27.09.2016
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Golden Gate Bridge: Die Abendröte im Westen

Vor genau 80 Jahren begannen die arbeiten zum Bau der Golden Gate Bride.

Vor genau 80 Jahren begannen die arbeiten zum Bau der Golden Gate Bride.

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REUTERS

In Alfred Hitchcocks "Vertigo" spielt die Stadt San Francisco eine tragende Nebenrolle, und so führt eine Schlüsselszene des Films wie selbstverständlich unter die Bögen der Golden Gate Bridge. Am Fuß der Brücke stürzt sich eine todessehnsüchtige Schönheit in die Fluten und gibt einem Detektiv Gelegenheit, ihr rechtzeitig zu folgen und sie zu retten.

Auch wenn sich der Sprung in den Tod später als Teil einer Intrige entpuppt, gehorcht die Szene einer höheren Notwendigkeit. Seit ihrer Eröffnung zieht die Golden Gate Bridge die Lebensmüden an; über 1200 offiziell bestätigte Tote geben diesem Wunderwerk der Ingenieurskunst einen Schatten der Morbidität. Wie zum Beweis dafür, dass uns gerade die größten Triumphe der Technik mit unsagbarer Schwermut erfüllen.

Große Herausforderungen

Geboren wurde die Golden Gate Bridge 1933 aus dem Geist des Optimismus. Mitten in der tiefsten Depression entschlossen sich die Bürger San Franciscos, eine Brücke zu bauen, von der die meisten Fachleute glaubten, sie könne den auf sie wirkenden Kräften nicht standhalten. Allein Joseph B. Strauss, Leiter eines Chicagoer Ingenieurbüros, hielt das Projekt für durchführbar, sein Mitarbeiter Charles Ellis lieferte die rechnerischen Belege nach.

Die Herausforderungen an Material und technischem Handwerk waren gewaltig: Neben der enormen Spannweite der Hängekonstruktion bereiteten den Planern vor allem die Seitenwinde und die Strömungen in der pazifischen Meeresenge Sorge.

Für die Fundamente des südlichen Brückenturms wurde der felsige Meeresgrund mit Unterwasserbomben begradigt und die Baustelle mit großem Aufwand leergepumpt; die Stahlseile, an denen die Fahrbahn hängt, hatten den ungeheuren Durchmesser von 92 Zentimetern, und um tödliche Abstürze zu vermeiden, ließ Strauss unter der Baustelle ein riesiges Netz spannen.

Zum einzigartigen Wahrzeichen wurde die Golden Gate Bridge allerdings nur, weil sich zur Ingenieurskunst die Schönheit des architektonischen Entwurfs gesellte. 1930 hatte Strauß den einheimischen Architekten Irving F. Morrow mit der Gestaltung der Brücke betraut und damit einen ungeahnten Glücksgriff getan.

Ein symbolisches Bauwerk

Morrow verlieh den beiden Brückentürmen die charakteristische Form antiker Toranlagen und verfeinerte diese im Stil des Art déco. Außerdem plädierte er maßgeblich dafür, die Brücke nicht ins handelsübliche Grau zu tauchen, sondern im International Orange des Schutzanstrichs zu belassen. So liegt die Golden Gate Bridge auf ewig im Glanz der untergehenden Sonne.

Im Grunde ist alles an der Golden Gate Bridge symbolisch: die Entstehungszeit, die Lage am Pazifik und die Anziehungskraft für Lebensmüde. Gerade die Erhabenheit des Baus bietet auf tragische Weise die perfekte Bühne für den Tod: Spaziergänger blicken in die Unendlichkeit des Ozeans, während die Brücke selbst die pulsierende Stadt mit dem Rand der Welt verknüpft - die Brücke führt auf der stadtabgewandten Seite zum Nationalpark Land's End.

So treffen sich im Bild der Golden Gate Bridge amerikanischer Optimismus und Untergangsvision. Die Abendröte des Westens ist nicht mehr allein ein Versprechen, sondern auch ein Abgesang.


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