27.09.2016
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Tanz- und Theaterpreis: Wichtige Inspiration für Kölner Szene

Preisträgerin Anja Kolacek (rechts) ist außer sich vor Freude.

Preisträgerin Anja Kolacek (rechts) ist außer sich vor Freude.

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Kurt Oxenius

Köln -

Den Kölner Theaterpreis teilen sich dieses Jahr zwei Produktionen: „Haus Nummer Null“, eine Zeit- und Rauminstallation von Mona el Gammal und Juri Padel und Dennis Kellys „Waisen“, das Sandra Reitmayer für das Theater der Keller inszeniert. Einmal also eine moderne Mitmach-Performance an der Grenze zur Bildenden Kunst, und einmal ein klassisch konstruiertes Stück, zugkräftig in Szene gesetzt.

Vergeben wurden die Kölner Tanz- und Theaterpreise am Montagabend wie gewohnt im Saal der SK Stiftung Kultur im Mediapark.

Großartig sei nicht zuletzt die weit verzweigte und gut durchdachte alptraumhafte Geschichte hinter „Haus Nummer Null“, lobt Jurymitglied Dorothea Marcus in ihrer Laudatio. Anhand von „Waisen“ – Kellys Geschichte einer Geiselnahme ist wohl nicht weniger alptraumhaft – betonte Marcus, wie wichtig die Inspiration von außen für die Kölner Szene ist. Die Regisseurin Sandra Reitmayer hat gerade erst ihren Abschluss im Fach Regie an der Essener Folkwangschule gemacht. Das Preisgeld von 10 000 Euro teilen sich die beiden Gewinner.

Auch der Nachwuchs wird ausgezeichnet

Der mit 5000 Euro dotierte Kinder- und Jugendtheaterpreis geht an „Der Lügensammler“, eine Koproduktion der Kölner Studiobühne mit Agora, dem Theater der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Text und Regie stammen von Kurt Pothen. Eine Kostbarkeit im Schatz unserer Erinnerung sei der „Lügensammler“, lobte Jurymitglied Thomas Linden das Stück über einen Dorfpostboten, der neben Briefen auch noch Lügen bis zur Haustür liefert.

Über den Kölner Tanztheaterpreis, ebenfalls mit einem Preisgeld von 5000 Euro versehen, kann sich das Michael Douglas Kollektiv freuen. Dessen Produktion „Golden Trash“ entstand in Zusammenarbeit mit der Orangerie – Theater im Volksgarten und dem Rautenstrauch-Joest-Museum. Keine eingängige Inszenierung, betonte Jurymitglied Melanie Suchy, sondern ein Abend der mit dem Wagnis überzeuge, einen Galz ganz eigener, menschlich-verrückter Art herzustellen.

Es wurden noch mehr Preise verliehen an diesem Abend: Thomas Wenzel, Urgestein der hiesigen Theaterszene, wurde für seine Rolle in „Ihre Version des Spiels“ mit dem Kölner Darstellerpreis (5000 Euro) ausgezeichnet. „Thomas Wenzel besitzt ein großes Talent die Grenzen zwischen drinnen und draußen im Theater zu verwischen und dadurch seine Auftritte zu einem Erlebnis mit Performance-Charakter zu machen“, lobt Jurymitglied Jessica Düster. Was bei Wenzel immer wieder auffalle, sei seine latente Ironie bei gleichzeitiger völliger Ernsthaftigkeit.

Der Nachwuchspreis „Puck“, dotiert mit 2500 Euro, geht 2013 an Alena Kolbach. Die Schülerin des Theaters der Keller – ein Doppelerfolg also für das Haus an der Kleingedankstraße – überzeuge durch ihre tragende Stimme, ihre variationsreiche Gestik und Mimik, ihre individuellen Körperhaltungen, hieß es in der Lobrede. Sie spiele mit dem ganzen Körper.

Ehrentheaterpreis für Gerhardt Haag

Den Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater (5000 Euro) erhalten Anja Kolacek und Marc Lessle von Raum 13 für ihre Produktion „Kriegsblicke“, eine Collage, so die Laudatio, aus fesselnden und verstörenden Bildern, Berichten von Zeitzeugen und literarischen Quellen, Historie und Gegenwart befrage. Bleibt noch die Ehrung, deren Vergabe bereits vor dem Montagabend bekannt war: Gerhardt Haag ist der neueste Träger des Kölner Ehrentheaterpreises (dotiert mit 2600 Euro). Haag leitet seit 1995 das renommierte Theater am Bauturm.

Harald Demmer hielt die Rede, stellvertretend für alle bisherigen Ehrentheaterpreisträgern, aus denen sich die Jury bildet: Haag übernehme seit 19 Jahren die Verantwortung für 30 Mitarbeiter an einem Theater mit chronischer Unterfinanzierung. Er stelle immer wieder Spielpläne auf, die den eigenen Ansprüchen genügen und trotzdem ein breites Publikum finden.

Vor allem aber, so Demmer, bleibe Haag stets wach und aufmerksam und verliere doch nicht die Sehnsucht nach einem besseren Zustand der Welt aus dem Blick.


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