30.07.2016
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Charlie Hebdo: Mohammed wird zum Comic-Helden

Der Prophet als Kameltreiber: Charlie Hebdo-Herausgeber Charb präsentiert den neuen Comic "Das Leben des Mohammed".

Der Prophet als Kameltreiber: Charlie Hebdo-Herausgeber Charb präsentiert den neuen Comic "Das Leben des Mohammed".

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AFP

Paris -

Die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“, die mit provokanten Mohammed-Karikaturen immer wieder für Aufregung sorgte, hat ein Comic-Heft über das Leben des Propheten veröffentlicht. Der Comic-Band mit dem Titel „Das Leben Mohammeds“ kam am Mittwoch in die Kioske.

Das Heft ist nach Darstellung der Macher weder Karikatur noch Satire, sondern ein auf einer genauen Quellenlage basierender minutiöser Bericht. "Charlie Hebdo"-Chef Charb sagte der Nachrichtenagentur AFP, es handle sich um eine „vom Islam autorisierte Biografie, da sie von Muslimen redigiert wurde.“

Zuletzt hatte „Charlie Hebdo“ im September mit der Veröffentlichung teils derber Mohammed-Karikaturen wütende Reaktionen von Muslimen provoziert, die Abbildungen des Religionsgründers ablehnen. Gedruckt wurden die Karikaturen, als es in zahlreichen muslimischen Ländern blutige Proteste gegen den in den USA produzierten Islam-kritischen Film „Die Unschuld der Muslime“ gab. Aus Angst vor gewaltsamen Protesten auch gegen die Charlie Hebdo-Karikaturen verstärkte die Regierung in Paris Sicherheitsvorkehrungen für französische Einrichtungen in muslimischen Staaten.

Chefredakteur unter Polizeischutz

Für Aufsehen hatte das Blatt schon vorher gesorgt. Im November 2011 wurden nach der Veröffentlichung einer Sonderausgabe mit dem Titel „Scharia Hebdo“ und darin enthaltenen Mohammed-Karikaturen die Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“ in Brand gesteckt und die Internetseite gehackt. Gegen Charb wurden Morddrohungen ausgesprochen, er steht unter Polizeischutz.

Die 1970 gegründete Satirezeitung ging aus dem verbotenen Vorgängerblatt „Hara-Kiri“ hervor. Autoren und Zeichner von „Charlie Hebdo“ scheren sich nicht um Begriffe wie politische Korrektheit. Zu den Attackierten zählen Mächtige aus Politik und Wirtschaft genauso wie Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer. Die wöchentliche Auflage liegt bei rund 70.000 Exemplaren, für die Sonderausgabe im DIN-A-4-Format wurden etwa 80.000 Hefte gedruckt.

Die Sprecherin der französischen Regierung, Najat Vallaud-Belkacem, sagte am Mittwoch mit Blick auf den neuen Comic-Band, es müsse ein „Gleichgewicht“ zwischen dem Recht auf freie Meinungsäußerung und dem Respekt der öffentlichen Ordnung geben. Es müsse auch verhindert werden, „Öl ins Feuer zu gießen“, sagte sie dem Sender France 2. Das Comic-Heft von „Charlie Hebdo“ wollte sie aber nicht beurteilen, da sie es nach eigenem Bekunden noch nicht gesehen hatte.

Die islamische Republik Iran ist da bereits einen Schritt weiter - und protestiert vorbeugend: „Wir verurteilen jegliche religiöse Beleidigung, insbesondere die des islamischen Propheten, und fordern juristische Schritte gegen die Karikaturisten“, sagte Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast am Dienstag während einer Pressekonferenz in Teheran. (afp, dpa)