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Frank Spilker im King Georg: Scheitern mit Anlauf

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Frank Spilker im King George. Foto: Michael Bause
Frank Spilker, Sänger der Band „Die Sterne“, hat sein erstes Buch geschrieben. In seinem Debütroman lässt er den erfolglosen Grafiker Thomas Troppelmann lakonisch durchs Leben taumeln. Im King Georg gab er Einblicke – mit etwas Pausenmusik.  Von
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Köln

Als Musiker ist der Mann ein alter Hase und seit mehr als 20 Jahren im Geschäft. Als Autor ist er ein Greenhorn, weiß sich aber auf seiner ersten Lesereise zu helfen. Frank Spilker, Sänger, kreativer Kopf der Band „Die Sterne“ und unlängst 47 Jahre alt geworden, hat im ausverkauften King Georg gerade erst ein paar Seiten seines Debütromans vorgetragen, als er seinen zwei Meter langen Körper noch einmal anders unter den vor ihm stehenden Tisch schraubt. „Ich habe mich etwas gedreht und spreche jetzt seitlich ins Mikro“, sagt er, „damit ihr merkt, dass die folgende Passage kursiv gedruckt ist.“

„Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen“ heißt das Erstlingswerk von Spilker, und damit hat der Hamburger auf jeden Fall das Format gewechselt. Aber keinesfalls die Themen links liegen gelassen, die ihn auch als Sänger der Sterne seit zwei Jahrzehnten umtreiben. Statt in den Dreiminutendreißig eines Populärmusiksongs geht’s in dem Roman auf 159 Seiten um das Hadern mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen, um das Taumeln durchs eigene Leben und das unermüdliche Stapfen durch den Morast der eigenen Befindlichkeiten. Thomas Troppelmann (an dem fein gewählten Nachnamen hätte Loriot seine helle Freude gehabt), ohnehin nur mäßig erfolgreicher Grafiker, merkt gerade noch rechtzeitig, dass die Dinge in seiner Agentur vollkommen aus dem Ruder laufen und macht sich sang- und klanglos aus dem Staub. Wendet sich ab von  Tastatur und Bildschirm und versucht wieder einen Dreh hin zu dem zu bekommen, was ihm im Alltag abhanden gekommen ist: der Zugang zum eigenen Leben.

Mit schöner Lakonie kündet Frank Spilker im King Georg davon, wie sein Anti-Held – der als Pessimist eher ein Realist ist, der zu viel weiß – scheinbar ziellos durch die Gegend gondelt. Ein Zug nach München, ein Zug nach Nirgendwo, eine Reise nach Egal-Hausen? Wohin Troppelmann auch immer flüchtet, ob er im Haus seiner Eltern Station macht, alte Konflikte wieder aufbrechen oder er mit seiner Teilzeit-Affäre nicht klarkommt – immer nimmt er bei seinem Unterwegssein eins mit, dem er nicht entkommen kann: sich selbst. Dass das Prinzip des Unterwegssein trotzdem okay ist, um möglicherweise doch mal irgendwann irgendwo anzukommen, macht „Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen“ auf kluge Weise klar; wenn schon Scheitern, dann mit Anlauf. Zwischen den Passagen seines Romans singt Frank Spilker ein paar Lieder, unter anderem den Sterne-Song „Manchmal sagt man vertraute Sachen vor sich hin“. Ein anderes tolles Lied von den Sternen, das er an diesem Abend im King Georg nicht spielt, heißt „Von allen Gedanken schätze ich doch am meisten die interessanten“. In Spilkers Roman finden sich jede Menge davon.   

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