29.07.2016
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Ausstellung in New York: „Spannerfotos“ sorgen für Aufregung

Der Fotograf Arne Svenson interpretioert die Post-Privacy-Ära radikal: Für ein Kunstprojekt hat er heimlich Menschen fotografiert. Die Ausstellung in New York sorgt für Proteste.

Der Fotograf Arne Svenson interpretioert die Post-Privacy-Ära radikal: Für ein Kunstprojekt hat er heimlich Menschen fotografiert. Die Ausstellung in New York sorgt für Proteste.

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AP/dpa

New York -

Voyeurismus oder Kunst? In New York sorgt zur Zeit eine Kunstausstellung mit Fotos aus dem alltäglichen Leben für Empörung. Der Grund: Die Bilder für „The Neighbors“ (Die Nachbarn) wurden ohne Wissen der Bewohner durch die Fenster ihrer Wohnungen geschossen.

Der Fotograf Arne Svenson habe „die tägliche Routine seiner Nachbarn in Downtown Manhattan studiert“, hieß es von der Julie Saul Gallery. Dazu fotografierte er mit einem Teleobjektiv aus seiner Wohnung einfach durch die Fenster in andere Apartments hinein. Die Bilder zeigen einen schlafenden Mann, eine sich bückende Frau von hinten, nackte Beine unterm Bademantel und eine Frau im Schaukelstuhl mit Teddybär. Komplette Gesichter sind nie abgebildet, höchstens einzelne Partien.

„Ich bin empört, weil auch viele Kinder in dem Gebäude leben“, sagte ein Bewohner dem Sender NBC. „Ich habe Kinder, kleine Kinder. Und ich bin sicher, dass es da viel mehr gibt, was wir noch nicht gesehen haben.“ Der Fotograf habe sicher noch einiges auf dem Film. „Und wir alle fragen uns: Was hat er noch und was will er damit tun?“

Svenson sieht das ganz anders. „Für meine Objekte gibt es die Frage der Privatsphäre nicht“, sagt er. „Sie stellen sich hinter einem durchsichtigen Schleier auf einer Bühne dar, die sie selbst gestaltet haben und auf der sie den Vorhang selbst hochgezogen haben.“ Dabei räumt er selbst ein, etwas spannerhaft gearbeitet zu haben: „Die Nachbarn wussten nicht, dass sie fotografiert werden. Ich habe vorsichtig aus dem Schatten von meiner Wohnung in ihre geknipst.“