27.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Elke Heidenreich: „Lindenstraße ertrage ich nicht“

Elke Heidenreich als Privatdetektivin Felicitas Haverdorn in „Verbotene Liebe“.

Elke Heidenreich als Privatdetektivin Felicitas Haverdorn in „Verbotene Liebe“.

Frau Heidenreich, Sie haben einmal in einem Zeitungsessay eine Lobeshymne auf die Seifenoper "Verbotene Liebe" angestimmt . . .

Elke Heidenreich: Und am Ende schrieb ich: „Ach, da einmal mitspielen zu dürfen!“ Eigentlich war das mehr ironisch gemeint, aber dann kriegte ich tatsächlich eine kleine Rolle als Privatdetektivin angeboten, und da habe ich natürlich zugegriffen. Ich finde "Verbotene Liebe" wirklich sehr witzig, und für eine tägliche Soap ist es auch gut gemacht.

Wie wurden Sie überhaupt zum Fan von „Verbotene Liebe?

Elke Heidenreich: Freundinnen von mir haben das dauernd geguckt, und ich habe immer gesagt: Was für ein Unsinn, das tut man doch nicht. Aber als ich eine Zeit lang krank im Bett liegen musste, habe ich mich gelangweilt und halt doch mal reingeschaut. Und dann bin ich hängen geblieben, weil die Dialoge so witzig waren. Seitdem strukturiert mir das meinen Tag. Tagsüber sitze ich am Schreibtisch und arbeite, so gegen 18 Uhr kriege ich dann Hunger, und dann esse ich mein Tomatenbrot und trinke einen Tee oder ein erstes Glas Wein und gucke „Verbotene Liebe“. Danach arbeite ich meistens weiter.

„Verbotene Liebe ist ja eine Glamoursoap mit adeligen Hauptfiguren, die auf Schlössern leben und Champagner schlürfen. Ziemlich weit weg vom Alltag eines Bücherwurms, oder?

Elke Heidenreich: Der Glamour ist gerade das Witzige. Es spielt auf einem Schloss, alle sind reich, und obwohl sich alle hassen, sitzen sie doch in einem Zimmer und frühstücken miteinander. Wenn dann der Graf sagt: „Ich höre, der Südflügel modert“, dann ist das grotesk und komisch. Also ich finde das herrlich, gerade weil es mit der Realität so gar nichts zu tun hat - nicht mit meiner Welt, aber mit der von echten Fürsten sicherlich auch nicht.

Waren Sie denn früher schon Fan anderer Serien?

Elke Heidenreich: Aber natürlich! Ich mag Serien, weil man sich so schön darauf freuen kann - ich finde das enorm entspannend, immer dieselben Figuren zu sehen. „Dallas“ habe ich wahnsinnig gerne geguckt, dienstagabends haben wir uns am Telefon alle nur gemeldet mit: „Ewing Oil, was kann ich für Sie tun?“. Eine Zeit lang habe ich die Arztserie „In aller Freundschaft“ gesehen, und ich habe die „Schwarzwaldklinik“ geguckt. Ich bin ein großer Freund von Serien, solange sie alltagsentrückt sind. Serien wie „Lindenstraße“, die den ganzen bürgerlichen Küchenmief widerspiegeln, ertrage ich nicht.

Alle Welt schwärmt von komplexen amerikanischen Serien. Ist es nicht peinlich, sich als Fan einer trivialen deutschen Soap zu outen?

Elke Heidenreich: Ich finde nicht, dass einem so was peinlich sein muss. Ich muss so viel arbeiten, ich habe so viel zu tun, was meinen Kopf beansprucht und meine arme Festplatte glühen lässt. Ich bin immer glücklich, wenn ich dann zwischendurch dasitzen und einfach nur meine Serie gucken kann, lachen darf über Dialoge wie: „Kann ich etwas für dich tun?“ - „Wenn du so fragst: Fall tot um.“

Braucht jeder so eine kleine triviale Ecke der Entspannung?

Elke Heidenreich: Ich finde, so was braucht man, wir können nicht immer nur funktionieren. Serien sind die trivialen Mythen unserer Zeit. Ich gehe ja auch viel in die Oper, da sehe ich dasselbe beim „Ring des Nibelungen“ von Wagner. Großes Familientheater! Wotan baut sich ein Schloss, kann es nicht bezahlen, macht einen Deal mit der Unterwelt - und am Schluss geht alles unter. Oder nehmen Sie den Inzest der Geschwister Siegmund und Sieglinde, die mit Siegfried ein Kind kriegen, das von Anfang an verflucht ist: Was ist das anderes als verbotene Liebe?

Sie haben „Verbotene Liebe“ ja auch schon mit Werken von Flaubert oder Tolstoi verglichen. Ist das alles nicht etwas hochgegriffen?

Elke Heidenreich: Klar ist das hochgegriffen, aber ich meine eben, dass in den Niederungen und in den Höhen genau die gleichen Themen stattfinden: Liebe, Tod und Eifersucht - wir streben nach Glück und wir kriegen es nicht, je mehr wir streben, desto mehr entzieht es sich. Und das macht eine 18-Uhr-Serie genauso wie ein „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth, das sind die gleichen Themen, nur auf einem anderen künstlerischen Niveau.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?