27.09.2016
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Funkhaus Europa Summerstage: Südhalbkugelige Gefühle im Tanzbrunnen

Die Afro-Fusion-Band Mokoomba.

Die Afro-Fusion-Band Mokoomba.

Foto:

Christoph Hennes

Köln -

Dichte Wolkendecken, steife Brisen. Über Köln tobte am Samstag der Zweitherbst. Da war es gar nicht so einfach, südhalbkugelige Gefühle zu entwickeln, zur 13. Funkhaus Europa Summerstage im Tanzbrunnen. 

Der sengalesische Lëk Sèn hatte zum Auftakt noch seine liebe Mühe, die wenigen wetterfesten Zuschauern mit seiner afrikanisierten Version von jamaikanischem Conscious-Reggae zu erwärmen. Doch dann strömte es doch noch herein, das multiethnische Köln, Jack-Wolfskin-Jacken wechselten sich mit Batik-Röcken ab - und auf Mokoomba, die spritzige Afro-Fusion-Band aus Simbabwe, konnten sich alle einigen. Die Combo von den Viktoriafällen wechselte mühelos zwischen Afrobeat und Dancehall, zwischen Chorgesang und Salsa-Stücken, präsentierte sich ebenso vielstimmig wie ihr Sänger Mathias Muzaza, technisch und tänzerisch auf derart hohem Niveau, dass ihre wilde Mischung nie beliebig wirkte. 

Zum Auftritt von Akua Naru brach dann endlich die Sonne durch. Nicht, dass die Rapperin aus New Haven, Connecticut, bei Hagelschauer oder Blitzeis weniger überzeugt hätte. Naru transportierte ihr Publikum mit großem Ensemble in die goldene Ära des HipHop zurück, sprich: die frühen 90er. Allerdings flossen ihre Reime viel zu kräftig und dringlich ins Mikrofon, als  dass einem das unschöne Wort "retro" in den Sinn gekommen wäre. Ein Stück das sie an diesem Abend zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellte, überredete endgültig jeden im Publikum zum Tanzen, wild hüpfend, glücklich gestikulierend, als Paar oder sich unter einer improvisierten Limbostange beugend. Ein fantastisches Konzert, Akua Naru scheint wirklich den Faden wieder aufzunehmen, den Lauryn Hill einst fallen gelassen hat. Und dieses Riesentalent wohnt mitten unter uns, in Köln! 

Zum krönenden Abschluss ging es nach Kolumbien, Totó La Momposina, 72-jährige Bewahrerin des afrokolumbianischen Erbes, gilt in ihrer südamerikanischen Heimat als Volksheldin. Ihre Band vereint E-Bass und -Gitarre mit traditionellen Kaktusflöten, vor allem aber mit komplexen Trommelrhythmen, deren afrikanischem Erbe man bis zu heutigen Dubstep-Produktionen nachspüren kann. Die größte Schau war freilich die Momposina selbst. In lilaroter Bonbonverkleidung, mit einer Minnie-Mouse-Schleife im Haar, fegte sie über die Bühne, ihrem Alter und der Kölner Witterung mit unbändiger Energie trotzend.


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