27.09.2016
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Deutschlandradio: Ein unliebsamer Sportjournalist?

Jens Weinreich (li., hier beim "Play The Game Award 2011" mit Andrew Jennings) ist vom Deutschlandradio entlassen worden.

Jens Weinreich (li., hier beim "Play The Game Award 2011" mit Andrew Jennings) ist vom Deutschlandradio entlassen worden.

Köln -

Jens Weinreich (47) ist ein freier Sportjournalist, der seine Berufung in der kritischen Hintergrund-Berichterstattung sieht. Er schreibt auch für diese Zeitung. Zuletzt war er bei den Olympischen Spielen in London im Einsatz, der Wächterpreisträger konzentrierte sich dabei auf Dopingthemen und Sportpolitik, er betreibt zudem den Blog jensweinreich.de, für den er mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet wurde. Dort schrieb er unlängst: „Warum das Deutschlandradio mir Berufsverbot erteilte“. Weinreich führte aus: „Einigen Mitgliedern des Sportausschusses im Bundestag (…) gefällt meine Berichterstattung schon ewig nicht.“ Da er zu kritisch sei, dürfe er nun „nicht mehr für die Sportredaktion des Deutschlandfunks arbeiten. Ich darf überhaupt nicht mehr für das Deutschlandradio arbeiten. Der Sender (DLF und Deutschlandradio Kultur) hat mir Berufsverbot erteilt. Ohne Anhörung. Ohne Angaben von Gründen.“

"Kein politischer Druck"

Geschehen ist dies: Im April kündigte ihm der Sender die viele Jahre währende freie Mitarbeiterschaft fristgerecht auf, die Zusammenarbeit endete drei Monate später, also Ende Juli. Die Sicht des Senders: „Jens Weinreichs Berichterstattung war nicht der Grund der Trennung“, erklärt Birgit Wentzien, Chefredakteurin des Deutschlandfunks: „Es hat keinen politischen Druck gegeben. Und wenn es welchen gegeben hätte, hätten wir ihn aushalten müssen.“

Grund für die Kündigung sei vielmehr Weinreichs schlechtes Verhalten gegenüber den Mitgliedern der Sportredaktion gewesen, er habe die Solidarität verletzt, Kollegen verunglimpft und ihre Kompetenz infrage gestellt. Wentzien weiter: „Er fordert fairen Umgang und muss auch bereit sein, ihn selbst zu leisten.“ Dies sei jedoch am Ende nicht mehr der Fall gewesen. Die Kündigung sei endgültig und unwiderruflich. Weinreich bemerkt dazu, dass Wentzien, die seit April im Amt ist, ihn gar nicht kenne: „Wir hatten nie Kontakt, sie hat auf meine Mails und Anrufe nicht geantwortet. Sie stellt die Dinge völlig falsch dar und bringt vieles durcheinander.“ Durch die Kündigung verliert Weinreich nach eigener Aussage 30 bis 40 Prozent seiner Einkünfte. Wie er den finanziellen Ausfall kompensieren solle, wisse er noch nicht.


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