29.08.2016
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Artcologne: Kunst-Schnellkurs für Laien

Christian Saehrendt - unser Kunstexperte.

Christian Saehrendt - unser Kunstexperte.

Foto:

Sarah Tschanz

Köln -

Messezeit, überall wird geistreich über Kunst geredet. Christian Saehrendt und sein Kollege Steen T. Kittl haben für uns ein paar Fachbegriffe der Kunstmarktprofis übersetzt und sagen, welche Bemerkungen sich der Laie verkneifen sollte.

Kritischer Diskurs

Jedem Kunstwerk kann mit einiger intellektueller Verrenkung eine gesellschafts-, kapitalismus- oder geschlechterrollenkritische Absicht unterstellt werden. Der abgehobene, nur bedingt realitätsorientierte kritische Diskurs der Kunstexperten sichert den Kunststatus der betreffenden Objekte.

Sehgewohnheiten hinterfragen

Ist Kunst offensichtlich langweilig, ekelhaft und unverständlich, kann auf diese Weise dem Betrachter der Schwarze Peter zugeschoben werden, dessen Sehgewohnheiten verbesserungswürdig seien: In diesem Spiel ist der Betrachter immer der Dumme.

Tabubrechend!

Der ästhetische Tabubruch ist inzwischen ein nostalgisches Ritual geworden, das nur noch in der Provinz funktioniert. Heute wird die ästhetische Provokation an staatlichen Akademien als Karrierefach gelehrt. Das Publikum ist hinlänglich daran gewöhnt, hat sich darin eingerichtet. Permanenter Tabubruch ist die neue Gemütlichkeit unserer Zeit.

Prozessuales Werk

Ein dürftiges Kunstwerk wird als Ergebnis eines hochinteressanten und anspruchsvollen Arbeitsprozesses verkauft. Der Berg kreißte und gebar eine Maus.

Wo ist denn der Künstler?

Wer ist denn der Dicke mit dem Hut?

Nur sagen, wenn man den Künstler kennenlernen will und ernste Absichten hat. Nicht nach prominenten Künstlern oder Gästen den Hals recken! Promis ignorieren oder mit falschem Namen ansprechen, wenn es gar nicht anders geht.

Schatz, das würde doch gut über die Durchreiche zum Esszimmer passen!

Nicht so laut. Sie wecken sonst Hoffnungen oder riskieren, den ganzen Abend von Galeristen belästigt zu werden. Niemals während der Vernissage das Scheckheft zücken!