26.07.2016
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Eklat nach Interview: Phil.Cologne lädt Philosoph Peter Singer wieder aus

Radikaler Bioethiker: Peter Singer.

Radikaler Bioethiker: Peter Singer.

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Denise Applewhite / Princeton University

Köln -

Noch vor dem eigentlichen Beginn der phil.Cologne am gestrigen Mittwochabend begann das Kölner Philosophiefestival mit einer Ausladung. Peter Singer, australischer Philosoph, Aktivist für Tierrechte und Mitbegründer des "Great Ape Project", wird am Sonntag nicht darüber referieren, ob Veganer die Welt retten. Grund für die kurzfristige Absage Singers ist nach Auskunft der Veranstalter ein Interview mit dem Philosophen, das Dienstag in der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) erschien. Darin erklärt Singer unter anderem: "Ich halte es für vernünftig, PID zu erlauben. Ein Embryo hat kein Recht auf Leben. Es ist nicht falsch, ihn zu verwerfen, wenn man ein Kind mit Genen, die zu einer Behinderung führen, nicht will." Bereits in der Vergangenheit hatte Singer mit Äußerungen wie dieser für erregte Debatten gesorgt.

Rainer Osnowski, einer der Verantwortlichen der Kölner phil.Cologne erklärte auf Anfrage, dass er solche Äußerungen nicht akzeptieren könne. Er habe Singers Positionen zum Tierschutz in der Vergangenheit stets verteidigt; die in der NZZ erschienenen Aussagen seien indes nicht tragbar. Sie stünden im Widerspruch zum humanistisch-emanzipatorischen Selbstverständnis des Festivals. Zudem erscheine eine sachorientierte Diskussion mit Singer nun nicht mehr möglich.

Protest von Sozialverbänden

"Festival- und Programmleitung wussten von früheren Veröffentlichungen und Aussagen Singers im Hinblick auf Pränataldiagnostik und Behinderung. Nicht vorhergesehen werden konnte, dass Peter Singer seine fragwürdigen Thesen aktuell derart in den Mittelpunkt rücken würde", heißt es in einer Mitteilung des Festivals. Das "Zentrum für selbstbestimmtes Leben" und andere Sozialverbände hatten bereits im Vorfeld gegen die Einladung Singers zur phil.Cologne protestiert und für Sonntag Demonstrationen angekündigt.

Unterdessen begann das Festival gestern Abend mit der Veranstaltung "Was wollte Mohammed?", bei der sich der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi nach einem Vortrag zur historischen Genese des Korans den Fragen von Joachim Frank, Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeiger" stellte. Hier ging es vor allem um das Spannungsverhältnis des Islam zwischen humaner Religion und Appell zur Gewaltanwendung. Ourghi betonte, man müsse das heilige Buch der Muslime unter allen Umständen im Rahmen seiner Entstehungszeit betrachten. Wer wie die Salafisten einzelne Suren isoliere, lande ideologisch im 7. Jahrhundert.

Mal heiter, mal melancholisch dann eine weitere Diskussion zum Thema "Ü 18 - Die Kunst des Alterns". Unter dieser Überschrift philosophierten Susan Neiman sowie der Entertainer Harald Schmidt über die Frage, wie es ist, in die Jahre zu kommen. Das Festival jedenfalls nahm so nach dem Schrecken einen guten Anfang.


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