28.08.2016
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Fraktionssitzung: CDU macht Kehrtwende im Fall Quander

Kulturdezernent seit 2005: Georg Quander.

Kulturdezernent seit 2005: Georg Quander.

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Christoph Hennes

Es gehört zu den Eigenheiten der Kölner Politik, dass es dann doch ganz anders kommt. So gingen die führenden Köpfe des Rates bis zum frühen Mittwochnachmittag fest davon aus, dass sich die Stadt auf die Suche nach einem neuen Kulturdezernenten begeben wird. Von einer gemeinsamen Presseerklärung gleich vierer Fraktionen war bereits die Rede, eine Wiederwahl des Amtsinhabers Georg Quander stoße auf einmütige Ablehnung, hieß es - bei SPD und CDU, Grünen und FDP.

Keine zwei Stunden später war es vorbei mit der Gemeinsamkeit. Die CDU hatte über die Zukunft Quanders beraten und dessen Wiederwahl einstimmig befürwortet.

"Mitten im Strom soll man nicht die Pferde wechseln", sagte der christdemokratische Fraktionsvorsitzende Winrich Granitzka im Anschluss an die Abstimmung. "Es gibt in der Kölner Kultur viele offene Baustellen, kein anderer kennt sie wie Georg Quander. Ein Personalwechsel würde nur eine unnötige Zeitverzögerung bedeuten und der Kultur damit schaden."

Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Ralph Elster, begründete die Entscheidung mit Quanders erfolgreicher Personalpolitik: "Schauspiel und die Oper sind nur dadurch, dass es ihm gelungen ist, gute Köpfe nach Köln zu holen, auf Spitzenplätze in der deutschen Kulturtabelle vorgerückt. Er ist genau der richtige Mann, wenn es nun beispielsweise darum geht, einen geeigneten Nachfolger für den scheidenden Kulturamtsleiter zu finden."

Für und Wider waren vorher bekannt. Schließlich wird im Kölner Rathaus und der Kulturszene seit längerem über diese Personalfrage diskutiert. Was also hat dazu geführt, dass Granitzka im Fraktionsvorstand zunächst gegen Quander spricht, in der unmittelbar folgenden Sitzung der gesamten Fraktion jedoch für ihn? Waren parteitaktische Überlegungen ausschlaggebend? "Wir wollten nicht diejenigen sein, die Herrn Quander zur Schlachtbank führen", sagte Granitzka. Er habe am Nachmittag erfahren, dass SPD, Grüne und FDP erst das negative Votum der Union abwarten wollten, um dann auf dieser Grundlage eine Wiederwahl abzulehnen. Vielleicht aber war es schlicht so: Gegen die Argumente der Quander-Unterstützer in seiner Fraktion kam Granitzka nicht an.

Die CDU hatte den parteilosen Quander 2005 zur Wahl vorgeschlagen. Die Amtszeit endet am 31. Mai 2013. Das rot-grüne Bündnis hat im Koalitionsvertrag nicht festgeschrieben, wer oberster Kulturmanager werden soll. Man werde andere Fraktionen in die Entscheidung einbeziehen, heißt es nur. SPD-Fraktionschef Martin Börschel sagte, Rot-Grün habe zunächst wissen wollen, was die CDU für richtig halte: eine Wiederwahl Quanders oder einen Personalwechsel? Die unterschiedlichen Abstimmungsergebnisse hätten ihn überrascht. Auf dieser Basis sei der SPD eine "seriöse Entscheidung" auf die Schnelle nicht möglich. Der Vorgang sei "ein erneutes Beispiel für die Politikunfähigkeit der CDU".

Ähnlich äußerte sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Barbara Moritz: "Wir wollen die Personalfrage mit einer möglichst breiten Mehrheit entscheiden. Aber die CDU scheidet als verlässlicher Gesprächspartner aus."

Wiederwahl ist ungewiss

Ob das CDU-Votum Quanders Chancen verbessert, ist zweifelhaft. "Ich weiß die Arbeit von Herrn Quander durchaus zu schätzen, aber wir müssen eine Perspektive für mindestens acht Jahre schaffen", sagte Moritz. FDP-Fraktionsvorsitzender Ralph Sterck: "Herr Quander hat sich mehrfach wegbeworben, zuletzt noch für den Chefposten beim Staatstheater in Wiesbaden. Wir werden herausfinden müssen, wie ernsthaft sein Interesse an Köln tatsächlich noch ist."

Der Stadtrat will die Entscheidung am 18. Dezember treffen. Unterstützung erhält Quander aus der Kulturszene. "Wir sind der Ansicht, dass Köln angesichts der sehr blassen Kulturpolitik eine Kontinuität in diesem Bereich benötigt", sagte Peter Bach, Sprecher des Kölner Kulturrates. Der Kulturrat habe zwar "immer wieder kritisiert, dass sich der Kulturdezernent unserer Auffassung nach noch tatkräftiger für die Kultur einsetzen müsste". Andererseits habe er "eine erfolgreiche Personalentwicklung betrieben".

Der Personalrat der Kulturverwaltung hat sich ebenfalls für Quander eingesetzt. Dessen Gesamtleistung werde zu wenig gewürdigt, hieß es in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Roters. Bemerkenswert: Vorsitzender des Personalrats ist der grüne Bezirkspolitiker Andreas Hupke.

Solcher Rückhalt, sagte Georg Quander, habe ihn sehr gefreut. Und es gebe zahlreiche weitere Fürsprache aus der Kulturszene wie aus der Bürgerschaft. Vor allem aber sei er im Moment "erleichtert" über das CDU-Votum, sagt Quander, der an diesem Donnerstag 62 Jahre alt wird.