27.06.2016
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Gefälschtes Bild: Lempertz verliert vor Gericht

Henrik Hanstein

Henrik Hanstein

Foto:

Knieps

Köln -

Heinrich Campendonks Gemälde „Rotes Bild mit Pferden“ gehört schon heute zu den berühmtesten Fälschungen der Kunstgeschichte. 2006 wurde es im Kölner Auktionshaus Lempertz für 2,4 Millionen Euro versteigert, eine im Auftrag der Käuferin durchgeführte Untersuchung brachte den Fall Beltracchi vor das Kölner Landgericht. Jetzt war das Bild am gleichen Ort Gegenstand eines Zivilrechtsprozesses, bei dem die Käuferin wegen verletzter Sorgfaltspflichten die Rückabwicklung des Kaufs verlangte. Während der gestrigen mündlichen Verhandlung machte die zuständige Kammer deutlich, dass sie dem Antrag der Klägerin stattgeben wird. Sollte das in Aussicht gestellte Urteil – es soll am 28. September verkündet werden – in weiteren Instanzen Bestand haben, könnte dies den Kunstmarkt in seinen Grundfesten erschüttern. Laut Henrik Hanstein, Inhaber des Auktionshauses Lempertz, droht ein gefährlicher Präzedenzfall. Er sagte dieser Zeitung: „Die Rechtsauffassung des Gerichts bedeutet das Ende des Auktionshandels.“

Üblich oder erforderlich

Lempertz hatte im Prozess argumentiert, man habe an Sorgfaltspflichten geleistet, was im Kunsthandel 2006 allgemein üblich war. Das Gericht verzichtete jedoch darauf, durch Gutachter feststellen zu lassen, was man an Recherchen und Untersuchungen tatsächlich hätte erwarten dürfen, und legte selber fest, was im vorliegenden Fall erforderlich gewesen wäre. Entweder, so das Gericht, hätte Lempertz darauf verzichten müssen, die Echtheit des Gemäldes als gesichert anzugeben – es existiert keine fotografische Abbildung des als verschollen geltenden Werks – oder eine naturwissenschaftliche Untersuchung durchführen lassen müssen.

Das Gericht erklärte, dass man sich auf „wenig festem Terrain“ befinde und betonte, man müsse jeden besonderen Fall, in dem sich ein Gemälde als gefälscht herausstellt, neu abwägen. Im Hochpreissegment des Kunsthandels könnten naturwissenschaftliche Untersuchungen gleichwohl praktisch verpflichtend werden, wenn sich die Herkunft eines Bildes nicht zweifelsfrei klären lässt. Allerdings wird durch die nötigen Probebohrungen das Kunstwerk beschädigt und im Wert gemindert. Zudem gebe es, so Hanstein, bei den Laboren schon jetzt monatelange Wartezeiten. (KoM)


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