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Birgit Meyer: „Mit Stuttgart und Frankfurt Schritt halten“

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Birgit Meyer auf der Treppe der Oper am Dom  Foto: Stefan Worring
Kölns Opernintendantin Birgit Meyer bilanziert ihr erstes Halbjahr im Amt. Für die Zukunft will sie an der Kölner Oper auf Klasse statt auf Masse setzen. Die Kölner Oper habe in den vergangenen Jahren bereits internationales Renommee gewonnen.  Von
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Frau Meyer, Sie sind jetzt ein halbes Jahr Kölner Opernintendantin. Ihre Bilanz?

Birgit Meyer: Die fällt positiv aus. Ich bin angetreten mit dem Willen, den Erfolg der vergangenen drei Jahre fortzuschreiben – in der Qualität wie in der öffentlichen Resonanz. Das ist gelungen: Wir haben die Qualität gehalten und hatten Ende Januar mehr Zuschauer, nämlich 16000, als im gleichen Zeitraum in der letzten Spielzeit.

Daran ist in erster Linie „My Fair Lady“ „schuld“.

Meyer: Ende Dezember waren es 13000 Zuschauer mehr, jetzt sind es 16000, da ist „My Fair Lady“ nicht drin, kann also nicht diesen enormen Zuwachs erklären.

Aus Kritikersicht ist die Bilanz der Premieren durchwachsen: „My Fair Lady“ und „Così fan tutte“ waren prima, „Figaro“ und „Anna Bolena“ zumindest Regie-Flops.

Meyer: Bei den von Ihnen genannten Produktionen war die Reaktion gemischt: „Figaro“ z. B. hat unter anderem sehr gute überregionale Kritiken. Und beim Publikum war er kein Flop – er war mit 93 Prozent ausgelastet.

Die Zukunft wird womöglich düsterer, als es die Vergangenheit war. Bei einem städtischen Zuschuss von rund 32 Millionen Euro und einem Fixkostenanteil von etwa 31 Millionen bleibt Ihnen ein künstlerischer Etat von einer Million. Davon müssen Sie von der kommenden Spielzeit an über fünf Jahre fünf Millionen Schulden zurückzahlen. Dann können Sie keine Oper mehr machen.

Meyer: Ich habe einen Betriebskostenzuschuss, mit dem ich die Spielzeit 2013/14 mehr oder weniger fixiert habe. Was die Schuldenrückzahlung anbelangt, so überlegen wir mit der Politik, wie man das so machen kann, dass eben die Konsequenz, die Sie andeuten, nicht eintritt. Ansonsten haben wir einiges getan, den Rahmen nicht zu sprengen.

Was?

Meyer: Mein Vorgänger hatte ja mit zwei Spielstätten geplant – Musical Dome und Palladium. Der Mietvertrag im Palladium läuft Ende 2013 aus und wird auch nicht verlängert. Der Verzicht auf eine zweite feste Spielstätte und auf Doppelvorstellungen spart aber Geld. Wir haben zudem so geplant, dass wir das Ensemble optimal einsetzen, dass wir beim Personal und in den Werkstätten mit den vorhandenen Kapazitäten auskommen und keine Aufträge mehr extern vergeben müssen. Wir schauen beim Notenmaterial, dass wir tantiemenfreie Fassungen benutzen und haben alle Drucksorten kritisch überprüft. Da gibt es viel Einsparpotenzial, ohne dass es an die Substanz geht. An einem bestimmten Punkt ist dann allerdings eine Grenze erreicht.

Mal konkret zur nächsten Spielzeit, in der ja unter anderem „Eugen Onegin“, „Freischütz“, und „Otello“ auf der Agenda stehen: Mit nur sechs Premieren statt neun in den vergangenen Interimsspielzeiten kündigt sich da eine Magerstufe an.

Meyer: Wir werden sechs szenische Premieren und eine konzertante Premiere haben, also sieben Premieren. Das war immer der Standard zu normalen Kölner Opernzeiten. Für uns war der Gesichtspunkt wichtig: Lieber mal eine Premiere weniger, dafür aber die Qualität bei Sängern und Regisseuren halten.

Klasse statt Masse.

Meyer: Ja. Sie müssen auch sehen, dass in den vergangenen Spielzeiten Produktionen für den einmaligen Gebrauch hergestellt und dann weggeworfen wurden. Das können wir uns nicht mehr leisten.

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Aber Sänger wie Johannes Martin Kränzle können Sie weiter engagieren?

Meyer: Kränzle singt in der nächsten Spielzeit nicht in Köln, aber wir sind weiterhin in Kontakt. Wenn „Così“ wiederkommt, will er unbedingt mitmachen. José Cura und Anne Schwanewilms kommen 2014, und wir haben eine ganze Reihe weiterer großer Namen.

Wie sieht die Aufteilung zwischen Palladium und Oper am Dom aus?

Meyer: Wir machen noch eine Produktion im Palladium, gehen dann ins blaue Zelt – mit vier großen Produktionen und der konzertanten Produktion – und haben im März/April eine neue Produktion in der Trinitatiskirche. Im Palladium werden wir aber zusätzlich Wiederaufnahmen haben. Insgesamt ist die Spielzeit stark auf Markus Stenz ausgerichtet – es ist ja seine letzte Kölner Spielzeit. Er wird als Dirigent vier Produktionen betreuen, Premieren und Wiederaufnahmen.

Apropos Stenz. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass die ungeklärten Perspektiven der Oper potenzielle Nachfolger abschrecken?

Meyer: Die Position des Kölner GMD ist eine sehr attraktive, das gilt für das Gürzenich-Orchester und die Philharmonie genauso wie für die Oper. Immerhin wurde das Haus gerade zum Opernhaus des Jahres gewählt. Und der neue GMD wird 2015 ein frisch renoviertes Opernhaus eröffnen. Wenn das keine Perspektiven sind!

Er könnte ein baulich tolles Haus mit einem Hungeretat vorfinden.

Meyer: Da ist ja jetzt die Organisationsuntersuchung für die Bühnen auf den Weg gebracht – sie soll im Sommer vorliegen –, die Aufschlüsse darüber geben soll, was die Bühnen von 2015/16 an benötigen. Unter der Maßgabe, dass die Oper mit Häusern wie Frankfurt oder Stuttgart Schritt halten kann.

Die haben etliche Millionen mehr.

Meyer: Wir brauchen erst einmal eine Diskussionsgrundlage, dann müssen wir zusammen mit der Politik eine Entscheidung treffen.

Aus der Politik hört man zuweilen, dass Köln kein Opernhaus mit internationalem Renommee braucht.

Meyer: Worüber reden wir? Die Kölner Oper hat in den vergangenen Jahren bereits internationales Renommee gewonnen, ist amtierendes Opernhaus des Jahres – und dieser Kurs wird trotz hoher Kosteneffizienz erfolgreich fortgesetzt. Gerade haben wir mit La Fura dels Baus eine der weltweit spannendsten Theatermacher-Teams für „Parsifal“ im Haus. Sie sind sehr kurzfristig im September meiner Einladung gefolgt. Im Übrigen habe ich sehr wohl den Eindruck, dass die Politik will, dass wir 2015 das Haus glanzvoll wiedereröffnen. Wünschenswert wäre zum Beispiel, dass man die Vorstellungszahl auf 150 bis 160 im Jahr herauffährt.

Aber wäre es nicht ein Witz, wenn dann Sie die zwei Millionen bekämen, die Laufenberg nicht bekam?

Meyer: Warum wäre das ein Witz? Für die restliche Zeit des Interims müssen wir uns in dem festgelegten finanziellen Rahmen bewegen. Danach geht es nicht um zwei Millionen, sondern um eine langfristige Planungssicherheit für ein schon jetzt strahlendes Opernhaus.

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