28.08.2016
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Deichkind in der Lanxess-Arena: Hip-Hop in der Hüpfburg – aber mit ernster Botschaft für Köln

Die Hamburger Band Deichkind in Köln.

Die Hamburger Band Deichkind in Köln.

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Thilo Schmülgen Thilo SchmŸ

Köln -

Deichkind haben keine Lust. Auf Arbeiten, selbst anpacken und große Menschenmassen. Das zumindest erzählt die Hamburger Formation immer wieder in ihren Liedern wie „Arbeit nervt“, „Selber machen lassen“ und „Hauptsache nichts mit Menschen“. Glücklicherweise aber nehmen Porky, Kryptic Joe und Ferris Hilton am Freitagabend in der Lanxess-Arena sich selbst alles andere als ernst und präsentieren etwa zwei Stunden lang das genaue Gegenteil: Die Elektro-Rap-Crew hat richtig Bock. Auf eine detailverliebte Show mit Kostümwechseln, basslastigen Beats, Trampolinen und Hüpfburg.

Es dauert nicht lange, bis nach einem fulminanten Auftakt („So’ne Musik“) im Innenraum der nicht ganz gefüllten Halle die ersten in Neonfarben leuchtenden Knicklichter und Bierbecher durch die Luft fliegen. Vor der Bühne wird ausgelassen Pogo getanzt, und auch auf den bestuhlten Rängen hält es nur die wenigsten Zuschauer auf ihren Plätzen.

„Denken Sie groß“

Auf der Bühne fahren acht riesige dreieckige Säulen – sogenannte Omnipods – exakt auf die Beats abgestimmt in langsamem Tempo umher. Die frei beweglichen Elemente sind mit 210 quadratischen Flächen ausgestattet, auf denen Videos abgespielt werden können, Schriftzüge erscheinen oder einfach nur bunte Farben flackern. Die Szenerie erinnert dabei ein bisschen an Szenen aus dem Gameboy-Spiel „Tetris“.

Anfang der 2000er Jahre, als Deichkind noch ausschließlich als Hip-Hop-Crew ohne Ninja-Kostüme und blinkende Pyramidenhüte unterwegs waren und mit „Bon Voyage“ einen ersten großen Hit landeten, hatten den Jungs noch zwei Plattenspieler und Mikrofone ausgereicht. Heute machen Deichkind Neopunk-Elektro-Rap und haben darin eine äußerst erfolgreiche Nische gefunden.

Wie sie in ihrem Lied „Denken Sie groß“ vom neuen Album „Niveau Weshalb Warum“ singen, haben Deichkind inzwischen Größeres vor und verwandeln jede Halle in einen schrillen Erwachsenen-Spielplatz. Kein Lied vergeht, ohne dass Schreibtischstühle, Schirme, Fitnessgeräte, Tretroller oder Gehirn-Afro-Perücken in die Choreographien miteingebaut werden.

„No Sexism, No Racism“

Hin und wieder haben die Männer dann aber doch auch eine ernstere Seite: Zwischen den Auftritten in 20 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sie vergangene Woche in Dresden vor rund 5000 Menschen ein Benefiz-Konzert gespielt, um die No-Pegida-Bewegung zu unterstützen. In Köln heißt es zudem „No Sexism, No Racism“ – Nein zu Sexismus, Nein zu Rassismus – auf einer Fahne, während die Gruppe in einer überdimensionalen Tonne zu „Roll das Fass rein“ durch das jubelnde Publikum kutschiert wird.

Wenig später geht es auf der Bühne zwischen einer Hüpfburg, wehenden Fahnen und Luftballons drunter und drüber. In einer Mischung aus Stage-Diving und Kissenschlacht lässt sich einer der Musiker in einem aufblasbaren Kinderpool auf den Händen der Menge tragen und wirft dabei wie wild Federn aus blauen Müllsäcken ins Publikum. Dann ist das Spektakel vorbei, und zur Verabschiedung heißt es: „Tschüss, euer Deichkind.“ Deichkind, das ist klar, gehören zur guten Seite.