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Astronautik: Die nächste Erde wartet schon

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Die Crew der Expedition 29 landet nach fünf Monaten in der Schwerelosigkeit an Bord der ISS in kasachischen Steppe. Foto: dpa
Köln feiert 2013 das „Themenjahr Luft- und Raumfahrt“ mit zahlreichen Veranstaltungen. Unter anderem findet eine Konferenz zum Thema „Der Mensch im All“ statt. Dabei stellt sich die interessante Frage: Wie weit werden wir noch ins All vorstoßen?  Von
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Köln

Wir sind nicht einzigartig. Eine Erde, lebenspendend, bewohnbar, ist nichts Ungewöhnliches. Viele Sonnen im Universum werden von Planeten umkreist. Gerade haben Astronomen einen Himmelskörper in der bewohnbaren Zone um Tau Ceti entdeckt. „Sie sind überall, sogar gleich nebenan“, schwärmt Professor Steve Vogt, einer der Entdecker. Die Medien jubelten: Bewohnbarer Planet nur 12 Lichtjahre entfernt gefunden.

Also auf, ihr interplanetaren Abenteurer, Pioniere und Kolonisten. Leinen los und ab ins All. „Der Mensch ist ein Geschöpf des Weltraums“ hat der vor ein paar Tagen verstorbene Raumfahrtpionier Jesco von Puttkamer festgestellt.

Köln feiert 2013 das „Themenjahr Luft- und Raumfahrt“. Unter anderem mit dem Jahrestreffen der „Association of Space Explorers“, zu dem mehr als 80 weltraumerfahrene Astronauten in der Stadt erwartet werden. Und mit einer Konferenz zum Thema „Der Mensch im All“, auf der sich 350 Experten aus der ganzen Welt austauschen. Wie weit aber wird der Mensch ins All reisen? Bis nach Tau Ceti?

In Richtung interstellarer Leere

Vielleicht sollten wir das vorher noch einmal durchrechnen. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die eine Lichtwelle in einem Jahr im Vakuum zurücklegt, rund 9,5 Billionen Kilometer. Auf dem Höhepunkt der Weimaraner Inflation, im November 1923, betrug der Wechselkurs für einen Dollar 4,2 Billionen Mark. Sonst rechnen Menschen selten in diesen Dimensionen.

Die Raumsonde Voyager 1, im September 1977 gestartet, verlässt jetzt den Einflussbereich der Sonne, fliegt derzeit rund 18,35 Milliarden Kilometer von unserem Heimatgestirn entfernt der interstellaren Leere entgegen. Kein von Menschen gebautes Objekt ist bislang weiter in den Raum vorgedrungen. Das Licht der Sonne braucht derzeit ein wenig mehr als 17 Stunden, um Voyager zu erreichen. Bis sich die beiden Voyager-Sonden wieder in der Nähe eines Sterns sonnen, werden einige hunderttausend Jahre vergangen sein.
Man kann Sonden und Schiffe konstruieren, die schneller fliegen als Voyager 1 und 2. Aber bei weitem nicht so schnell, dass die interstellare Raumfahrt auch nur zur denkbaren Realität würde. Könnten wir einen Antrieb bauen, der unser Raumschiff auf eine schwer fassbare Geschwindigkeit von 10 Millionen Stundenkilometer beschleunigt, wir wären rund 1200 Jahre bis Tau Ceti unterwegs.

Wassereis bei 400 Grad

„Die Sterne existieren jenseits der menschlichen Zeit, jenseits der menschlichen Reichweite“, resigniert auch der Science-Fiction-Autor Kim Stanley Robinson. Und beschreibt in seinem aktuellen Roman „2312“ stattdessen, wie die Menschheit in dreihundert Jahren ihr eigenes System kolonisiert hat, wie sie Asteroiden ausgehöhlt und in individuell ausgestattete Habitate verwandelt hat (die Idee geht auf das SF-Urgestein Isaac Asimov zurück), wie sie die Nachbarplaneten Venus und Mars und auch Trabanten wie den Jupitermond Europa und den Saturnmond Titan vererdet hat. Wie sie ihren Einflussbereich auf das gesamte Sonnensystem ausdehnt.

Auf dem Merkur als sonnennächstem Planet kann tagsüber eine Temperatur von 400 Grad Celsius überschritten werden, ein gleißender Stein, der uns bestimmt keinen Lebensraum bieten kann. Doch die Nasa-Sonde Messenger hat erst im vergangenen November Hinweise auf Wassereis und gefrorene organische Moleküle entdeckt, die sich im Schutz dauerhaft verschatteter Krater am Nordpol des Merkur gehalten haben.

In Science-Fiction-Büchern ist das ein beliebter Topos und nennt sich „Terraforming“. Um uns erfolgreich im Sonnensystem auszubreiten, müssten wir Atmosphären schaffen oder verdichten und Temperaturen radikal senken oder erhöhen. Immerhin, Letzteres gelingt uns auf der Erde ja ganz ausgezeichnet. Ein Projekt wie etwa die Urbarmachung des Mars muss freilich in Jahrhunderten bemessen werden. Bislang weist die Vererdung fremder Welten weit über das technisch und ökonomisch Mögliche hinaus. Noch ist der Mars als naheliegendster Kandidat kaum erforscht.

Auf geht's zum Mars

Im August 2012 setzte der Marsrover „Curiosity“ erfolgreich im Krater Gale auf. Den Landeplatz taufte die Nasa „Bradbury-Landing“, zu Ehren Ray Bradburys. Dessen „Mars-Chroniken“ beschrieben 1950 die Kolonisierung des Mars als Satire auf das gerade angebrochenen „Space Age“. Curiosity sucht nun 60 Jahre darauf nach Spuren von Leben auf dem Mars, nach organischen Kohlenstoffverbindungen im Mars-Gestein. Denn wo einmal Leben war, kann vielleicht auch wieder neues entstehen.

Wernher von Braun hat im Oktober 1942 mit der später V-2 getauften Rakete das erste von Menschen gebaute Objekt in den Weltraum geschossen. Knapp zwei Jahre später schlugen die Vergeltungswaffen in London ein. „Die Rakete funktionierte perfekt, sie landete nur auf dem falschen Planeten“, kommentierte der moralisch kompromittierte Raumfahrtpionier.
Nur zwei Jahre nach Kriegsende arbeitete von Braun bereits den detaillierten Plan einer Mars-Mission aus: Zehn im Erdorbit montierte Raumschiffe sollten 70 Astronauten zum Roten Planeten bringen. Abschuss-Datum 1965. Nach dem triumphalen Apollo-Programm unterbreitete von Braun einen bescheideneren Plan dem damaligen US-Präsidenten Richard Nixon. Der lehnte zugunsten des Space-Shuttle-Programms ab.

Seitdem gab es viele Vorschläge für Mars-Missionen, nicht nur von der Nasa. Im Juni 2010 wurde eine (rein männliche) Mannschaft von sechs Terranauten in ein 240 Quadratmeter großes Modul gesperrt, das sie erst im November 2011 wieder verließen. Auf diese Weise wollten die russische Raumfahrtagentur Roskosmos und die Esa mehr über den menschlichen Faktor einer bemannten Mars-Mission erfahren. Der Nutzen des Experiments – keine Schwerelosigkeit, keine Strahlung – bleibt fraglich.
Bis Mitte der 2030er, sagt Barack Obama, sollen amerikanische Astronauten zumindest bis zum Mars-Orbit vordringen, Chinas Weltraumorganisation rechnet mit einer bemannten Mars-Mission zwischen 2040 und 2060. Rund hundert Jahre nach den kühnen Träumen von Brauns.

Der große Sprung zum Nachbarplaneten wird beschwerlich, der Traum seiner Urbarmachung ein Jahrtausendziel. Der Weg nach Tau Ceti aber erstreckt sich endlos weit. Wir rasen unbemerkt durch den Raum, von möglichen Mitreisenden durch Billionen Kilometer voller Schwärze isoliert.

Und doch: „Ich glaube nicht, dass die menschliche Rasse die nächsten tausend Jahre überleben wird, wenn sie sich nicht im Weltraum ausbreitet“, sagt der Kosmologe Stephen Hawking . Das Leben auf einem einzigen Planeten sei einfach zu vielen Risiken ausgesetzt. Hawking bleibt trotzdem optimistisch: „Wir werden uns nach den Sternen strecken.“

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