein wenig dem Andenkenladen eines Museums ähnelt; auch hier ersetzen Preisschilder die Bildlegenden, und mit Meisterwerken wird einem der Nippes schmackhaft gemacht.

Empfehlungen

Dieser Ausschuss aber hält sich auf der 47. Art Cologne in so engen Grenzen, dass wir getrost den Mantel des Schweigens darüber breiten können. Stattdessen sollen einige Schauempfehlungen den ersten Rundgang über die Kölner Kunstmesse beschließen: Eine originelle Idee sind etwa die angeschnittenen Pinnwand-Büsten von Paul Ramirez Jonas (bei Leo Koenig) oder die kindlich-heitere Manier, in der Mary Weilman (bei Hauser & Wirth) die klassischen Mondrian-Kacheln zum Tanzen bringt. Vor allem wollen wir aber die Katze preisen, die das Künstlerduo Fischli/Weiss bei Sprüth Magers an einer „Kurzen Ecke aus Gummi“ schnuppern lässt. Laut Galerie soll der Tod des im letzten Jahr verstorbenen David Weiss dem Einfallsreichtum des Duos keinen Abbruch tun: Die beiden hätten Ideen für Jahre entwickelt, das Markenzeichen Fischli/Weiss bleibt also am Leben. Wohin würde dieser Lazarus-Effekt wohl besser passen als auf die Art Cologne?