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Ein Jahr nach Konzert-Eklat: Mahan Esfahani wird in der Kölner Philharmonie gefeiert

Mahan Esfahani bei der Probe in der Philharmonie.

Mahan Esfahani bei der Probe in der Philharmonie.

Foto:

Hyou Vielz

Köln -

Während eines Konzerts von Concerto Köln im Februar 2016 hatten Rüpeleien einiger Störenfriede Mahan Esfahani gezwungen, seine Aufführung von Steve Reichs „Piano Phase“ abzubrechen.

Dem neuerlichen Versuch, diesen Klassiker der repetitiven Minimal Music in der Kölner Philharmonie zu spielen, schickte der Cembalist und Organist eine kurze Ansprache auf Deutsch voraus: „Bitte lassen Sie mich das Stück in Frieden spielen!“ Allein das trug ihm diesmal schon gutwilligen Applaus ein. Und nach der Aufführung steigerte sich der Beifall zu einer einhelligen Feier des ausgezeichneten Cembalisten.

Bereits an den Anfang des Konzerts hatte der in Großbritannien lebende Iraner einen tragenden Brückenkopf für den weiten Programmbogen vom 17. zum 20. Jahrhundert gesetzt. In Charles Racquets 1637 veröffentlichter Orgel-„Fantasie“ beschleunigen und überlagern sich die meist fugiert behandelten Einzelstimmen nach und nach zu flirrenden Gesamttexturen, die Reichs Minimal Music nicht unähnlich sind.

Während „Piano Phase“ üblicherweise von zwei Pianisten gespielt wird, spielte Esfahani das Stück allein zum per Tonband zugespielten Grundpattern, das er durch minimales Accelerando immer wieder um einen Sechzehntelwert überholte. Indem dasselbe Muster auf diese Weise stets neu mit sich selber kombiniert wird, lässt es fortwährend andere Rhythmen und Melodien hervortreten.

Besonders deutlich wurden bei dieser Fassung für Cembalo und Tonband die Interferenzen, wenn beide Partien vorübergehend auseinanderlaufen und daraus sirrend schnelle 32stel resultieren. Während zwei live spielende Pianisten schnell dem Drang nachgeben, das pulsierende Pattern wieder in Phase zu bringen, kostete Esfahani die faszinierenden Schwebezustände reichlich aus.

Schließlich spielte er mit Musikern des Ensemble Modern noch Reichs „Clapping Music“ und „Music for Mallet Instruments“. Deren Wechsel mit Henry Dutilleux’ʼ kammermusikalischem „Les Citations“ und Teilen aus Bachs „Musikalischem Opfer“ ließ jedoch nachvollziehbare Korrespondenzen zwischen den Stücken vermissen.

Esfahanis Virtuosität und sein Epochen übergreifender Spagat zwischen Alter und Neuer Musik sind höchst schätzenswert, auch wenn sich sein Wagemut beim populären Steve Reich in Grenzen hielt. Doch der Musiker legt auch unschöne Starallüren an den Tag.

Mit seinem Basso Continuo spielte er sich vor die eigentlich konzertierenden Solisten, allesamt Koryphäen der Alten Musik: Daniela Lieb, Petra Müllejans und Hille Perl. Und bei der Entgegennahme des Applauses setzte er sich für alle übrigen Musiker als dirigistischer Maître de Plaisir in Szene. Das muss man nicht mögen.

Das Eklat im vergangenen Jahr

Esfahanis Auftritt stand in der Nachfolge eines Konzerts vom 28. Februar 2016, bei dem es zum Eklat gekommen war.

Im Rahmen eines von Concerto Köln begleiteten Auftritts in den „Kölner Sonntagskonzerten“ spielt Esfahani neben Werken von Vater und Sohn Bach Modernes, darunter, in Kombination mit einem Tonband, „Piano Phase“ von Steve Reich. Der Cembalist leitet die Aufführung mit einer rund zehnminütigen englischsprachigen Erläuterung ein und beginnt dann vor bereits unruhigem Publikum zu spielen.

Nach etwa vier Minuten erzwingen Lacher, Pfiffe, Klatschen und „Aufhören!“-Rufe den Abbruch. Nicht wenige Besucher verlassen den Saal. Der sichtlich erregte Künstler wendet sich mit der Frage „What are you afraid of?“ (Wovor haben Sie Angst?) an das Publikum. Während dieser Anrede wird ihm zugerufen: „Reden Sie Deutsch!“ (KStA)

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